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Was wir über den Putschversuch wissen

Gescheiterter Umsturz in der Türkei Was wir über den Putschversuch wissen

Der Putsch in der Türkei ist gescheitert, auch wenn am Sonnabendvormittag noch in Teilen Ankaras gekämpft wurde. Wie sieht es derzeit aus in der Türkei, wer steckt hinter dem Putsch und was hat der Putschversuch für Konsequenzen für die tausenden Urlauber im Land? Alle wichtigen Fragen und Antworten.

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Panzer und Zivilisten auf der Bosporusbrücke: Der Putsch ist beendet.

Quelle: dpa

Wer steckt hinter dem Putsch?

Teile der türkischen Armee haben in der Nacht zum Sonnabend versucht, die Kontrolle über die Türkei zu übernehmen. Sie erklärten die Machtübernahme, verhängten eine Ausgangssperre und besetzten unter anderen den Atatürk-Flughafen in Istanbul. Wer die Drahtzieher des gegen den Staatschef Erdogan gerichteten Putschversuchs sind, ist noch unklar. 

Was sagt die Regierung?

Premierminister Yildririm nannte den Putschversuch in einem Statement im türkischen Fernsehen einen "terroristischen Akt" gegen die Türkei. "Dieser Putsch war eine von einer Parallelgesellschaft geplante Aktion", sagte Yildirim und dankte den Sicherheitskräften und Offizieren, die sich gegen die Putschisten gestellt hatten. 2839 Militärsangehörige befänden sich derzeit in Haft. Er verurteile die Putschisten als "Vaterlandverräter", die "schlimmer seien als die PKK. Die Demokratie hat gesiegt", sagte Yildirim und dankte den Zivilisten, die sich den Panzern der Putschisten während des Aufstands in den Weg gestellt hatten.

Türkei im Ausnahmezustand: Teile des Militärs haben einen Putschversuch gestartet.

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Aus dem Präsidialamt hieß es am Sonnabend, bei den Putschisten handele es sich "um eine kleine Gruppe" von Offizieren aus der Gendarmerie und der Luftwaffe, die der Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen nahestünden. Staatschef Erdogan sagte: "Wir haben mit der Operation begonnen, das Militär vollständig zu säubern. Und wir werden diese Operation weiterführen." Er kündigt harte Strafen an. "Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen."

Wie sieht es derzeit in der Türkei aus?

In der Nacht lieferten sich Regierungskräfte und Putschisten in Istanbul und Ankara teils starke Gefechte: Kampfjets flogen im Tiefflug über Istanbul. Explosionen dröhnten durch die Stadt. Das Parlament in Ankara wurde durch Luftangriffe der Putschisten stark beschädigt.


Die türkische Regierung erklärte am frühen Sonnabendmorgen, man habe die Situation weitgehend unter Kontrolle. Auf der Bosporusbrücke in Istanbul wurden Militärangehörige abgeführt. Auch wenn am Sonnabendvormittag noch in Teilen Ankaras Auseinandersetzungen gemeldet wurden – der Putsch ist gescheitert.  


Wie viele Opfer gab es?

Bei den den Gefechten zwischen Militär und Regierungskräften sind mindestens 194 Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind 47 Zivilisten. Präsident Erdogan hatte die Bevölkerung in einem TV-Interview über die iPhone-Funktion Facetime zum Widerstand gegen das Militär aufgerufen. 


Der Staatschef rief seine Anhänger zu Gegendemonstrationen auf. In der Hauptstadt Ankara sowie in Istanbul und Izmir folgten zahlreiche Menschen dem Aufruf, an einigen Orten waren mehr Demonstranten zu sehen als Putsch-Soldaten. Yildirim bat die türkische Bevölkerung, auch am Samstag wieder auf die Straße zu gehen.

Wer ist Fethulla Gülen?

Erdogan wirft seinem einstigen Verbündeten vor, Parallelstrukturen im Staat errichten zu wollen und seinen Sturz zu betreiben. Die Regierung geht massiv gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor, die sie vor allem bei der Polizei und in der Justiz vermutet. Die Gülen-Bewegung wurde zu einer Terrororganisation erklärt, viele ihrer führende Köpfe stehen auf einer Liste der meistgesuchten Terroristen der Türkei. Die Türkei fordert Gülens Auslieferung.

