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Eine Frau wird Bürgermeisterin von Rom

Stichwahlen in Italien Eine Frau wird Bürgermeisterin von Rom

Vor wenigen Monaten war sie noch weithin unbekannt, jetzt ist Virginia Raggi das erste weibliche Stadtoberhaupt in der Geschichte Roms. Die erst 37-jährige Politikerin scheut nicht die Konfrontation mit der Hauptstadtmafia.

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Virginia Raggi ist nach ihrem überwältigenden Wahlsieg mehr denn je davon überzeugt, dass die Römer von den etablierten Parteien und Politikern genug haben.

Quelle: Angelo Carconi

Rom. In der zweiten Runde der Bürgermeisterwahl erzielte Raggi, eine Kandidatin der Bewegung "Fünf Sterne", am Sonntag mit 67 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen wie ihr Kontrahent von der Demokratischen Partei, Roberto Giachetti. Die 37-jährige Rechtsanwältin feierte ihren Triumph als "historischen Augenblick" – in einer Zeit, da "Chancengleichheit immer noch ein Trugbild" sei. Zugleich kündigte Raggi an, dass sie die Konfrontation mit der "Mafia Capitale" nicht scheue.

Das mafiöse Netzwerk aus Kriminellen, Unternehmern, Beamten und Politikern soll die römische Verwaltung unterwandert und Geld in Millionenhöhe unterschlagen haben. Nach 20 Jahren Schlendrian und Filz sei jetzt der Moment gekommen, zu "Legalität und Transparenz" zurückzukehren, sagte Raggi. "Aber jetzt an die Arbeit! Es gibt so viele Probleme." Sie selbst sei "zum Regieren bereit".

Extra Busspuren gegen das Verkehrschaos in Rom

Während ihres Wahlkampfs hatte sie allerdings konkrete Antworten auf die Frage vermieden, wie die "Ewige Stadt" wieder aufzurichten sei, die unter einer Schuldenlast von mehr als 12 Milliarden Euro ächzt. Eines ist sicher: Eine Kandidatur Roms für die Olympischen Spiele 2024 – Renzis Prestigeprojekt – gehört nicht zu Raggis Prioritäten.

Die in Rom geborene und aufgewachsene Politikerin hat sich viel vorgenommen: Sie will den öffentlichen Nahverkehr fördern, extra Busspuren und – als passionierte Radfahrerin – das kostenlose Fahrradleihsystem wieder einführen sowie sich um die Behebung des personellen Notstands in der Verwaltung kümmern. Die Kritik ihrer Gegner, sie sei politisch unerfahren und außerstande, das Chaos in den Griff zu bekommen, prallt an Raggi ab.

Der Kandidat der Demokratischen Partei, Roberto Giachetti, erhielt bei der Wahl nur halb so viel Stimmen wie Virginia Raggi. Giachetti ist Vizepräsident des italienischen Abgeordnetenhauses.

Quelle: Massimo Percossi

Presseberichte vor der Stichwahl, sie habe Einkünfte für Beratungstätigkeiten nicht deklariert, tat sie kurzerhand als Verleumdungskampagne ab. Mit Anfang 30, nach der Geburt ihres Sohnes Matteo, begann die Juristin, sich der Politik zu widmen. "Ich wollte nicht, dass er in dieser Stadt aufwächst, so wie sie jetzt ist", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. "Rom muss zuallererst wieder eine normale Stadt werden", lautet ihr Credo.

Angezogen von der populistischen Rhetorik der "Fünf Sterne"-Bewegung, schloss sie sich dieser an und wurde für sie 2013 in den Gemeinderat gewählt. Anfang dieses Jahres gewann Raggi die im Internet organisierten Vorwahlen für die Bürgermeisterkandidatur und wurde erst danach einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Raggi ist nach ihrem überwältigenden Wahlsieg mehr denn je davon überzeugt, dass von den mehr als drei Millionen Römern viele von den etablierten Parteien und Politikern genug haben. "Es ist Zeit, sie alle nach Hause zu schicken", sagte sie im Wahlkampf.

Ihr Einzug ins römische Rathaus dürfte der 2009 von Beppe Grillo als Protestbewegung ins Leben gerufenen Partei "Fünf Sterne" Aufschwung verleihen. Schon jetzt hegt der Starkabarettist große Hoffnungen für seine Partei bei der Parlamentswahl im Sommer 2018. Und Raggi gilt vielen als aufsteigender Stern an Italiens Polithimmel.

afp/RND

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