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Der ganze Kriegshorror in einem Kindergesicht

Video aus Aleppo Der ganze Kriegshorror in einem Kindergesicht

Das Video geht um die Welt: Es zeigt den kleinen Jungen Omran, der nach einem Luftangriff auf Aleppo aus den Trümmern eines Hauses gerettet wurde. Weltweit reagieren Tausende auf die Szenen. Im blutverschmierten Gesicht des Kindes zeichnet sich das ganze Grauen des Bürgerkrieges ab.

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Das Gesicht des  Jungen ist mit Blut und Dreck verschmiert - der Blick ist leer.

Quelle: ALEPPO MEDIA CENTER/dpa

Aleppo. Nach neuen Luftangriffen in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo sorgt ein Video für Entsetzen, das einen überlebenden kleinen Jungen zeigt. Die Aufnahme des Kindes drückt den täglichen Schrecken des Bürgerkriegs in wenigen Sekunden herzzerreißend aus. Sie wurde am Donnerstag tausendfach rund um den Globus über soziale Medien verbreitet. Viele Medien veröffentlichten das Video auf ihren Facebook-Seiten, wo es innerhalb weniger Stunden mehrere Millionen Mal aufgerufen und von Tausenden Nutzern geteilt wurde. In den sozialen Netzwerken wurde der Junge schnell zum "Gesicht des Krieges".

Leerer Blick, keine Tränen

Das Video zeigt, wie Helfer den Kleinen aus Trümmern bergen und in einen Rettungswagen bringen. Dort sitzt der völlig in Staub eingehüllte Junge mit nackten Füßen auf einem Stuhl. Er schreit und weint nicht - aber der Schrecken ist an seinem stummen Gesicht und seinem leeren Blick abzulesen. Er fasst sich an den blutenden Kopf, bemerkt das Blut an den Händen und versucht dann, es an dem Stuhl abzuwischen. Nach knapp 40 Sekunden ist die Szene vorbei.

Das oppositionelle Aleppo Media Center (AMC) hatte das Video am Mittwochabend nach einem Luftangriff auf den von Rebellen kontrollierten Stadtteil Katardschi aufgenommen. Vor Ort war auch der Fotograf Mahmud Raslan, der selbst Aufnahmen machte. Ihm zufolge heißt der Junge Omran und ist vier Jahre alt. Andere Aktivisten beziffern das Alter des Kindes auf fünf.

Alle Kinder und die Eltern haben überlebt

Mittlerweile sei der nur leicht verletzte Omran zurück bei seinen Eltern, berichtete Raslan der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag nach einem Besuch bei der Familie. Die Eltern und alle vier Kinder seien bei dem Angriff unter Trümmern begraben, aber gerettet worden. Eine Stunde nach dem Angriff sei das gesamte Gebäude eingestürzt. Mit Journalisten wollen die Eltern ihm zufolge nicht sprechen. Und auch ihren Familiennamen nicht veröffentlicht sehen. Sie hätten Angst vor Racheakten des syrischen Regimes, erklärte Raslan.

Das Video erinnert an das Foto des toten Aylan im vergangenen Jahr. Der Dreijährige war mit seiner Familie aus Syrien geflüchtet und vor der Türkei ertrunken. Der leblose Körper des Jungen an der Küste wurde fotografiert, das Bild erschütterte die Welt und wurde zum Symbol für die Flüchtlingskatastrophe in Europa.

Unicef kritisiert Veröffentlichung

Deutsche Hilfsorganisationen reagierten zurückhaltend auf das Bild des fünfjährigen Omran. "Wir würden es so nicht zeigen, weil wir Menschen grundsätzlich nicht als Opfer darstellen", sagte die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel in Berlin. Ähnlich äußerten sich Unicef und Misereor. Er habe beim Betrachten "hilfloses Entsetzen" empfunden, sagte Unicef-Deutschland-Sprecher Rudi Tarneden. Im Gesicht des Kindes sehe er "ein unglaubliches Staunen, was sich Menschen antun". Keinem Kind auf der Welt sollte so etwas passieren.

Die Kindernothilfe aus Duisburg würde das Bild im Kontext des Syrien-Kriegs dagegen zeigen, "um auf die schwierige Lebenssituation vor allem der Kinder hinzuweisen", wie Sprecherin Angelika Böhling sagte. Allerdings handele es sich bei dem Bild um einen Grenzfall, der nicht leicht zu entscheiden sei. Sie selbst habe das Bild als schockierend empfunden, weil es das Trauma und den Schmerz der Kinder von Aleppo ausdrücke. Tote oder nackte Kinder würde die Kindernothilfe keinesfalls abbilden.

dpa/epd/RND/zys/wer

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