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Aussteigerprogramm

Taliban weisen millionenschwere Angebote zurück


Ein internationales Aussteigerprogramm für Afghanistan stößt auf Schwierigkeiten in der Praxis: Die Taliban weisen das millionenschwere Angebot zurück.
Anstatt mit Waffen sollen die Taliban nun auch mit Geld zur Aufgabe gezwungen werden.

Anstatt mit Waffen sollen die Taliban nun auch mit Geld zur Aufgabe gezwungen werden.

© afp

Kabul. Verhandlungen mit den Taliban stehen nach der Afghanistan-Konferenz in London wieder ganz oben auf der Agenda. Präsident Hamid Karsai hat am Freitag in Kabul Vertreter der Regierungsgegner zu einer „Friedenskonferenz“ eingeladen. Bereits Anfang Januar soll Kai Eide, UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan, mit Vertretern der „Quetta Shura“, der Führung der radikalislamischen Talibanmilizen, in Dubai erste Gespräche geführt haben. Und die internationale Gemeinschaft hat in London rund 140 Millionen US-Dollar für eine Art „Prämienfond“ zusammengebracht, mit dem ein Aussteiger-Programm für Talibankämpfer finanziert werden sollen. Doch das Bemühen findet wenig Anklang.

„Das ist ohne Aussicht“, heißt es in einer Interneterklärung der Taliban.

Der westliche Plan, die Hälfte der auf etwa 25 000 Kämpfer geschätzten Gotteskrieger mit Geld zur Aufgabe bewegen zu können, steckt noch in den Kinderschuhen. Bislang gibt es keine genauen Vorstellungen, wie das Vorhaben in die Praxis umgesetzt werden soll. Nato-Militärs und Kabuls Regierung denken in erster Linie an Widerstandskämpfer aus Afghanistans Dörfern. Denn die hartgesottenen „Neo-Taliban“, die überwiegend in Koranschulen im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan gedrillt werden, dürften mit Bargeld kaum zu locken sein.

Regierungen in Singapur oder Saudi-Arabien haben während der vergangenen Jahre mit unterschiedlichem Erfolg versucht, Islamisten aus dem „Heiligen Krieg“ herauszukaufen. Sogar in Afghanistan gibt es bereits seit Jahren ein Wiedereingliederungsprogramm. Aber im vergangenen Jahr wurde es gerade mal von 170 Kämpfern angenommen. Ein Grund für den geringen Zuspruch, der auch künftig eine Rolle spielen wird: Die Regierung konnte die Sicherheit der früheren Kämpfer nicht garantieren. Selbst hochgestellte Talibanführer mussten bei Gesprächen mit Kabul und den UN ihre Namen vor den eigenen Leuten geheim halten, weil sie sonst zur Zielscheibe des radikalsten Flügels geworden wären.

Präsident Karsai versucht nun, seine Charmeoffensive gegenüber den Milizen mit der Offerte zu versüßen, wichtige Führer nach Niederlegung der Waffen aus einer 500 Namen umfassenden „Terrorliste“ der Vereinten Nationen streichen zu lassen. Die Talibanführung hatte diesen Schritt in der Vergangenheit ebenso als Vorbedingung für Gespräche gestellt wie das unerfüllbare Verlangen nach Abzug aller ausländischen Truppen vor jedem Verhandlungsbeginn.

Karsais Verbündete sperren sich noch gegen eine solche „Begnadigung“. Aber auch der Nato-Kommandeur in Afghanistan, General Stanley McChrystal, erwog vor ein paar Tagen die Möglichkeit, mit Taliban zu verhandeln, sobald die Allianz militärisch die Oberhand gewonnen hat. Ob das gelingen kann, muss freilich erst noch bewiesen werden. Vorläufig sehen die Taliban wenig Anreiz, ihren Kampf zugunsten von Verhandlungen aufzugeben.

Willi Germund

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  • ?? neue Wege ?? rudi – 31.01.10
    welcher (nette)taliban nimmt mich auf? will mich dann über das Aussteigerprogramm finanziell fördern lassen, somit auch weg von Hartz 4.
    Also mal ehrlich: von Politikern wird man nicht enttäuscht, in Erwartung von "seltsamen" Vorschlägen.... und das habe ich ganz frdl. ausgedrückt!
  • Was wollen die Taliban? Bürger – 29.01.10
    Vielen Dank für Ihren Lagebericht. Ich nehme das einmal so auf. Vielen Dank! „Was also wollen die Taliban? Und wer kann für sie sprechen? Noch immer gibt es darüber keine Klarheit, höchstens Hinweise darauf, dass die Bewegung strategisch nicht unbedingt eins ist.“

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