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Das ist der Mann in Clintons Schatten

Vizekandidat Kaine Das ist der Mann in Clintons Schatten

Seit Hillary Clintons Schwächeanfall bei der Gedenkfeier zum 11. September wächst die Kritik an der Präsidentschaftskandidatin. "Running Mate" Tim Kaine steht parat, um im Zweifelsfall das Amt des US-Präsidenten zu übernehmen.

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Tim Kaine kandidiert um das Amt des Vizepräsidenten.

Quelle: dpa

Washington. In jüngsten Umfragen gibt etwa jeder fünfte Amerikaner an, noch nie von diesem Mann gehört zu haben. Und weitere 20 Prozent sagen, keine Meinung über ihn zu haben. Doch der Unbekannte könnte bald ihr Vizepräsident werden - der im Notfall auch das Oval Office übernimmt. Tim Kaine, der sogenannte Running Mate, steht plötzlich im Scheinwerferlicht.

Hillary Clinton jagte ihrer Partei einen ganz schönen Schrecken ein: Dass sie am Sonntag bei einer Gedenkveranstaltung kollabierte und nun eine Lungenentzündung auszukurieren hat, sorgt im Lager der Demokraten für Nervosität. Was passiert eigentlich, sollte Clinton unerwartet ausfallen?

Eine Frage, die sich zuallererst an den Mann richtet, den sich Clinton im Sommer als Stellvertreter ausgesucht hat und der landesweit bisher nicht groß in Erscheinung getreten ist: Der frühere Gouverneur von Virginia und heutige Senator zählt eher zu den stillen Arbeitern im Maschinenraum der Macht. Selbst seinen naturgemäßen politischen Gegnern fällt es schwer, auf die Schnelle etwas Negatives über den 58-Jährigen zu sagen. So meint John Whitbeck, Chef der Republikaner in Virginia: Es sei traurig, dass Kaine seine besondere Integrität beschädige, in dem er Clinton zur Seite stehe.

Tatsächlich gilt Kaine als so lösungsorientiert und kompromissbereit, dass er unter Washingtoner Profis eher den Ruf eines Langweilers besitzt. So bemühte sich Kaine im Kongress vor allem um gemeinsame Linien mit den Republikanern. Es sagt viel über ihn aus, dass der frühere Jesuitenschüler und Harvard-Absolvent seine Parlamentsrede für eine parteiübergreifende Einwanderungsreform auf Spanisch hielt.

Und auch am Freitag, als er in einem kleineren Kreis von dem Moment berichtete, als Clinton ihn an ihre Seite holte, überraschte Kaine sein Publikum: "Ich fühlte mich wie Pinoccio, als er sich in einen richtigen Jungen verwandelte." Zuerst habe er es gar nicht glauben können, dass sich die Präsidentschaftskandidatin ausgerechnet für ihn entschieden habe.

Doch der bescheiden auftretende Jurist, dessen Schwiegervater ebenfalls Gouverneur von Virginia war, besitzt Qualitäten, die Clinton für erstklassig hält: Als früherer Gouverneur eines großen Bundesstaates, der sich als Senator in erster Linie mit außenpolitischen Fragen beschäftigte, wäre Kaine sicherlich in der Lage, im Zweifelsfall als "Commander in Chief" aufzutreten.

Ein Szenario, das es in der US-Geschichte schon neun Mal geben hatte. Zu den berühmten Beispielen zählen Harry S. Truman, der auf Franklin D. Roosevelt folgte, und Lyndon B. Johnson, der für John F. Kennedy nachrückte.

Kaine betont allerdings, dass er nicht damit rechnet, die Präsidentschaft zu übernehmen. Die Sorgen um Clintons Gesundheit wischt er zur Seite: "Ich muss mich ganz schön anstrengen, um mit Hillary mitzuhalten", sagte der potenzielle Vizepräsident am Montag. "Ich stehe erst seit dem 22. Juli in der Wahlkampagne. Hillary ist schon seit 18 Monaten dabei. Ihre Energie macht mich sprachlos." 

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