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Belgien bereitet sich auf Atomunfall vor

Jodtabletten für alle Einwohner Belgien bereitet sich auf Atomunfall vor

Angeblich sind Belgiens Atomkraftwerke sicher. Aber die Zweifel wachsen. Denn Deutschlands Nachbarland rüstet sich für einen GAU: Belgien will an alle Bürger Jodtabletten verteilen – vorsorglich, für den Fall eines Atomunfalls.

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) forderte unlängst, die Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 (Foto) vorübergehend herunterzufahren, bis offene Sicherheitsfragen geklärt seien.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Brüssel. Belgien will im nächsten Jahr vorsorglich Jod-Tabletten zum Schutz vor radioaktiver Strahlung an die gesamte Bevölkerung auszuteilen. Dadurch sollten gesundheitliche Schäden im Falle eines Atomunfalls vermieden werden, erklärte das belgische Gesundheitsministerium am Donnerstag. Die Jodtabletten sollen die Schilddrüse vor radioaktiver Verstrahlung schützen. Greenpeace kritisierte, die Maßnahme könne mitnichten vor einem Atomunfall schützen.

Bislang hatte der belgische Staat Jodtabletten nur an diejenigen Bürger kostenlos verteilt, die in einem Umkreis von 20 Kilometern um atomare Einrichtungen wohnen. Betroffen davon waren Anwohner der beiden belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel, der nationalen Nuklearforschungszentren in Fleurs im Süden und Mol im Norden des Landes sowie der grenznah gelegenen Akw Chooz in Frankreich und Borssele in den Niederlanden.

Kinder, Schwangere und stillende Frauen zuerst

Die belgische Regierung setzt mit dem Beschluss eine Empfehlung des belgischen Gesundheitrats um. Dieser hatte eine Verteilung von Jodtabletten an alle Menschen empfohlen, die in einem Umkreis von hundert Kilometern um eine atomare Einrichtung wohnen. Wegen der Verteilung der Anlagen auf dem gesamten belgischen Staatsgebiet und der geringen Gesamtfläche des Landes werden jetzt alle Bewohner Belgiens Jodtabletten erhalten.

Priorität hätten die empfindlichsten Gruppen wie Kinder, Jugendliche, Schwangere und stillende Frauen, hieß es in einer Antwort der Gesundheitsministerin Maggie de Block auf eine parlamentarische Anfrage. Ziel sei es, bis 2017 eine aktualisierte Strategie zu haben.

Greenpeace kritisiert Aktion als "absurd"

Die belgischen Grünen, im Parlament in der Opposition, begrüßten diese Entscheidung. Allerdings müsse auch klar sein, dass ein Verteilen von Jodtabletten nicht bedeute, dass damit die Gefahren von atomaren Anlagen gebannt seien, sagte Grünen-Chef Jean-Marc Nollet.

Die Umweltorganisation Greenpeace nannte die Maßnahme hingegen "absurd". "Jodtabletten schützen etwa so gut vor einem Reaktorunfall wie ein Cocktailschirmchen vor einem Wolkenbruch", erklärte der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Die Entscheidung der belgischen Regierung unterstreiche erneut, "wie ernst auch die Nachbarländer die Gefahr durch marode belgische Atommeiler nehmen müssen". Das einzig wirklich wirksame Mittel gegen Nuklearunfälle sei der Atomaussteig, erklärte Greenpeace.

Deutschland: Belgien soll Reaktoren vom Netz nehmen

Die Sicherheit der belgischen Atomkraftwerke wird seit Jahren angezweifelt. Erst vergangene Woche hatten Deutschland und Luxemburg Belgien dazu aufgefordert, die Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 vom Netz zu nehmen.

Bei beiden waren unter anderem Materialfehler in den Reaktordruckbehältern festgestellt worden. Das Atomkraftwerk Tihange liegt rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze bei Aachen entfernt, Doel liegt 130 Kilometer von der Bundesrepublik entfernt im Norden Belgiens. Belgien wies eine vorläufige Stilllegung der beiden Reaktoren zurück und versicherte, dass die belgischen Atomkraftwerke den "höchsten Sicherheitsanforderungen" entsprächen.

Aachen will ebenfalls Jodtabletten ausgeben

Die Ankündigung Belgiens beunruhigte die Menschen in der Region Aachen. "Offensichtlich gibt es nun auch auf belgischer Seite erhebliche Vorbehalte, was die Sicherheit der Kraftwerksblöcke betrifft", sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Er forderte, in der Region Aachen ebenfalls Jod-Tabletten an die Bevölkerung zu verteilen. Darüber werde er mit Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) darüber sprechen, kündigte Etschenberg an.

Radioaktiv verseuchtes Jod kann durch Einatmen, Lebensmittel oder Wasser in den Körper gelangen. Setzen sich Kernspaltungsprodukte in der Schilddrüse fest, können sie schwere Krankheiten wie Krebs auslösen. Werden Jod-Tabletten frühzeitig eingenommen, können sie die Aufnahme radioaktiven Jods blockieren.

afp/dpa

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