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Spitzenkandidat der Nord-CDU tritt wegen Affäre zurück

Verhältnis mit 16-Jähriger Spitzenkandidat der Nord-CDU tritt wegen Affäre zurück

Emotionaler Rücktritt an der Förde: Der Chef der Nord-CDU, Christian von Boetticher, verzichtet auf die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl und auf den Parteivorsitz. Der einstige Kronprinz von Regierungschef Carstensen scheitert an einer früheren Beziehung zu einem Teenager.

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Christian von Boetticher ist zurückgetreten.

Quelle: dpa

Kiel. Mit einer schweren Führungskrise endet für die schleswig-holsteinische CDU die Sommerpause: Neun Monate vor der Landtagswahl gibt der als Spitzenkandidat vornominierte Christian von Boetticher (40) wegen eines früheren Liebesverhältnisses zu einer damals 16-Jährigen auf und tritt auch als Landesparteichef zurück. Es war ein hoch emotionaler Auftritt des Politikers, der als Hoffnungsträger der Nord-CDU galt und den scheidenden Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (64) beerben wollte.

Der Jurist hatte Tränen in den Augen und ihm versagte teilweise die Stimme, als er die Rückzugsentscheidung bekanntgab, sich zu seiner Liebe im vergangenen Jahr bekannte und die Konsequenzen verkündete. Gerüchte über eine solche Liaison des damals unverheirateten Landes- und Fraktionsvorsitzenden hatten in den vergangenen Tagen immer weitere Kreise gezogen. In der Partei machten sich Unruhe und Unverständnis breit - am Wochenende baute sich dann wachsender Rücktrittsdruck auf. Das Krisenmanagement lief auf Hochtouren, die Telefondrähte glühten.

Zweieinhalb Stunden lang sprach von Boetticher im geschäftsführenden Landesvorstand, also ohne Carstensen, über seine schwierige Lage. Dann ging er wortlos und mit bitterer Miene schweigend an den Journalisten vorbei und fuhr zur Pressekonferenz. „Es war schlichtweg Liebe“, sagte er dort. Diese sehr ungewöhnliche Liebe sei auch vom Umfeld der beiden akzeptiert worden.

Er sei immer wieder mit Spekulationen über sein Privatleben konfrontiert worden und habe dazu stets geschwiegen, erklärte von Boetticher. Am 19. Juli sei er dann im Urlaub von Carstensen mit den Gerüchten konfrontiert worden, die eine Beziehung zu einer unter 18-Jährigen im Frühjahr 2010 betrafen. „Darüber war ich sehr erschüttert.“ Ihm sei bewusst, dass er den an ihn gesetzten Maßstäben privat in diesem Fall nicht gerecht geworden sei.

Rechtlich ist eine intime Beziehung zu einer 16-Jährigen zweifelsfrei zulässig. In der zum Teil immer noch deutlich konservativen Nord-CDU war ein solches Verhältnis für viele aber offenkundig nicht tolerabel.

„Das geht einfach nicht. Das kann man der Partei und der Bevölkerung insgesamt nicht zumuten“, sagte ein einflussreicher Christdemokrat - bei weitem keine Einzelmeinung. Via Twitter und Facebook - über das soziale Netzwerk soll der damalige Kontakt mit der Jugendlichen zustande gekommen sein - wurde das Ganze am Sonntag lebhaft kommentiert.

Von Boetticher hatte auch parteiintern immer Kritiker. Doch nachdem Ministerpräsident Carstensen den schon lange als Kronprinzen gehandelten Ex-Landwirtschaftsminister zum Spitzenkandidaten vorschlug, schien alles klar. Zuvor waren Wirtschaftsminister Jost de Jager (46) und Landtagspräsident Torsten Geerdts (48) als mögliche Alternativen zu von Boetticher im Gespräch.

Neuer Unmut flammte Ende Juli auf, als von Boetticher der Nachrichtenagentur dpa auf die Frage nach Kritik aus der eigenen Partei sagte: „Die Menschen wollen mit ihrer Kritik ja nichts Gutes, sondern ihren Frust loswerden.“ Der Satz löste einige Empörung aus. Und nun die Liebesaffäre mit einer Minderjährigen, die nach Angaben eines persönlichen Beraters im Frühjahr 2010 endete.

Anders als lange spekuliert, hatte Carstensen seinem Wunsch- Nachfolger nicht mit einem Rücktritt noch während dieser Legislaturperiode vorzeitig den Weg auf den Chefsessel der schwarz- gelben Landesregierung gebahnt. In Kiel, wo die CDU seit 2009 gemeinsam mit der FDP regiert, wurden immer wieder Zweifel gestreut, ob von Boetticher bei einer Ministerpräsidentenwahl im Landtag alle Stimmen der Koalition bekommen hätte. An nur einem Abweichler wäre er gescheitert, weil das schwarz-gelbe Bündnis im Parlament nur eine Stimme mehr hat als die Opposition.

Wer die CDU-Fraktion bis zur Landtagswahl im Mai 2012 führen wird, ist jetzt eine weitere spannende Frage in der an ungewöhnlichen Vorfällen so reichen Geschichte der schleswig-holsteinischen Landespolitik. Die Entscheidung fällt wohl an diesem Dienstag.

dpa

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Foto: Christian von Boetticher

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