Der heute 75-jährige Gülen hat sich ursprünglich als einflussreicher islamischer Prediger einen Namen gemacht. Bis in die 1980er Jahre hinein wirkte er als Imam in verschiedenen türkischen Städten. Mit seinen Predigten und Büchern über den Islam, Bildungs- und Wissenschaftsfragen, soziale Gerechtigkeit und interreligiösen Dialog begeisterte Gülen viele Gläubige.

Wie ist die Lage für Urlauber?

Angesichts des Putschversuchs in der Türkei hat das Auswärtige Amt Reisenden in Istanbul und Ankara zu "äußerster Vorsicht" geraten. Im Zweifel werde geraten, Wohnungen und Hotels nicht zu verlassen, heißt es in einem Reisehinweis des Ministeriums vom frühen Samstagmorgen. Wegen der vorübergehenden Schließung sollten des Istanbuler Flughafens Atatürk sollten Reisende Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluglinie aufnehmen. Das Auswärtige Amt betonte, die Lage in der Türkei sei "zur Stunde" noch unklar.

Viele Luftlinien - darunter Turkish Airlines und die Lufthansa - haben den Flugbetrieb nach Istanbul und Ankara unterbrochen. In den Touristenregionen im Südwesten der Türkei ist die Lage laut dem des Auswärtigen Amt ruhiger, viele Reiseunternehmen bieten dennoch eine kostenlose Änderung des Reiseplans an. Der Reiseveranstalter Thomas Cook forderte Urlauber auf, "vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben". Tui hat einen Krisenstab eingerichtet und bietet Reisenden gebührenfreie Umbuchungen und Stornierungen für alle Anreisen bis zum 17. Juli an.

Was sind die Reaktionen aus dem Ausland?

Die Bundesregierung hat sich besorgt über den Putschversuch in der Türkei geäußert. "Alle Versuche, die demokratische Grundordnung der Türkei mit Gewalt zu verändern, verurteile ich auf das Schärfste", erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstag in Berlin. "Ich rufe alle Beteiligten dazu auf, die demokratischen Institutionen der Türkei zu respektieren und die verfassungsmäßige Ordnung zu achten." Es gelte, weiteres Blutvergießen zu verhindern, unterstrich der Minister. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte bereits in der Nacht zum Sonnabend ein ähnliches Statement über Twitter ähnlich geäußert: "Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden. Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen." 

Auch US-Präsident Barack Obama rief zur Unterstützung der demokratisch gewählten Regierung in der Türkei auf. Zudem appellierte er nach einem Gespräch mit seinem Außenminister John Kerry, der sich zurzeit in Moskau aufhält, an alle Seiten, "Gewalt und Blutvergießen zu vermeiden".

Russland hat sich angesichts des Putschversuchs in der Türkei besorgt gezeigt. Einen Kontaktversuch zwischen Präsident Wladimir Putin und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe es allerdings nicht gegeben. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew sagte der Agentur Interfax zufolge, die Ereignisse in der Türkei zeigten, dass es eine tiefe Spaltung zwischen der Gesellschaft und der Armee in dem Land gebe. Er rief dazu auf, die verfassungsmäßige Ordnung wieder herzustellen.

Die zyprischen Nachbarn der Türkei zeigten sich am Sonnabend erleichtert über das offenbare Scheitern des Putschs. Hintergrund ist die jüngste erfolgreiche Annäherung führender zyprischer Politiker, um gemeinsam eine Lösung für die geteilte Insel zu finden, hieß es am Samstag aus zyprischen Regierungskreisen.

Was geht es jetzt weiter?

Die türkische Regierung hat für 15.00 Uhr eine Parlamentssitzung einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Fahndungen nach weiteren Unterstützern des Puschs laufe, erklärte Yildirim am Sonnabend. Eine Wiedereinführung der Todesstrafe in die Verfassung schloss der Premierminister aus. Acht türkische Soldaten, die an dem Putsch beteiligt waren, sind mit einem Militärhubschrauber nach Griechenland geflohen und haben dort politisches Asyl beantragt, die griechische Polizei nahm die Männer fest. Die Türkei forderte sofort die Auslieferung der acht Putschisten. 

Verfolgen Sie die aktuellen Ereignisse in unserem Liveticker.

Von Nadine Wolter (mit: dpa/afp)

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