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Deutschland / Welt Clinton oder Trump – New York stellt die Weichen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Clinton oder Trump – New York stellt die Weichen
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07:47 20.04.2016
Von Stefan Koch
Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Long Island. Quelle: dpa
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New York

Die New Yorker habe eine Schwäche für die besondere Show. In der Nacht zum Mittwoch, als die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Vorwahlen unter den Republikanern bekannt werden, erleuchtet das Empire State Building in dunklem Rot. Kurz darauf, als sich die Demokraten zu Wort melden, erscheint das Wahrzeichen der Stadt in knalligem Blau. Das Spektakel an der 5th Avenue markiert einen besonderen Moment in der Wahlkampagne: Seit diesem Abend ist es überaus wahrscheinlich, dass Donald Trump und Hillary Clinton im Präsidentschaftsrennen die Nominierung ihrer Parteien erhalten.

Entgegen so mancher Prognosen gewinnt der Immobilienmogul den parteiinternen Wettstreit in seinem Heimatbundesstaat mit glasklarem Abstand. Auch wenn noch nicht sämtliche Regionen ausgezählt sind, gehen die Wahlbeobachter des Senders CNN von einer breiten Mehrheit für Trump aus. Mehr als 90 Delegierte aus dem großen Bundesstaat dürften sich nun auf dem Parteitag im Juli in Cleveland hinter den 69-Jährigen stellen. Ausgerechnet der Mann, der vielen etablierten Republikanern lange Zeit als eine geradezu undenkbare Wahl erschien, baut seinen Abstand zu den Mitbewerbern Ted Cruz und John Kasich noch einmal deutlich aus.

"Sieg ist in Sicht"

Eine Vorentscheidung für die eigentliche Kandidatenkür liegt nun auch bei den Demokraten vor. Der hartnäckige Verfolger Bernie Sanders besitzt gegenüber Hillary Clinton seit dieser Vorwahl keine realistische Chance mehr, das Ringen um die Nominierung für sich zu entscheiden. Die einstige First Lady, die den Bundesstaat New York über lange Jahre im Senat vertrat, spielt ihren Heimatbonus geschickt aus - zumal auch ihre Wahlkampfzentrale am Hudson mit Blick auf Manhattan beheimatet ist. Clinton zeigt sich am späten Dienstagabend überaus siegesgewiss: "Das Rennen für die demokratische Präsidentschaftskandidatur ist auf der Zielgeraden, und der Sieg ist in Sicht."

Von jeglichen Zweifeln befreit scheint auch Trump: "Senator Cruz besitzt mathematisch so gut wie keine Chance mehr", sagt der 69-Jährige, der zur Siegesfeier gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania im Foyer ihres Tump Towers in Manhattan auftritt. Die Halle dröhnt, als er scherzhaft bemerkt, dass er wohl der erste Kandidat sei, der per Fahrstuhl zur Rednertribüne gelangt - da seine Privatwohnung lediglich einige Etagen über dem Eingangsbereich des Hochhauses liegt.

Seinem Ziel, die Mindestzahl von 1237 Delegiertenstimmen vor dem eigentlichen Parteitag zu erringen, kommt er mit dem Votum im Bundesstaat New York deutlich näher. Die Eingangshalle des Trump Towers, der eigentlich unzählige Büros beheimatet, gleicht an diesem Abend einer großen Party: Kaum hatte die Nachrichtenagentur "Associated Press" ihre erste Umfrage veröffentlicht, bricht lautstarker Jubel los. Auf der breiten 5th Avenue stockt der Verkehr, als sich Trump-Anhänger auf dem Bürgersteig versammeln und in das Hochhaus drängen.

Neue Töne von Trump

Für Überraschung sorgt während der Siegesfeier die neue Tonlage, die Trump anschlägt. Im Gegensatz zu früheren Auftritten verzichtet der Geschäftsmann auf jegliche Beleidigungen und spricht respektsvoll von "Senator Cruz" (anstatt von "Lügen-Ted") als seinem stärksten parteiinternen Mitbewerber. Offensichtlich ist der unerwartet zurückhaltende, geradezu präsidiale Habitus seinem neuen Berater Paul Manafort geschuldet: Der 67-jährige Politikberater aus der US-Hauptstadt beriet in früheren Wahlkämpfen Gerald Ford, Ronald Reagan, George H.W. Bush und George W. Bush. Manafort weiß offensichtlich, wie sich auch schwierige Charaktere mäßigen lassen.

Wie bereits in früheren Reden konzentriert sich Trump an diesem Abend auf die Wirtschaftspolitik - allerdings ohne von Abschottung oder anderen radikalen Schritten zu sprechen. Stattdessen empfiehlt sich der mehrfache Milliardär als ein Kandidat, der Amerikas Standortqualitäten verbessern und Industrieproduktion wieder zurück ins Land holen will.

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