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Deutschland / Welt Sollen Schulen Gebetsmöglichkeiten schaffen?
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00:15 05.12.2015
Von Michael B. Berger
Tagung Zukunft der CDU Niedersachsen im Dommuseum Hildesheim Foto: Chris Gossmann Quelle: Chris Gossmann
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Hildesheim

Wenn es um Gebetsräume in öffentlichen Schulen geht, kann eine Diskussion schnell brenzlig werden. Oder auch spannend, wie beim Grundwerteforum der CDU Niedersachsen in Hildesheim. „Auf der einen Seite fordert das Bundesverfassungsgericht, dass alle Kreuze aus öffentlichen Schulen müssen, auf der anderen Seite sollen jetzt Gebetsräume eingerichtet werden“, ruft Björn Thümler, der CDU-Fraktionschef im Landtag. „Da machen wir nicht mit.“ Heftiger Beifall im Hildesheimer Dommuseum zeigt Thümler, dass er mit dieser Meinung nicht allein ist. Aber stimmt die Grundannahme? Yilmaz Kilic, der Vorsitzende der türkischen Ditib-Gemeinden, widerspricht: „Gebetsräume werden nicht kommen. Sie hätten den Vertrag vorher durchlesen sollen.“

Erst zum Schluss der zweistündigen Diskussion geht es beim Staat-Kirche-Forum um den Vertrag, den das Land mit den moslemischen Gemeinden noch gar nicht unterzeichnet hat. Tatsächlich handelt der Entwurf für den Staatsvertrag im achten Paragrafen auch „Gebetsmöglichkeiten an öffentlichen Schulen“ ab und hält fest, dass „Schulen geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen können“, sofern das Bedürfnis nach einem solchen Gebetsraum bestehe. Allerdings dürfe das Beten „grundsätzlich nur außerhalb der Zeiten des Unterrichts“ geschehen. In keinem Fall dürfe der „Schulfrieden“ gestört werden, heißt es in dem Vertrag, den die Landesregierung Anfang kommenden Jahres unterzeichnen will.

„Vieles, was wir da vereinbaren, ist noch unter der CDU-Regierung von Christian Wulff entstanden. Wenn Sie da nicht mitmachen, wäre das ein Eigentor, Herr Thümler“, sagt der Moslem Kilic an die Adresse des Christenmenschen Thümler. Und es knistert ein wenig im Saal.

Fürst: Muslimische Gemeinde muss sich stärker einbringen

Vielleicht haben sich die beiden Kontrahenten auch nur die Worte des Hauptreferenten Kurt Biedenkopf zu Herze genommen. Der hatte betont, dass eine abstrakte Diskussion über Werte nichts tauge. Nur der in einer konkreten Situation „gelebte“ Wert sei etwas wert: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Und das könne zu Wertekollisionen führen, auch zu Reibung.

Die zieht auch Michael Fürst einer allgemeinen, „christlichen Gutmenschen-Diskussion“ vor. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden appelliert an seinen türkischen Gesprächspartner Kilic, dass sich die muslimischen Gemeinden wesentlich stärker einbringen müssten in die Gesellschaft. „Viele bilden eine Schattengesellschaft, die gefährlich ist.“ Kilic hält dagegen, dass viele muslimische Jugendliche sich ausgesprochen wohlfühlten in Deutschland, aber bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle oft Diskriminierungen wegen ihres türkischen Namens erführen.

Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister widerspricht Fürsts „Gutmenschen“-Schelte. Er sei über jeden „Gutmenschen“ froh, egal, ob er Christ, Jude oder Moslem sei. Biedenkopfs Sicht der Werte indes gefällt ihm. Man solle sich nur hüten zu fragen: „Was bringt mir der Wert?“ Viele, seufzt Caritas-Direktor Hans-Jürgen Marcus, verstünden unter Werten nur „Ehe und Familie“. Aber bei „Schutz der Fremden“ stoße man auf ein Vakuum.

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