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MHH prüft Ursula von der Leyens Doktorarbeit

Plagiatsverdacht gegen Bundesministerin MHH prüft Ursula von der Leyens Doktorarbeit

Plagiatsjäger werfen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vor. Von der Leyen weist den Vorwurf zurück. Sie hat die Medizinische Hochschule Hannover um eine Prüfung ihrer Dissertation gebeten. Interne Ergebnisse dazu sollen nächste Woche vorliegen.

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Plagiatsjäger werfen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Regelverstöße in ihrer Doktorarbeit vor.

Quelle: dpa

Hannover. Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan kosteten unsaubere Doktorarbeiten die Ministerämter. Nun steht auch das Werk von Ursula von der Leyen in der Kritik. Die Verteidigungsministerin wehrt sich. Auf  „VroniPlag Wiki“ tragen Nutzer ihre Erkenntnisse über Plagiate in Dissertationen zusammen. Bisher seien auf 27 der insgesamt 62 Textseiten Plagiatsfundstellen dokumentiert.

MHH prüft Dissertation

Ein Ministeriumssprecher teilte mit, von der Leyen wisse seit August davon. „Die Ministerin weist den Vorwurf nicht nur zurück - sie hat noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle der Einrichtung überprüfen zu lassen“, hieß es. Diese unabhängige Überprüfung sei ihr auch zugesagt worden.

Die MHH bestätigte gegenüber der HAZ, dass Ursula von der Leyen die Hochschulleitung um eine Überprüfung ihrer Doktorarbeit gebeten hat. Eine Ombudsperson habe die Arbeit seitdem einer Vorprüfung unterzogen. "Mit dem vertraulichen Bericht über die Ergebnisse der Vorprüfung an die Hochschulleitung ist in den nächsten Tagen zu rechnen", teilte ein Sprecher der Hochschule mit.  Danach sei gemäß der Verfahrensregeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) mit der Einleitung einer förmlichen Untersuchung durch die GWP-Kommission der MHH zu rechnen.

Plagiatsvorwürfe haben schon mehrere Spitzenpolitiker in Bedrängnis gebracht - bis hin zum Rücktritt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste 2011 sein Amt niederlegen, nachdem ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt hatte. 2013 trat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach dem Entzug ihres Titels durch die Uni Düsseldorf zurück. Von der Leyens Sprecher erklärte, es sei „nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen namhafter promovierter Politiker zu streuen“.

„Eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall“

Aus den Auswertungen auf „VroniPlag Wiki“ geht hervor, dass drei der beanstandeten Seiten zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext enthalten und fünf Seiten mehr als 75 Prozent. Der Juraprofessor Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität, der seit Jahren bei „VroniPlag“ mitarbeitet, sagte „Spiegel Online“, von der Leyens Arbeit sei „eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall“. Problematisch finde er allerdings die 23 gefundenen Fehlverweise, also Hinweise auf Quellen, in denen der zitierte Inhalt gar nicht zu finden sei. „Das ist im medizinischen Bereich besonders gefährlich.“

Von der Leyen promovierte im Bereich Frauenheilkunde. Der Titel der Arbeit lautet: „C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung“. Es handelt sich dabei um eine klinisch-experimentelle Arbeit, die in der Frauenklinik der MHH durchgeführt wurde.

Unregelmäßigkeiten in Dissertation brachten schon mehrere Politiker in Bedrängnis. In einigen Fällen kam es zum Verlust des Doktortitels und zu Rücktritten aus wichtigen Ämtern. Einige Beispiele:

Andreas Scheuer: Plagiatsvorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär haben sich nach Prüfung der Dissertation durch die Prager Karls-Universität nicht bestätigt. Das teilte die Hochschule im Oktober 2014 mit. Scheuer hatte in Prag 2004 ein „kleines Doktorat“ erworben. Da die akademischen Standards beider Länder nicht vergleichbar sind, darf er den „Dr.“ nicht landesweit, sondern nur in Berlin und Bayern führen. Nachdem er wegen der Verwendung auch anderswo kritisiert wurde, verzichtet Scheuer nun ganz auf Führen des Titels.

Annette Schavan: Wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf trat die damalige Bundesbildungsministerin im Februar 2013 zurück. Die Uni war zu dem Ergebnis gekommen, dass die CDU-Politikerin gut 30 Jahre zuvor „systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“. Schavans Klage wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

Jorgo Chatzimarkakis: Der FDP-Europaabgeordnete verlor seinen Titel im Juli 2011, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit nach Angaben der Universität Bonn aus fremder Feder stammte. Zuvor waren im Internet Plagiatsvorwürfe laut geworden. 

Silvana Koch-Mehrin: Wegen Plagiatpassagen in ihrer Doktorarbeit entzog die Universität Heidelberg der FDP-Politikerin im Juni 2011 den Titel. Koch-Mehrin war bereits zuvor als Vizepräsidentin des Europaparlaments zurückgetreten. 

Karl Theodor zu Guttenberg: Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte die Universität Bayreuth dem CSU-Politiker den Titel ab. Nach Protesten der Opposition und aus der Wissenschaft trat Guttenberg im März 2011 als Minister zurück. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, er habe für seinen 2007 erworbenen Doktortitel vorsätzlich getäuscht.

dpa/ska

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