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Deutschland / Welt Dschihadisten horteten Waffen und Polizeiuniformen
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12:55 16.01.2015
In Verviers kam es zu einem Polizeieinsatz gegen mutmaßliche Dschihadisten. Quelle: Oliver Hoslet/dpa
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Brüssel

In Verviers seien unter anderem Kriegswaffen vom Typ Kalaschnikow AK47, Munition, Sprengstoffe und Polizeiuniformen gefunden worden. Der Sprecher bestätigte frühere Angaben, dass Attentate gegen die Polizei in Belgien geplant waren. Bei dem Anti-Terroreinsatz waren am Donnerstagabend in Verviers zwei Männer getötet worden.

Kein Polizist oder Anwohner sei bei der Aktion verletzt worden. Auch in Brüssel und Umgebung griffen die Ermittler zu. Laut Staatsanwaltschaft stand ein Terroranschlag unmittelbar bevor.

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Im belgischen Verviers kam es zu einem Anti-Terror-Einsatz. 

Verviers liegt unweit der deutsch-belgischen Grenze rund 35 Kilometer von Aachen entfernt. Dort hätten die Verdächtigen mit Kriegswaffen zunächst minutenlang auf die Spezialkräfte der Polizei geschossen, so die Staatsanwaltschaft. Die Identität der Toten blieb zunächst offen. Die Ermittler sprachen von einer Terrorzelle; einige ihrer Mitglieder seien aus Syrien heimgekehrt. Die Ermittler äußerten sich nicht zu einer möglichen Zugehörigkeit der Syrien-Kämpfer zu einer bestimmten Terrororganisationen.

Terrorwarnstufe drei

Für ganz Belgien wurde die Terrorwarnstufe von zwei auf drei heraufgesetzt. Die Skala hat insgesamt vier Stufen, vier ist der Maximalwert. Die mutmaßlichen Terroristen in Verviers seien vor kurzer Zeit aus Syrien zurückgekommen und von den Sicherheitsbehörden überwacht worden, berichtete der belgische TV-Sender RTL-Info. In der Stadt gebe bis zu zehn Personen, die in Syrien gewesen seien. Die Polizei ging in der Rue de la Colline unweit des Bahnhofs im Stadtzentrum von Verviers gegen die mutmaßliche Terroristengruppe vor, berichteten Medien. In dem Gebäude habe es früher eine Bäckerei gegeben. Es gab Schüsse aus automatischen Waffen und mehrere Explosionen, berichteten Augenzeugen. Das Areal sei weiträumig abgesperrt worden.

Bewaffneter Mann in U-Bahn-Station

Am Abend war die Straße weiter abgesperrt. Zwei schwer bewaffnete Polizisten verwehrten Passanten den Zugang, wie eine dpa-Reporterin aus Verviers berichtete.  Ein bewaffneter Mann soll in einer Brüsseler U-Bahn-Haltestelle religiöse Parolen in Arabisch und Französisch skandiert haben. Er wurde festgenommen, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Der Vorfall ereignete sich in der Station Ribaucourt im Stadtbezirk Molenbeek. Ob es einen Zusammenhang mit den islamistischen Attentaten gibt, die Frankreich in der zurückliegenden Woche erschütterten, wurde aus den Ausführungen der Staatsanwaltschaft nicht deutlich. Belga schrieb, es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung mit den Vorfällen mit Frankreich, nannte dafür aber keine Quelle. Die Polizei in Belgien hatte schon vor dem Einsatz in Verviers einen Mann vorläufig festgenommen, der behauptet hatte, mit dem erschossenen Pariser Geiselnehmer Amedy Coulibaly in Kontakt gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu weiteren Details, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Sie will sich an diesem Freitag um 11 Uhr wieder äußern.

Belgien und der Islamismus

Die belgischen Behörden warnen seit langem vor islamistischer Gewalt im eigenen Land. Ein Überblick über Vorfälle und Fakten:

  • Am 24. Mai 2014 erschießt der Islamist Mehdi Nemmouche bei einem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel vier Menschen. Der Täter ist Franzose. Er wird später im südfranzösischen Marseille verhaftet und nach Belgien ausgeliefert. Nemmouche ist bislang nicht verurteilt.
  • Aus keinem EU-Land sind hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung so viele Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg gezogen wie aus Belgien. Das berichtete das britische Magazin „The Economist“ im Vorjahr. Nach einer aktuellen Auflistung des Thinktanks Brookings reisten bislang bis zu 650 Kämpfer aus Belgien in das Konfliktland.
  • In der Stadt Verviers sollen nach Angaben des belgischen TV-Senders RTL-Info bis zu zehn Syrien-Rückkehrer gelebt haben. Verviers hat etwa 50.000 Einwohner und liegt rund 35 Kilometer südwestlich von Aachen.
  • Einer der Attentäter von Paris hatte Verbindungen nach Belgien. Ein Mann aus dem südbelgischen Charleroi hatte in den vergangenen Monaten mit Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt. Die Polizei habe entsprechende Dokumente bei dem Verdächtigen gefunden, berichteten belgische Medien. Coulibaly hatte am Freitag in einem koscheren Supermarkt in Paris Geiseln genommen und vier Menschen erschossen. Er selbst wurde anschließend von der Polizei getötet.

dpa/mhu

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