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Deutschland / Welt Clinton untermauert ihre Favoritenstellung
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Clinton untermauert ihre Favoritenstellung
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12:16 14.10.2015
Von Stefan Koch
Bernie Sanders (links) und Hillary Clinton. Quelle: afp
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Washington

Mit seiner Prognose liegt Donald Trump mal wieder daneben. Unmittelbar vor dem ersten großen TV-Duell der US-Demokraten hatte der Frontmann der Republikaner via Twitter über seine Mitbewerber geätzt: Bei dieser Debatte würden die Zuschauer sicherlich einschlafen. Doch weit gefehlt: Mehrere Millionen Amerikaner erlebten am Dienstagabend (Ortszeit) ein spannendes politisches Streitgespräch, das sich in aller Ernsthaftigkeit den Grundproblemen des eigentlich so reichen Landes annäherte.

Es ist wohl zuallererst dem scharfsinnigen Moderator Anderson Cooper zu verdanken, dass sich die Politikprofis Hillary Clinton und Bernie Sanders nicht hinter ihren vorgestanzten Stellungnahmen verstecken können. Der CNN-Mann konfrontiert die Präsidentschaftsbewerber eingangs mit all den Widersprüchen, Affären und heiklen Entscheidungen in ihren langjährigen Laufbahnen. Freundlich im Ton, aber hart in der Sache geht es Schlag auf Schlag: Clinton muss ihre frühere Nähe zur Wall Street erläutern, Sanders hat sich zu erklären, wie er als bekennender "demokratischer Sozialist" die Herzkammer des Kapitalismus reformieren will. Beherrschendes Thema ist von Beginn an die wachsende soziale Ungleichheit, die die Vereinigten Staaten zu zerreißen droht: "Die Mittelklasse schmilzt seit 20 Jahren, der großen Mehrheit geht es unter dem Strich immer schlechter. Und ein Prozent der Gesellschaft besitzt den größten Teil der Vermögen. Das kann nicht gutgehen", donnert Sanders, der sich trotz seiner jahrzehntelangen politischen Karriere wohl noch nie einem so großen Publikum stellte.

Der Senator aus Vermont bringt die bisherige Favoritin der Demokraten mehrfach in Bedrängnis - und trotzte ihr in den vergangenen Wochen so manches Bekenntnis ab, das ihr gesamtes Programm weiter nach links rücken lässt. Tatsächlich stellt auch die frühere Außenministerin die soziale Schieflage mittlerweile in den Mittelpunkt ihrer Kampagne. So gehört die Erhöhung des Mindestlohns, eine gerechtere Verteilung der Unternehmensgewinne und eine Steuerreform zu ihren Forderungen: "Im Moment zahlen die Reichen zu wenig und die Mittelschicht zahlt zu viel." Außerdem müsse endlich die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen geschlossen werden.

Auch die früheren Gouverneure Lincoln Chafee und Martin O'Malley sowie der frühere Senator Jim Webb prangern die Kluft zwischen Arm und Reich an. Webb beklagt zudem den Einfluss reicher Spender auf die Wahlen: "Die Leute sind angewidert davon, wie das Geld unseren politischen Prozess korrumpiert." Die in den Umfragen weit abgeschlagenen Kandidaten können es jedoch nicht mit der Dominanz von Clinton und Sanders aufnehmen. Sie dürften auch nach diesem Abend in Las Vegas nur unter "ferner liefen" rangieren - während sich Sanders offenbar als Clintons Hauptkonkurrent etabliert.

 "Hey Bernie, vielen Dank dafür"

Das zeigt nicht zuletzt der überraschendste Moment des Abends: Trotz aller scharfzüngigen Auseinandersetzungen springt der 74-jährige Senator aus dem kleinen Bundesstaat Vermont seiner Mitbewerberin im Streit um deren E-Mail-Affäre zur Seite. "Anstatt über Deine verdammten E-Mails zu streiten, müssen wir uns mit den eigentlichen Problemen befassen." Die Amerikaner seien der scheinbar ewigen Debatte überdrüssig. Über diese unerwartete Solidaritätserklärung ist Clinton so überrascht, dass sie ihren Konkurrenten direkt anlacht und ihm die Hand reicht: "Hey Bernie, vielen Dank dafür."

Clintons Umgang mit ihren E-Mails zu ihrer Zeit als Außenministerin hatte sich in den vergangenen Wochen zu dem wohl schwierigsten Thema ihrer Wahlkampagne entwickelt. Die Republikaner betrachten es als schweren Verstoß der Dienstpflicht, dass sie als damaliges Regierungsmitglied ihre elektronische Post auf einem privaten und schlecht gesicherten Rechner erledigte. Tatsächlich kommt ihre Bewerbungstour angesichts des politischen Dauerfeuers der oppositionellen Konservativen bisher nicht so recht in Schwung. Clinton führt zwar in den parteiinternen Umfragen, aber der geringe Abstand zum früheren Außenseiter Sanders zeigt an, wie mühsam es für die einstige First Lady ist, das Vertrauen ihrer Landsleute zu gewinnen.

Angriffslust beim Waffenrecht

Gleichwohl präsentiert sich die Politikerin während der TV-Debatte letztlich als die Erfahrenste. Wenn sie Gelegenheit erhält, kurz zu dem Krisen im Nahen oder Mittleren Osten zu sprechen oder die Strategie von Russlands Präsident Wladimir Putin zu analysieren, fegt sie ihre Parteifreunde mit Detailwissen vom Feld. Angriffslustig zeigt sich die 67-Jährige auch beim Waffenrecht. So wirft sie Sanders in einem harten Schlagabtausch vor, in den neunziger Jahren nicht entschieden genug gegen die Waffenlobby eingetreten zu sein. Sanders verteidigt sich mit dem Verweis auf die weit verbreiteten Jägertraditionen in seiner waldreichen und menschenarmen Heimat in Neuengland - dringt aber letztlich mit seiner Verteidigung nicht so recht durch.

Vor der Debatte lag Clinton in den Umfragen mit etwa 40 Prozent deutlich vor ihren - parteiinternen - Konkurrenten. Sanders kommt bisher auf etwas mehr als die Hälfte, während die anderen Politiker weit zurück liegen. 

Der große Unbekannte im Vorwahlkampf der US-Demokraten bleibt allerdings Joe Biden. Meinungsforscher sehen den Vizepräsidenten zurzeit bei knapp 20 Prozent, obwohl er offiziell seinen Hut noch gar nicht in den Ring geworfen hat. Nächsten Sonntag, wenn die nächsten landesweiten Umfragen veröffentlicht werden, könnte sich Biden entscheiden, ob er seinem bisherigen Chef im Amt nachfolgen will. Aber wenn sich Clinton weiterhin so kämpferisch gibt wie am Dienstag in Las Vegas, gibt es wohl gar keinen Bedarf nach weiteren Bewerbern. Diesen Eindruck hat Biden vielleicht sogar selbst: Die Einladung zu der Debatte beim US-Sender CNN schlug Biden vor wenigen Tagen aus. 

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