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Deutschland / Welt Verkehrte Welt am Lehrstellenmarkt
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05:01 05.04.2018
Ausbildung im Handwerk. Quelle: dpa
Berlin

Deutschlands Lehrstellenmarkt ist kräftig in Bewegung. Vergleicht man die Lage mit der zu Beginn des Jahrtausends, haben sich die Verhältnisse geradezu dramatisch gewandelt. Früher waren es die Jugendlichen, die bei den Firmen Schlange standen. Nun sind es die Betriebe, die verzweifelt um Bewerber buhlen müssen.

Die einen locken mit Prämien wie Verträgen für das Handy oder das Fitnessstudio bis hin zum Zuschuss für den Führerschein. Andere, die auch gern ausbilden würden, bekommen schon seit längerem keine einzige Bewerbungsmappe mehr auf den Tisch.

Die Aufregung darüber, dass inzwischen jeder vierte Azubi vor der Abschlussprüfung hinschmeißt, ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Erstens ist der Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren nicht allzu stark. Zweitens sollte niemanden erstaunen, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften versuchen, die Zahlen aus dem neuen Berufsbildungsbericht der Regierung für ihre jeweiligen Zwecke zu nutzen.

Hintergrund sind die Pläne von Union und SPD, eine Mindestausbildungsvergütung einzuführen. Dabei ist kaum ein Projekt im Koalitionsvertrag so vage umrissen wie die Mindestvergütung. Weder wird eine mögliche Höhe genannt noch ein Verfahren umrissen, wie sie bestimmt werden soll. Umso heftiger tobt aber der Meinungskampf. Die Gewerkschaften stellen einen Zusammenhang zwischen gestiegener Abbrecherquote und vermeintlich zu geringen Ausbildungsvergütungen her, die Arbeitgeber widersprechen heftig. Und zwar mit dem nachvollziehbaren Argument, dass in wirtschaftlich guten Zeiten die Neigung, den Betrieb während der Lehre zu wechseln, eben größer ist als in schlechten.

„Werben für die duale Ausbildung notwendig“

Der Staat sollte ordnungspolitisch sauber bleiben, die Tarifautonomie unbedingt respektieren. Die Höhe einer Mindestausbildungsvergütung festzulegen, ist nicht Sache der Politik. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die richtigen Rahmenbedingungen für den Lehrstellenmarkt zu schaffen. Dass die Unternehmen Schwierigkeiten haben, vorhandene Lehrstellen zu besetzen, gleichzeitig aber viele Jugendliche den Berufseinstieg über eine betriebliche Ausbildung nicht sofort schaffen, darf nicht länger hingenommen werden.

Notwendig ist ein Kraftakt der Zuständigen in Wirtschaft, Regierung und bei der Bundesagentur für Arbeit. Dazu gehört neben besserer Vermittlung auch konsequentes Werben für die duale Ausbildung. Diese bietet in manchen Bereichen bessere Perspektiven als die Hochschulen, an die seit Jahren mehr als jeder zweite Schulabgänger strebt. Betriebe, die über Nachwuchsmangel klagen, sollten nicht nur verstärkt Studienbrecher ins Visier nehmen, sondern sich auch die Mühe machen, denen eine Chance zu geben, die nicht mit Top-Noten von der Schule kommen.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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