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"Klarer Fall für einen Rücktritt"

Plagiatsplattform VroniPlag "Klarer Fall für einen Rücktritt"

Martin Heidingsfelder, Gründer der Plagiatsplattform VroniPlag, findet klare Worte zur Dissertation von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Im Interview mit der HAZ sagt er "die Medizinische Hochschule sollte ihr den Titel entziehen". Und er geht sogar noch weiter.

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VroniPlag wirft Ursula von der Leyen vor, bei ihrer Doktorarbeit unsauber gearbeitet zu haben.

Quelle: dpa

Herr Heidingsfelder, muss Frau von der Leyen zurücktreten?
Bei der Massivität der Vorwürfe: ein klares Ja. Das geht so nicht. Man kann sie nicht davonkommen lassen, nur weil der vorletzte Verteidigungsminister noch mehr plagiiert hat.

Können Sie ein konkretes Beispiel schildern?
Wie Frau von der Leyen plagiiert hat, wird etwa auf der Seite 13 ihrer Dissertation deutlich. Sie hat den Inhalt von mehr als der Hälfte dieser Seite, quasi die gesamte historische Entwicklung der Forschung zum C-reaktiven Protein, übernommen aus nur einem Fachbuch: „Das C-reaktive Protein“ von Gerhard Schwarz, das 1963 erschienen ist. Den Autoren erwähnt sie zwar an einer Stelle, kennzeichnet aber nicht, dass sie alles bis auf ein paar wenige Auslassungen fast wörtlich übernimmt. Damit stellt sie die Arbeit von Gerhard Schwarz als ihre Leistung dar.

Was bedeutet das für ihren Doktortitel?
Ihre Arbeit zeigt: Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert. Deshalb müsste die Medizinische Hochschule ihr den Titel entziehen. Die Wissenschaft tut sich schließlich keinen Gefallen, wenn sie renommierte Politiker schützt.

Nun weiß man ja, dass bei medizinischen Doktorarbeiten – sagen wir: etwas geringere Ansprüche gelten als an naturwissenschaftliche oder sozialwissenschaftliche ...
Richtig ist, dass Doktorväter in der Medizin oft nur die Erwartungshaltung haben, dass ihre Doktoranden später einmal gute Ärzte werden sollen. Die wissenschaftliche Leistung wird nicht so wichtig genommen. Man mag sich fragen, warum Ärzte dann eigentlich so viel Wert auf den Doktortitel legen. Mir aber geht es um etwas anderes: An eine Verteidigungsministerin habe ich andere Anforderungen als an eine Ärztin. Es ist wichtig, dass sie in Stresssituationen mit Informationen gut umgeht, dass sie sie korrekt verarbeitet und wiedergibt. Jeder Offiziersanwärter  würde bei einem so unehrenhaften Umgang mit Informationen durch seine Prüfungen fallen.

Guttenberg, Schavan, Koch-Mehrin, jetzt vielleicht von der Leyen: Es trifft meist Politiker aus CDU, CSU und FDP. Recherchieren Sie politisch einseitig – oder haben Sie eine andere Erklärung für diese Schieflage?
Es fällt auf: Die Erwischten kommen alle aus relativ reichen und einflussreichen Familien. Ich glaube deshalb, es ist zumindest auch eine Milieufrage. Wer seinen Status hart erarbeitet hat, der neigt vielleicht nicht so zum Plagiieren. Wer aber immer protegiert wurde, der mag  sich ,möglicherweise eher für den bequemeren, aber unredlichen Weg entscheiden.

Martin Heidingsfelder hat zwar 2011 die Internetplattform Vroniplag gegründet, die Plagiaten nachspürt. Er ist aber ein kommerzieller Plagiatsjäger: Er wird von Auftraggebern dafür bezahlt, dass er Plagiate in Dokumenten sucht. Die heutigen Macher der Plattform "Vroniplag Wiki" liegen wegen seiner kommerziellen Vorgehensweise mit ihm über Kreuz. Von der Plattform "Vroniplag Wiki" ist er daher ausgeschlossen. Er bezeichnet sich heute als "einzigen professionellen Plagiatsjäger, der davon leben kann".

Interview: Conrad von Meding

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