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Deutschland / Welt Tausende blockieren Neonazi-Demo - Thierse weggeführt
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20:56 01.05.2010
Grünen-Politiker Wolfgang Wieland (links) und der Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD): Ein Bündnis Linker Gruppen versuchte mit Sitzblockaden und Sprechchören den Aufmarsch der Rechten zu verhindern. Quelle: dpa

Begleitet von massiven Protesten sind am Samstag etwa 600 Neonazis durch den Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg gezogen. Mehrere Tausend Menschen waren auf den Straßen unterwegs, um den Aufmarsch zu verhindern. Kurz nach dem Beginn an der Bornholmer Straße stoppte unter anderen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) den Aufzug mit einer Sitzblockade. Beamte hoben den 66-Jährigen nach mehrmaliger Aufforderung an Händen und Armen hoch und führten ihn an den Straßenrand. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 7000 Kräften im Stadtgebiet unterwegs. Das ist einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre an einem 1. Mai in Berlin. Am Abend wurden in Kreuzberg wie in den Vorjahren in gewalttätige Auseinandersetzung am Rande eines linken Demonstrationszuges erwartet.

Der Beginn des Aufzuges der Neonazis verzögerte sich über Stunden. Wegen der Proteste kam er bis zum frühen Abend immer wieder ins Stocken und musste schließlich zum Ausgangspunkt zurückkehren. Damit haben die NPD-Anhänger nur einen Bruchteil der ursprünglich geplanten, insgesamt sechs Kilometer langen Route geschafft. Ursprünglich waren allein in Berlin 1000 bis 3000 Neonazis erwartet worden. Größere Proteste gegen Neonazi-Demonstrationen gab es auch in Rostock, Erfurt, Zwickau, Schweinfurt sowie in Würzburg.

Die Polizei löste vom Morgen an Sitzblockaden auf und trug hunderte Anhänger des Berliner Bündnisses “1. Mai nazifrei“ hinter die Absperrungen. Es wurde auch Pfefferspray eingesetzt. Über der Bornholmer Straße kreisten Hubschrauber, Wasserwerfer standen in Seitenstraßen bereit, berittene Polizisten überblickten die Menge. Auch Hunde waren im Einsatz. Entlang der Aufmarschstrecke der Neonazis wurden am Samstagnachmittag mehrere Müllcontainer und Autos angezündet. Ein Feuerwehrsprecher ging von abgesprochenen Aktionen aus, da sie kurz nach 15.00 Uhr mit dem Start des Neonazi-Zuges zusammenfielen.

Am Mittag hatte sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zufrieden über den friedlichen Verlauf geäußert. „Wie der heutige Tag verlaufen wird, werden wir aber am Abend sehen“, sagte er.

Abseits der angemeldeten Route versuchten etwa 300 Rechtsextreme, darunter Gesinnungsgenossen aus Spanien, Italien und Tschechien, am Kurfürstendamm zu demonstrieren. Die Polizei unterband die Ansammlungen. 200 Neonazis wurden nach dpa-Informationen festgenommen und in die Gefangenensammelstelle in der Kruppstraße in Berlin-Moabit gebracht.

Die Polizei hatte für den Abend des 1. Mai in Kreuzberg angekündigt, Gewaltausbrüche gleich zu Beginn im Keim zu ersticken. Bereits am Nachmittag versammelten sich in dem Stadtteil mehrere tausend Menschen in friedlicher Atmosphäre zum traditionellen „Myfest“. Bei Essen und Musik trafen sich vor allem viele Familien mit Kindern auf dem Festgelände zwischen Kottbusser Tor, Görlitzer Bahnhof und Oranienplatz. Mit einem neuen Sicherheitskonzept und einem Flaschenverbot hofft das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in diesem Jahr auf ein durchgehend friedliches Straßenfest.

Weitgehend friedlich blieben die Berliner Walpurgis-Feiern in der Nacht zum Samstag. 60 Menschen wurden festgenommen. „Es war eine der ruhigsten Nächte vor einem 1. Mai seit langem“, sagte der Innensenator.

dpa

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