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00:15 12.02.2016
Von Stefan Koch
Ein Wahllokal in Derry, New Hampshire. Quelle: dpa
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Washington

Laut neuester Umfragen liegen Donald Trump und Bernie Sanders bei ihren Parteifreunden mit Abstand vorn. Gestandene Parteistrategen hatten im vergangenen Jahr keinerlei Zweifel, dass Hillary Clinton von der demokratischen Partei zur Präsidentschaftskandidatin nominiert wird. Dass die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin nun ausgerechnet von einem bekennenden Sozialisten unter Druck gesetzt wird, kommt einer kleinen Sensation gleich: Der 74-jährige Sanders genießt vor allem unter jungen Wählern eine hohe Popularität. Mit seiner Kritik am massiven politischen Einfluss finanzkräftiger Sponsoren spricht der langjährige Senator vielen Amerikanern aus dem Herzen. Auch sein Bemühen um eine bezahlbare Hochschulausbildung kommt bei den Wählern gut an. 

Clinton liegt zwar in landesweiten Umfragen unter ihren Parteifreunden weiterhin in Führung. Doch eine Niederlage in dem Neuenglandstaat könnte ihrem Mitbewerber weiteren Auftrieb verleihen.

Vor einem Rätsel steht auch die Parteiführung der Republikaner. Obwohl sich führende Konservativen seit Jahren darum bemühen, mehr Zustimmung unter den Minderheiten in Amerika zu gewinnen, schlägt der gegenwärtige "Front Runner" einen entgegengesetzten Kurs ein: Donald Trump hetzt gegen illegale Immigranten und Muslime. Vor seinen wüsten Beleidigungen sind auch Frauen und Behinderte nicht sicher. Zu allem Übel schwadroniert Trump nun auch noch über Foltermethoden wie das berüchtigte "Waterboarding". Alles, was US-Truppen im Irak-Feldzug praktiziert hätten, sei im Vergleich zu den Methoden des sogenannten Islamischen Staates nur "Peanuts", so der New Yorker Geschäftsmann. Trump droht ganz unverhohlen: Sollte er zum "Commander in Chief" gewählt werden, würde er weitaus härtere Praktiken anwenden. 

Warum der Immobilienmogul trotz seiner Ausfälle im eigentlich so liberalen New Hampshire überaus populär ist, vermag sich das Parteiestablishment zurzeit nicht zu erklären. 

Die Irritation unter führenden Konservativen wird zudem durch das Gesamtbild ihrer Kandidaten verstärkt. Bei den Vorwahlen in Iowa wurde Trump von einem Konkurrenten überflügelt, der im Zweifelsfall noch schärfere Reden hält: Senator Ted Cruz. Die beiden Hardliner vereinigten zusammen die Hälfte aller Republikaner-Stimmen. 

Nun gelten Iowa und New Hampshire keineswegs als repräsentativ für die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Bevölkerung in diesen Bundesstaaten ist überwiegend weiß und gut situiert. Doch die Signalwirkung für das gesamte Land ist enorm. Viele Beobachter in Washington fragen sich: Warum stehen die moderaten Kandidaten trotz der relativ guten Wirtschaftslage bisher nur auf den hinteren Plätzen? Wie kommt es zu diesem Erfolg der Populisten? Es scheint, als seien die großzügigen Wahlkampfspenden bisher regelrecht verpufft. 

Für Jeb Bush, Chris Christie  und John Kasich steht am heutigen Dienstag daher viel auf dem Spiel. Wenn sie in New Hampshire nicht gut abschneiden, könnte es mit ihren Präsidentschaftsbewerbungen schnell zu Ende gehen. 

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