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So reagiert Griechenland auf den Brexit

EU-Referendum So reagiert Griechenland auf den Brexit

Folgt auf den Brexit der Grexit? Dass nun auch die Griechen zu den Urnen gerufen werden, um über die Zukunft des Landes in der EU zu entscheiden, ist unwahrscheinlich, meint unser Korrespondent Gerd Höhler.

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Weder Premier Alexis Tsipras, noch der konservative Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis spielen mit dem Gedanken an ein Referendum.

Quelle: Alexandros Vlachos

Athen. Weder Premier Alexis Tsipras, noch der konservative Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis spielen mit dem Gedanken an ein Referendum. Zwar gibt es im Parlament und außerhalb einige dezidiert anti-europäische Parteien, teils auf der extremen Linken, teils am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums, die zusammen auf etwa 30 Prozent Stimmenanteil kommen; auch innerhalb des Tsipras-Linksbündnisses Syriza gibt es einen europafeindlichen Flügel. Aber dass sich diese Kräfte durchsetzen und eine Volksabstimmung anberaumen könnten, ist sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn: Die Griechen würden wohl mehrheitlich für einen Verbleib stimmen.

Ansehen der EU hat gelitten

Zwar hat das Ansehen der EU in den vergangenen Krisenjahren erheblich gelitten. Waren die Griechen vor der Krise mehrheitlich begeisterte Europäer, die den EU-Institutionen oft mehr vertrauten als den eigenen, äußern jetzt nur noch 27 Prozent eine positive Meinung zur EU. Sogar 92 Prozent meinen, die EU habe in der Wirtschafts- und Finanzpolitik versagt, 94 Prozent missbilligen die Flüchtlingspolitik der Union. Diese Zahlen spiegeln aber vor allem die Krise in Griechenland: Viele Menschen nehmen die EU – und insbesondere Deutschland – als neue Kolonialmächte wahr, die ihnen immer neue Sparprogramme aufzwingen und das Land in eine nicht enden wollenden Abwärtsspirale gestürzt haben.

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Auf der anderen Seite ist da der Euro, die Gemeinschaftswährung – und an der möchten die meisten Griechen festhalten. In Umfragen sprechen sich regelmäßig zwischen 60 und 75 Prozent der Griechen für den Verbleib in der Währungsunion aus, trotz EU-„Spardiktat“ und Krise. Um des Euros willen möchten die meisten Griechen also in der EU bleiben. Das unterscheidet das Grexit-Szenario vom Brexit – bei den Briten ging es nicht um die Währung.

Auch politisch könnte sich der Wind drehen

Die Folgen des Brexit wird das Land aber zu spüren bekommen. Wenn der Brexit das Vereinigte Königreich und die EU in einen wirtschaftliche Krise stürzen sollte, wie manche prognostizieren, wird Griechenland als eines der wirtschaftlich schwächsten, wenn nicht das schwächste Land der Europäischen Union davon besonders betroffen sein. Die Briten stellten im vergangenen Jahr die größte Zahl von Griechenland – wahrscheinlich ist, dass sie nicht mehr in so großer Zahl kommen, wenn Großbritannien in eine Rezession stürzt. Auch als Exportmarkt spielt Großbritannien für Griechenland eine wichtige Rolle. Das UK liegt unter den Abnehmerländern griechischer Produkte auf Platz sechs.

Auch politisch könnte sich der Wind drehen: Die EU wird nun auf Monate, womöglich auf Jahre damit beschäftigt sein, den Brexit abzuwickeln und den politischen Schaden zu begrenzen. Die Regierung in Athen muss damit rechnen, dass die Bereitschaft, sich daneben auch noch mit der chronischen Griechenlandkrise zu beschäftigen, in Brüssel und den anderen Hauptstädten abnehmen wird. Das könnte bedeuten: Weniger Nachsicht mit Griechenland, weniger Geduld, vielleicht sogar weniger Solidarität. Letztlich könnte das dazu führen, dass nach dem Brexit doch der Grexit wieder auf die Tagesordnung kommt.

Von Gerd Höhler

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