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"Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers"

Terrorverdächtiger Abdeslam "Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers"

Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist von Belgien an Frankreich ausgeliefert worden. Abdeslam war nach den Anschlägen von Paris im November mit 130 Toten als einer der Hauptverdächtigen gesucht worden. Regelrecht erschüttert war jedoch der belgische Anwalt über die Intelligenz seines Mandanten.

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Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist von Belgien an Frankreich ausgeliefert worden.

Quelle: Laurent Dubrule/dpa

Brüssel. Um genau 9.05 Uhr landet Salah Abdeslam, streng bewacht von französischen Elitepolizisten, in Frankreich: Sechs Wochen nach seiner Festnahme in Brüssel hat Belgien den mutmaßlichen Paris-Attentäter nach Frankreich ausgeliefert. Der 26-jährige Islamist wurde am Mittwochmorgen den französischen Behörden übergeben, wie die Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel mitteilte. Ermittler und Angehörige der 130 Anschlagsopfer hoffen auf neue Erkenntnisse.Die Aktion sei unter strengster Geheimhaltung durchgeführt worden, um Zwischenfälle zu vermeiden, wie der belgische Rundfunk RTBF berichtete. Der 26-jährige Franzose sollte nach Angaben der für Terrorismus zuständigen Pariser Staatsanwaltschaft im Laufe des Tages den dortigen Untersuchungsrichtern vorgeführt werden. Nach Informationen des Senders RTBF wird er höchstwahrscheinlich künftig in einem Gefängnis in einem Pariser Vorort sitzen.

"Salah Abdeslam ist heute den französischen Behörden übergeben worden", teilte auch die Pariser Staatsanwaltschaft mit. "Nach seiner Ankunft auf französischem Territorium um 9.05 Uhr wurde ihm der Haftbefehl ausgehändigt." Nach Angaben aus informierten Kreisen wurde der in Belgien geborene Franzose mit marokkanischen Wurzeln nach Frankreich geflogen, bewacht von Polizisten der französischen Spezialeinheit GIGN.

Abdeslam war am 18. März nach monatelanger intensiver Fahndung im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen worden. Er soll bei der Planung und Ausführung der Pariser Anschläge vom 13. November eine zentrale Rolle gespielt haben. Vermutlich ist er zudem der einzige noch lebende Islamist, der direkt an den Anschlägen beteiligt war. Die Ermittler erhoffen sich daher von den Verhören des 26-Jährigen neue Erkenntnisse zu den Anschlägen.

Anwalt ist erschüttert

"Das ist ein kleines Arschloch aus (dem Brüssler Stadtteil) Molenbeek, hervorgegangen aus der Kleinkriminalität, eher ein Mitläufer als ein Anführer. Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers, er ist von einer abgrundtiefen Leere."

(Der belgische Anwalt Sven Mary am Mittwoch in der französischen Zeitung "Libération" über seinen Mandaten Salah Abdeslam, dem unter anderem die Beteiligung an den Pariser Anschlägen mit 130 Toten vorgeworfen wird.)

Abdeslam wurde am Mittwoch zunächst in den Pariser Justizpalast gebracht. Dort sollte er von Untersuchungsrichtern befragt werden, die ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleiten dürften. Anschließend sollte er einem Haftrichter vorgeführt werden - die Pariser Staatsanwaltschaft hat Untersuchungshaft für Abdeslam beantragt.

Der französische Justizminister Jean-Jacques Urvoas sagte, Abdeslam solle in einem Gefängnis im Großraum Paris in Isolationshaft genommen werden. "Es wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, damit seine Umgebung gesichert wird." Nach Angaben aus informierten Kreisen soll Abdeslam in der Haftanstalt der südlich von Paris gelegenen Gemeinde Fleury-Mérogis untergebracht werden, dem größten Gefängnis Europas.

Opferanwältin Samia Maktouf sagte am Mittwoch, sie erwarte keine "wirkliche Zusammenarbeit" des Islamisten mit den Behörden. Sie hoffe aber, dass die Verhöre "neue Elemente bringen, um Anwerber und Finanzierer" der für die Anschläge verantwortlichen Islamistenzelle zu identifizieren. Abdeslams neuer französischer Anwalt Frank Berton sagte der Regionalzeitung "La Voix du Nord", sein Mandant wolle sich "erklären".

Komplizen fuhren ihn von Brüssel nach Paris

Salah Abdeslam, dessen Bruder Brahim sich bei den Pariser Anschlägen in die Luft sprengte, hatte Autos und Verstecke für die Paris-Attentäter gemietet und Material für Sprengsätze gekauft. Am Abend des 13. November selbst soll er drei Selbstmordattentäter zur Fußballarena Stade de France gefahren haben, wo Frankreich gegen Deutschland spielte.

Womöglich wollte sich der 26-Jährige auch selbst in die Luft sprengen - ihm soll eine später in einem Pariser Vorort gefundene Sprengstoffweste gehört haben. Nach seiner Festnahme sagte er den Ermittlern, er habe sich am Angriff auf das Stade de France beteiligen wollen, dann aber einen "Rückzieher" gemacht.

Am Tag nach den Anschlägen konnte er aus Paris fliehen: Komplizen fuhren ihn zurück nach Brüssel, dabei passierte er unbehelligt eine Polizeikontrolle. Nach vier Monaten Fahndung wurde der meistgesuchte Mann Europas am 18. März bei einer Razzia in Molenbeek angeschossen und festgenommen.

Von den Planungen zu den Anschlägen in Brüssel vier Tage nach seiner Festnahme will er nichts gewusst haben. Wohl aber gibt es Verbindungen zwischen Abdeslam und den Selbstmordattentätern, die bei den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt am 22. März 32 Menschen mit in den Tod rissen.

So wurde er im September zusammen mit dem Brüssel-Attentäter Najim Laachraoui an der österreichisch-ungarischen Grenze in einem Auto kontrolliert. Am 3. Oktober holte er in Ulm unter anderem einen Mann ab, der im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris und Brüssel beschuldigt wurde.

afp

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