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So teuer wäre der kostenlose Nahverkehr

Vorstoß der Regierung So teuer wäre der kostenlose Nahverkehr

Die Diskussionen um einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr reißen nicht ab. Kritik an der Durchführung der Idee wird immer lauter. Nun zeigen Zahlen der Verkehrsbetriebe, was auf Deutschland finanziell zukommen könnte. Und das ist nur der Anfang.

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Die Verkehrsbetriebe in deutschen Großstädten nehmen jährlich mehrere Milliarden Euro mit dem Verkauf von Fahrscheinen ein.

Quelle: dpa

Berlin. Jedes Jahr eine Elbphilharmonie, finanziert durch den Steuerzahler – so teuer würde der kostenlose öffentliche Nahverkehr mindestens pro Jahr in Hamburg. Das hat ein Sprecher des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) am Mittwoch vorgerechnet. Denn der städtische Verbund erziele durch Fahrscheinverkäufe jährlich rund 830 Millionen Euro.

Kosten in Milliardenhöhe

Auch in anderen deutschen Großstädten löst der überraschende Vorstoß der Bundesregierung zu einem möglichen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für bessere Luft in den Städten Befremden aus. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) befördern jährlich 1,06 Milliarden Menschen durch die Hauptstadt.

Rund eine Milliarde Euro wird durch den Verkauf von Fahrscheinen erlöst. Sie würde durch den Gratis-Verkehr wegfallen. „Aber das ist eine Milchmädchenrechnung“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Man muss die Folgen mitrechnen.“

Mehr Fahrgäste würden nämlich auch mehr Busse und Bahnen, mehr Mitarbeiter, mehr Wartungen bedeuten, sagte Reetz. Schon jetzt werden rund drei Millionen Fahrgäste am Tag in der Hauptstadt befördert. Gerade zu Stoßzeiten bedeutet das überfüllte Züge und Busse. „Ein kostenloser Nahverkehr funktioniert nur dann, wenn das Angebot auch attraktiv bleibt und sich nicht verschlechtert“, so die Sprecherin.

Großstädte lehnen Vorstoß ab

Beim Stuttgarter Verkehrs- und Tarifverbund VVS werden die Überlegungen der Bundesregierung kritisch gesehen. „Eine Dienstleistung, die nichts kostet, ist schwierig“, sagte VVS-Sprecherin Ulrike Weißinger. Es hieße oft: „Was nichts kostet, ist nichts wert“, so Weißinger.

Die Dienstleistung müsse einen Wert haben, sonst werde sie nicht gewürdigt. VVS-Kunden nutzten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 380 Millionen Mal Bus und Bahn. Aus dem Ticketverkauf erzielt der Verbund mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Kostenlose Busse und Bahnen wären nach Angaben des Verkehrsverbundes RMV auch im Rhein-Main-Gebiet teuer. Derzeit betragen die jährlichen Einnahmen durch verkaufte Tickets hier rund 900 Millionen Euro pro Jahr, wie der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat sagte. „Eine Summe, die dann durch andere Quellen finanziert werden muss.“ Allein in der Großstadt Frankfurt wurden 2016 mehr als 300 Millionen Fahrscheine für Bussen und Bahnen gekauft.

Die Kölner Verkehrsbetriebe KVB haben im Jahr 2016 rund 270 Millionen Euro durch den Verkauf von Fahrscheinen erzielt. Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor, erklärte KVB-Sprecher Matthias Pesch.

Deutscher Städtetag kritisiert Idee als „hilflos“

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) beziffert die Erlöse durch Fahrscheinverkäufe auf mehr als 900 Millionen Euro. Das sagte Sprecherin Beate Brennauer am Mittwoch.

Ein kostenloser Nahverkehr würde aus Sicht von Münchens zweitem Bürgermeister Josef Schmid (CSU) die Verkehrsprobleme der Stadt ohnehin nicht lösen. München habe vor allem ein Kapazitätsproblem, sagte er. Schmid forderte ein ÖPNV-Sonderprogramm von 20 Milliarden Euro für ganz Deutschland.

Auch vom Deutschen Städtetag kommt Kritik. „Auf mich wirkt der Vorstoß der Bundesregierung angesichts der andauernden Grenzwert-Überschreitungen bei den Stickoxiden etwas hilflos“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Helmut Dedy. „Ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr ist wahrscheinlich nicht zu bezahlen und ich glaube auch nicht, dass die Bundesregierung das bezahlen will.“

Von Jan Dresing/dpa/RND

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