Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Vergelten und verhandeln
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Vergelten und verhandeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:02 16.04.2018
US-Präsident Donald Trump. Quelle: AP
Anzeige
Washington

Nach den wüsten Twitter-Tiraden des US-Präsidenten stand zunächst Schlimmes zu erwarten. Provozierend schleuderte Donald Trump Moskau entgegen: „Mach dich fertig. Die schönen, neuen und intelligenten Raketen zielen auf Syrien und sind startklar.“

Allem Anschein nach ist es der Intervention der Pentagon-Führung zu verdanken, dass die nächtlichen Attacken auf Damaskus und Homs nicht zur weiteren Eskalation beitrugen. Sie konzentrierten sich strikt auf ein Ziel: den jüngsten Einsatz von Giftgas zu vergelten und die Fähigkeiten des Assad-Regimes zu reduzieren, die Massenvernichtungswaffen in Zukunft einzusetzen.

Ganz gleich, ob nun einige Geschosse von der syrisch-russischen Luftabwehr abgefangen wurden oder nicht, steht fest: Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich senden eine unmissverständliche Botschaft. Seit bald 100 Jahren stellt der Einsatz von chemischen Waffen eine rote Linie für die internationale Gemeinschaft dar – und sie soll mit allen Mitteln auch in Zukunft aufrechterhalten werden.

Selbst in den schrecklichsten Kämpfen gibt es Grenzen

Bei aller berechtigten – und notwendigen – Kritik am erratischen Führungsstil im Weißen Haus folgt der Militärschlag, ebenso wie der Angriff vor einem Jahr, einer einfachen Strategie: Selbst in den schrecklichsten Kämpfen gibt es Grenzen, die es einzuhalten gilt.

Angesichts des siebenjährigen Krieges in Syrien, an dem sich etliche Kräfte und Mächte beteiligen, sind die jüngsten Raketenangriffe nur glaubwürdig, wenn rasch neue und ernsthafte Friedensinitiativen folgen.

Für eine Supermacht wie die USA reicht es nicht aus, sich auf Vergeltungsschläge zu beschränken und den brodelnden Konfliktherd anderen Staaten wie Iran, Russland und Saudi-Arabien zu überlassen.

Wiederannäherung an Russland ist notwendig

In diesen Momenten rächt es sich, dass Trump kaum Wert legt auf die Ratschläge gestandener Außenpolitiker aus den eigenen Reihen – wie beispielsweise vom republikanischen Senator John McCain. Auch die Folgen der drastischen Kürzungen im US-Außenministerium sind jetzt zu spüren, da sich so mancher Russlandexperte der Behörde in die freie Wirtschaft verabschiedet hat. Gerade diese Fachleute sind sich einig: Eine Wiederannäherung an Russland ist notwendig, um noch größere Katastrophen zu verhindern.

Deshalb richten sich nun die Erwartungen an die Bundesregierung. Deren eigenwilliger Kurs, die Vergeltung „politisch“ zu unterstützen, ohne sich militärisch zu beteiligen, lässt sich ohnehin nur erklären, wenn Berlin ernsthafte Friedensverhandlungen und die Rolle eines ehrlichen Maklers anstrebt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat für diese Strategie bereits das passende Stichwort parat: Die Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik muss es sein, der gefährlichen Entfremdung entgegenzuwirken.

Von Stefan Koch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie geht es nach dem Raketenangriff auf syrische Giftgasfabriken weiter? Für eine Supermacht wie die USA reicht es nicht aus, sich auf Vergeltungsschläge zu beschränken, findet unser Autor Stefan Koch.

16.04.2018

Nach dem amerikanisch-britisch-französischen Angriff auf syrische Ziele suchen die USA, die EU und die Türkei nach Strategien, wie es weitergehen soll. Brüssel will nun eine Verständigung mit Russland versuchen. Doch Moskau mauert.

16.04.2018

Jürgen Trittin kritisiert die kraftlose Haltung der Bundesregierung zum Syrien-Luftangriff. Merkel „schummelt sich durch“, sagt der Grünen-Außenpolitiker. Und Außenminister Maas (SPD) bekomme berechtigte Kritik aus den eigenen Reihen.

15.04.2018
Anzeige