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Jeder Zweite fühlt sich fremd im eigenen Land

Studie zu Rechtsextremismus Jeder Zweite fühlt sich fremd im eigenen Land

Eine neue Studie zeigt: Rechtsextreme sind immer mehr dazu bereit, ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Zudem sympathisieren sie zunehmend mit der AfD. Und: Immer mehr Deutsche fühlen sich fremd im eigenen Land – angeblich durch die vielen Muslime.

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In großen Teilen der deutschen Gesellschaft beobachten Forscher zunehmend (rechts-) radikale Einstellungen.

Quelle: Arno Burgi/dpa

Berlin. Ressentiments gegen Muslime haben in Deutschland deutlich zugenommen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die Wissenschaftler der Universität Leipzig am Mittwoch in Berlin vorstellten.

20,4 Prozent ausländerfeindlich

Die Hälfte der Bevölkerung gab demnach an, sich "durch die vielen Muslime (...) manchmal wie ein Fremder im eigenen Land" zu fühlen. 2014 waren es noch 43 Prozent gewesen. Mehr als 40 Prozent der Bürger sind der Meinung, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden (2014: 36,6 Prozent). Auch die Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern sowie Sinti und Roma haben laut der Studie "Die enthemmte Mitte" zugenommen.

Besonders verbreitet sind solche Positionen demnach unter AfD-Anhängern. Allgemeine rechtsextreme Einstellungen wie generelle Ausländerfeindlichkeit oder eine Verharmlosung des Nationalsozialismus blieben laut der Untersuchung auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren.

Als ausländerfeindlich gelten im Osten 22,7 Prozent der Befragten, im Westen sind es 19,8 Prozent, bundesweit 20,4 Prozent. Fast 35 Prozent der rechtsextrem Eingestellten gaben an, AfD zu wählen, vor zwei Jahren waren es lediglich 6,3 Prozent.

Gewalt als Druckmittel

Menschen mit rechtsextremer Einstellung seien zunehmend bereit, zur Durchsetzung ihrer Interessen Gewalt einzusetzen, erklärten die Autoren. Zu beobachten sei eine zunehmende Polarisierung und Radikalisierung in Deutschland.

Forscher der Universität Leipzig untersuchen seit 2002 alle zwei Jahre in repräsentativen Befragungen rechtsextreme Einstellungen in der Gesellschaft. Für die aktuelle Ausgabe dieser sogenannten "Mitte"-Studien befragten die Wissenschaftler im Frühjahr 2016 bundesweit 2420 Menschen.

Die zentralen Ergebnisse der Studie auf einen Blick

Islam

  • "Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden." (Zustimmung 41,4 Prozent im Frühjahr 2016.)
  • "Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land." (50,0)

Sinti und Roma

  • "Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten." (57,8)
  • "Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden." (49,6) - "Sinti und Roma neigen zur Kriminalität." (58,5)

Asylbewerber

  • "Bei der Prüfung von Asylanträgen sollte der Staat nicht großzügig sein." (80,9)
  • "Die meisten Asylbewerber befürchten nicht wirklich, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden." (59,9)

Homosexuelle

  • "Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen." (40,1)
  • "Homosexualität ist unmoralisch." (24,8) - "Ehen zwischen zwei Frauen bzw. zwischen zwei Männern sollten nicht erlaubt sein." (36,2)

Rechtsextremismus

  • "Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert." (21,9)
  • "Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen." (32,1)
  • "Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken." (26,1)

epd/dpa/RND

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