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Priester bei Geiselnahme in Frankreich getötet

"Schändlicher Terroranschlag" Priester bei Geiselnahme in Frankreich getötet

In einer Kirche in Frankreich haben zwei bewaffnete Männer während des Morgengottesdienstes mehrere Geiseln genommen. Ein Priester wurde getötet, eine weitere Geisel schwer verletzt. Die Polizei erschoss beide Geiselnehmer. Sie waren Mitglieder des IS. Einer von ihnen war sogar polizeibekannt.

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Einsatzkräfte in der Nähe des Tatorts in der französischen Kleinstadt Saint-Etienne-du-Rouvray.

Quelle: dpa

Saint-Étienne-du-Rouvray. Zwei Angreifer sind in Nordfrankreich während einer Messe in ein Gotteshaus eingedrungen und haben dort eine Geisel getötet. Eine weitere Geisel wurde in der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen schwer verletzt, wie der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, dem Sender France Info sagte.

In einer Kirche in Nordfrankreich hat es am Dienstag eine Geiselnahme gegeben. Die Polizei stürmte das Gebäude und überwältigte die beiden Geiselnehmer.

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Die Polizei habe die beiden Täter erschossen. Nach dem Tod der Geisel ermittelt die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft. Nach Angaben von Präsident François Hollande haben sich die Täter auf die Terrormiliz Islamischer Staat berufen. Den Angriff verurteilte er als "schändlichen Terroranschlag".

Medienberichte: Ein Täter war polizeibekannt

Französichen Medienberichten zufolge soll einer der beiden Angreifer den Sicherheitsbehörden offenbar bekannt gewesen sein. Zu dem Mann gebe es einen Eintrag in einer Datenbank mit als radikalisiert eingestuften Personen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Er habe demnach im Vorjahr versucht, nach Syrien zu gelangen.

Bei seiner Rückkehr nach Frankreich wurde dem Bericht zufolge ein Anklageverfahren gegen ihn eröffnet, unter anderem wegen des Verdachts auf Verbindungen zu einer Terrororganisation. Der Mann kam vorübergehend in Haft und wurde später mit einer elektronischen Fußfessel wieder freigelassen. Die Informationen von AFP stimmen mit Angaben des Senders iTele überein.

16-jähriger Verdächtiger festgenommen

Im Zuge der Ermittlungen nach dem Anschlag auf eine französische Kirche ist ein Minderjähriger in Polizeigewahrsam genommen worden. Der in Algerien geborene 16-Jährige sei der jüngere Bruder einer Person, die mit internationalem Haftbefehl gesucht werde, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Dienstagabend.

Diese solle im März 2015 mit den Papieren des identifizierten Angreifers aus der Kirche in das irakisch-syrische Gebiet gereist sein. Die Ermittler führten auch Durchsuchungen durch, die am Abend noch andauerten.

86-jähriger Priester getötet

Die Pariser Staatsanwaltschaft eröffnete eine Untersuchung, wie die Behörde mitteilte. Nähere Angaben zum Grund für den Terrorverdacht nannte sie nicht. Vor Ort läuft der Einsatz weiter: Die Polizei untersucht die Kirche nach möglichen Sprengsätzen. Ein Einsatz zur Minenräumung sei im Gange, sagte Brandet.

Bei dem Toten handelte es sich um einen Priester. Das teilte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, mit. Das Opfer sei 86 Jahre alt gewesen. Der Vatikan verurteilte den "barbarischen Mord" und sprach in einer Mitteilung von "grauenvoller Gewalt". Papst Franziskus teile "Schmerz und Entsetzen" der Betroffenen.

Die zweite Geisel soll sehr schwer verletzt sein. Laut Brandet schwebe sie "zwischen Leben und Tod".

Die zwei Angreifer sind nach offiziellen Angaben während oder am Ende der Morgenmesse in die Kirche eingedrungen. Dort hatten sie insgesamt fünf Menschen als Geiseln genommen. Zahlreiche Fahrzeuge von Polizei und Rettungskräften rasten zu dem Tatort, wie AFP-Reporter berichteten. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.

Beim Verlassen der Kirche hätten sie sich mit dem Ruf "Allahu akbar" ("Gott ist groß") auf die Sicherheitskräfte gestürzt, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Dienstagabend. Einer der beiden Täter habe eine Schusswaffe dabei gehabt. Beide wurden von der Polizei erschossen. Einer der Täter trug laut Molins einen falschen Sprengstoffgürtel aus Aluminiumfolie um den Bauch und hatte drei Messer dabei. Sein Komplize hielt eine mit Aluminiumfolie umwickelte Küchenuhr in der Hand. In seinem Rucksack fand die Polizei demnach eine Sprengstoffattrappe.

Präsident Hollande vor Ort

Präsident Hollande und Innenminister Bernard Cazeneuve hatten sich umgehend zum Ort der Geiselnahme in einer Kirche bei Rouen begeben. Auf Fernsehbildern waren Hollande und Cazeneuve im Gespräch mit Einsatzkräften zu sehen. Premierminister Manuel Valls hatte zuvor auf Twitter von einer "barbarischen Attacke" gesprochen.

Unklar ist die Art der Bewaffnung der Täter: Die französische Zeitung le figaro und die Nachrichtenagentur Reuters hatten unter Berufung auf die Polizei berichtet, dass beide Täter jeweils mit Messern bewaffnet waren. Sprecher Brandet machte dazu keine Angaben, auch nicht zum Profil der Täter.

Augenzeugin vergleicht Tat mit Hinrichtung

Eine Augenzeugin erinnert sich an die Schreckensbilder: "Sie haben ihn auf die Knie gezwungen", sagte die Nonne am Dienstag dem Sender RMC. "Er hat versucht, sich zu verteidigen, und dann hat das Drama begonnen." Demnach filmten die Täter die Szene. "Sie haben am Altar so etwas wie eine Predigt auf Arabisch gehalten. Es war ein Horror", sagte die Frau. Der getötete Priester sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen. Sie sei unbemerkt geflohen, als einer der Täter dem anderen ein Messer gereicht habe, sagte die Nonne. Die als "Schwester Danielle" bezeichnete Frau alarmierte daraufhin nach eigenen Angaben einen Autofahrer.

In der Vergangenheit wurde immer wieder befürchtet, dass auch Kirchen in Frankreich Ziel von Islamisten werden könnten. Im April 2015 wurde in Paris ein algerischer Student festgenommen, der einen Anschlag auf eine Kirche geplant und eine junge Frau erschossen haben soll.

dpa/afp/zys/RND/abr

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Anschlag in Frankreich
Foto: Blumen vor der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray.

Bereits kurz nach dem Anschlag auf die Kirche im Nordwesten Frankreichs war bekannt geworden, dass gegen einem der Täter wegen Terrorverdacht ermittelt wurde. Nun ist auch der zweite Täter identifiziert – und auch er ist kein Unbekannter für die französischen Behörden.

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