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Deutschland / Welt Stadtwerke zahlen Hannover zehn Millionen weniger
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Stadtwerke zahlen Hannover zehn Millionen weniger
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00:20 23.07.2014
Die enercity-Türme in Hannover bei Nacht.  Quelle: Thomas
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Hannover

Für das vergangene Jahr hat Enercity noch einen Gewinn von 97 Millionen Euro an die städtische Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover abgeführt – künftig werden es etwa zehn Millionen Euro weniger sein, sagte Vorstandschef Michael Feist der HAZ. „Wir machen derzeit mit unserer Stromerzeugung einen Verlust von bis zu 25 Millionen Euro im Jahr.“

Die Stadtwerke sind durch die Energiewende unter Druck geraten. Weil die Zahl der Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen stetig zunimmt, drängt immer mehr „grüner“ Strom ins Netz. Das trifft die etablierten Versorger doppelt: Zum einen müssen sie ihre konventionellen Kraftwerke öfter anhalten, weil Ökostrom laut Gesetz Vorfahrt genießt. Zum anderen fallen die Preise an der Strombörse, da Wind- und Solarparks – anders als etwa die steuerbaren Anlagen der Stadtwerke – auch zu Zeiten schwacher Nachfrage viel Elektrizität erzeugen.

Auf die Marktveränderungen hat Enercity bereits mit der Schließung des Kraftwerks Herrenhausen reagiert. „Wenn wir für unser Gaskraftwerk in Linden keine Förderung für die Kraft-Wärme-Kopplung bekämen, müssten wir es abschalten“, sagte Feist. Den Kohlemeiler in Mehrum wollen die Stadtwerke bis 2020 komplett abschreiben: „Das bedeutet Wertberichtigungen von zirka 20 Millionen Euro im Jahr.“

Im hannoverschen Rathaus hat man die Hiobsbotschaft vom größten kommunalen Geldbringer bereits erwartet. „Wir waren darauf eingestellt“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Nach dem Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen sei dies binnen kurzer Zeit der zweite Rückschlag für den städtischen Haushalt, sagte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ralf Borchers: „Das tut weh – wir werden bei den Ausgaben künftig jeden Euro zweimal umdrehen müssen.“ Borchers wies aber auch darauf hin, dass große Versorger wie e.on oder RWE noch stärker von fallenden Strompreisen betroffen seien. „Wir hoffen, dass die Stadtwerke stabil durch die Energiewende kommen“, sagte er. Auch Lothar Schlieckau, Grünen-Fraktionschef im hannoverschen Rat, betonte, dass der Gewinnrückgang nicht Schuld der Stadtwerke sei. Der Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen treffe Hannover weit härter. Gleichwohl müsse man bei den Haushaltsberatungen darauf reagieren. „Wir müssen die Ausgabenwünsche prüfen“, sagte Schlieckau.

Die Opposition geht bereits einen Schritt weiter. „Wir werden jetzt Einschnitte vornehmen müssen, die dem Bürger richtig wehtun“, sagte FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Für „Spaßprojekte“ wie etwa die Kunstfestspiele sei künftig kein Geld mehr da. Das sieht CDU-Fraktionschef Jens Seidel ähnlich: „Wenn die Stadtwerke weniger verdienen, muss man sie an anderer Stelle entlasten – etwa beim Kultursponsoring.“

Von Jens Heitmann und Simon Benne

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