„Der deutsche Albtraum ist vorbei“, sagte Andreas Rees von der Großbank Unicredit. „Ich meine, dass wir die Talsohle tatsächlich erreicht haben“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. Seit dem Zweiten Weltkrieg war die deutsche Wirtschaft noch nie so stark geschrumpft wie vom Frühjahr 2008 bis März dieses Jahres.
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen April und Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal zu. Im Vergleich zum Vorjahr brach der Wert aller in Deutschland erbrachten Dienstleistungen und hergestellten Waren jedoch um 7,1 Prozent ein. Bereinigt um die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage lag das Minus immer noch bei 5,9 Prozent. Eine Rückkehr zu der vor der Krise gemessenen Wirtschaftsleistung dürfte daher selbst bei einem Wachstumsschub in den kommenden Monaten noch mehrere Jahre benötigen, erwarten Ökonomen. Sie rechnen weiter mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und vielen Firmenpleiten.
Laut Schätzung des Statistischen Bundesamtes begünstigten vor allem private und staatliche Konsumausgaben die Konjunktur. Dies spricht dafür, dass die Wachstumsprogramme der Regierung gegriffen haben. Weitere Impulse habe es aus der Bauwirtschaft gegeben, und auch die zum Jahreswechsel noch eingebrochenen Exporte steuerten einen Teil bei. „So wie die Rezession importiert wurde, geschieht dies auch mit der Erholung“, sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank.
Bundeswirtschaftminister Karl-Theodor zu Guttenberg erklärte in Berlin, die Stabilisierung sei auch auf das schnelle und beherzte Handeln der Regierung zurückzuführen. Allerdings gebe es keinen Anlass zur Euphorie.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dämpfte den Optimismus: „Wir haben die Talsohle erreicht und vielleicht das erste zarte Pflänzchen, dass es aufwärtsgeht“, sagte sie am Donnerstag in einem Interview der Sender Deutschlandradio Kultur und Phoenix in Berlin. Die Zahlen seien aber immer noch „absolut gesehen ziemlich dramatisch schlecht“. Merkel betonte, dass sie unmittelbar nach der Krise zur Haushaltskonsolidierung zurückkehren wolle.
Viele Experten blicken jetzt für den Rest des Jahres optimistisch auf die Konjunktur, unter anderem weil die Auftragseingänge der Industrie wieder zugelegt hätten. Der Einbruch der Industrieproduktion hatte maßgeblich zum Konjunktureinbruch beigetragen.
von Martin Dowideit
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Kommentare
Nur heiße Luft? audio001 – 14.08.09
Na ja 0,3 % im 2. Quartal,- aber dieses Wachstum basiert auf den staatlichen Konjunkturprogrammen und einer exzessiven Geldpolitik. Mithin ist dieses Wachstum mit Schulden erkauft, die noch Generationen von Bürgern in Deutschland belasten werden!Da stellt sich dann berechtigterweise die Frage, was man denn seitens der Politik überhaupt, als Ergebnis der Verschuldung, als mögliches Wachstum erwartet hat?- Oder gilt auch hier: „Null Ahnung?“.
Es ist jedenfalls in keiner Weise erkennbar dass sich aus dem Wachstum im 2. Quartal tatsächlich ein nachhaltiger Aufschwung entwickelt!
Da bleibt dann natürlich auch die Frage unbeantwortet, wann denn - nach dem fatalen Abschwung - das Produktionsniveau des Vorjahres frühestens wieder erreicht wird und wie viele Arbeitsplätze das Versagen der Politik in Deutschland bis dahin dann gekostet hat?