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Deutschland / Welt Verdacht auf sexuelle Gewalt an fast jeder zweiten Schule
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17:52 13.07.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Berlin

An fast jeder zweiten Schule in Deutschland gibt es Kinder und Jugendliche, die über sexuellen Missbrauch meist im familiären Umfeld berichten. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Deutschen Jugendinstituts hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Danach wurden in 43 Prozent der befragten Schulen in den vergangenen drei Jahren entsprechende Vorwürfe bekannt. Die meisten richteten sich gegen das Elternhaus, aber auch gegen Mitschüler und andere Jugendliche.

In vier Prozent der Schulen und zehn Prozent der Heime wurden Lehrer, Betreuer oder andere Beschäftigte sexueller Übergriffe verdächtigt oder beschuldigt. Die Verdachtsmomente wurden in der Regel durch Andeutungen oder Berichte an die Lehrer herangetragen. Nicht unerheblich ist danach auch die sexuelle Gewalt unter Jugendlichen selbst. Opfer sind meist Mädchen. Institutsdirektor Thomas Rauschenbach forderte bei der Präsentation der Studie von Schulen, Internaten und Heimen eine andere „Kultur des Umgangs mit diesem Missbrauch“.

Sexuelle Gewalt sei kein Thema der 70er- und 80er Jahre - sondern nach wie vor aktuell, sagte Rauschenbach. Pädagogen in diesen Einrichtungen müssten mehr Sensibilität entwickeln, bei Andeutungen oder auffälligem Verhalten aktiv auf die Kinder und Jugendlichen zuzugehen.

Die Studie wurde bei einer Fachtagung des Runden Tisches der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauches in Schulen und Heimen vorgestellt. Die Regierungsbeauftragte Christine Bergmann bezeichnete dabei die hohe Anzahl von Verdachtsfällen in Heimen als besonders erschreckend. Darunter waren auch mehrere kirchliche Einrichtungen.

So mussten sich 70 Prozent der befragten Heime in den vergangenen drei Jahren mit mindestens einem Missbrauchsverdacht auseinandersetzen. Bei fast jeden zweiten Fall (49 Prozent) ging es um sexuelle Gewalt außerhalb der Institution - meist in den Familien der in den Heimen untergebrachten Kinder. Häufig waren die Kinder und Jugendlichen gerade deshalb von ihren Familien getrennt worden und ins Heim gekommen.

Nicht immer ließen sich die Vorwürfe oder Verdächtigen erhärten, erläuterten die Autoren. In den Heimen erweist sich laut Studie etwa ein Viertel der Vorgänge anschließend als „klar haltlos“. In jedem zweiten Fall werde allerdings die Polizei oder das Jugendamt eingeschaltet. Ein Drittel der Vorgänge führe in der Regel auch zu rechtlichen Konsequenzen.

Nach Angaben des Instituts ist diese Studie in Deutschland die erste dieser Art. Dafür wurden über 1100 repräsentativ ausgesuchte Schulen befragt, außerdem 700 Vertrauenslehrer, 324 Heimleitungen und 97 Internatsleitungen. Als einziges Bundesland hatte sich Bayern aus Datenschutzgründen nicht an der Untersuchung beteiligt.

dpa

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