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Deutschland / Welt Tusk an Briten: „Wir vermissen euch jetzt schon“
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14:52 29.03.2017
Ratspräsident Donald Tusk: „Wir vermissen euch jetzt schon. Danke und Good Bye!“ Quelle: AP
Brüssel

„Es gibt nichts zu gewinnen“, sagte Ratspräsident Donald Tusk. Beim Brexit gehe es darum, „Schadensbegrenzung“ zu betreiben. An Großbritannien gerichtet sagte er: „Wir vermissen euch jetzt schon.“ Tusk kündigte außerdem an, dass er bis Freitag seinen Vorschlag für das Verhandlungsmandat vorlegen werde.

„Der Brexit hat uns stärker zusammengeschweißt“

„Unser Ziel ist es, die Kosten für die EU-Bürger, Unternehmen und Mitgliedstaaten so gering wie möglich zu halten“, sagte Tusk. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, und wir haben alle Instrumente, dies zu erreichen.“ Er erinnerte die britische Regierung auch daran, dass sich mit dem Brexit-Gesuch rechtlich noch nichts geändert habe. Alle EU-Regeln und -Gesetze blieben gültig, bis der Austritt tatsächlich vollzogen sei. Dies wird nach Ablauf der zweijährigen Trennungsfrist voraussichtlich im März 2019 der Fall sein.

„Es gibt keinen Grund so zu tun, als wäre dies ein glücklicher Tag“, sagte Tusk. Immerhin hätten auch fast die Hälfte der britischen Wähler sich einen Verbleib in der EU gewünscht. Aber es gebe auch einen positiven Aspekt beim Brexit: „Der Brexit hat uns stärker zusammengeschweißt als früher“, sagte Tusk.

Die 27 bleibenden Staaten wollen ihre Verhandlungslinie bei einem Sondergipfel am 29. April festzurren. Einen ersten Entwurf will Tusk den Mitgliedsstaaten am Freitag schicken, wie er sagte.

So geht es beim Brexit weiter

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Weitere Reaktionen auf den Brexit-Antrag Großbritanniens

Der ehemalige Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei, Nigel Farage, zum offziellen Austritt Großbritanniens aus der EU: „Der unmögliche Traum wird wahr. Heute überschreiten wir den Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt.“

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD): „Neun Monate langen Wartens sind vorüber.“ Die EU habe die Zeit gut genutzt. „Wir wissen, was wir wollen.“ Die Bundesregierung werde die EU-Kommission bei den Verhandlungen „mit ganzer Kraft“ unterstützen.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz zum Änderungsbedarf bei der EU: „#Brexit ist Wendepunkt für die #EU: EU darf nach #Brexit nicht Status quo sein nur in kleiner & schwächer, sondern muss sich verändern!“

Der CDU-Finanzpolitiker Jens Spahn zu den bevorstehenden Gesprächen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien: „Das wird die Mutter aller Verhandlungen. Das werden wahrscheinlich die komplexesten Verhandlungen, die es jemals auf der Welt gegeben hat.“

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber zur Abschottungspolitik der Briten: „Die Politiker, die für #Brexit gekämpft haben, durften in einem freien Europa aufwachsen. Mit dem heutigen Tag errichten sie neue Mauern.“

Der europäische Grünen-Chef Reinhard Bütikofer zu seinen geringen Erwartungen an die beginnenden Verhandlungen.: „Die britische Premierministerin Theresa May wird beim Brexit das gleiche Schicksal erleiden wie Goethes Zauberlehrling. Der Kräfte, die sie mit der Verfolgung des harten Kurses freisetzt, wird sie nicht Herrin werden.“

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zu deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen nach dem Brexit: „Großbritannien ist unser viertwichtigster Handelspartner und wir haben dort den höchsten Exportüberschuss. Letztendlich haben beide Seiten jedoch großes Interesse, dass der Handel weitergeht.“

Der nordrhein-westfälische AfD-Chef Marcus Pretzell zur Zukunft der EU nach dem Brexit: „Die Menschen haben es einfach satt, sich dem Diktat einiger Eurokraten zu beugen. Wenn es keine grundlegenden Änderungen gibt, wird Großbritannien nur der Anfang vom Ende der EU sein.“

Der europapolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag, Andrej Hunko, hofft auf akzeptable Lösungen für alle Beteiligten: „Ob in der EU oder nicht, Großbritannien bleibt Teil Europas. Entscheidend sind solidarische und kooperative Beziehungen.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hofft auf neue Perspektiven für sein Land: „Wir wollen die Veränderungen auch als Chancen für Brandenburg nutzen, zum Beispiel den Umzug von EU-Institutionen, die bisher in Großbritannien sitzen.“

Von dpa/AP/RND