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Deutschland / Welt Wahlkampf-Schlussoffensive in Bayern: „Kämpfen, kämpfen, kämpfen”
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Wahlkampf-Schlussoffensive in Bayern: „Kämpfen, kämpfen, kämpfen”
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21:17 15.09.2018
Horst Seehofer (rechts) und Markus Söder beim CSU-Parteitag. Quelle: imago
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München

„Es kommt auf uns an”, ruft Markus Söder energisch. „Ich finde, diese Umfragen sind ein Weckruf.” Samstag, kurz vor 14 Uhr: Die CSU, die laut jüngstem „Bayerntrend” nur noch bei 35 Prozent stehen, schließt die Reihen.

Vier Wochen vor der Landtagswahl am 14. Oktober stemmen sich die Christsozialen bei ihrem Parteitag im Münchener Postpalast gegen den Trend und versuchen, wieder in die Offensive zu kommen. „Kämpfen, kämpfen, kämpfen” sei jetzt angesagt, allein werde er es sicher nicht schaffen, bittet Söder, seit nunmehr einem halben Jahr Ministerpräsident in München, um Unterstützung „seiner” Leute.

Die Kulisse stimmt immerhin. Während seiner Rede war auf dem Bildschirm im Hintergrund die weiß-blaue Fahne des Freistaats zu gewesen. Jetzt wird die Bayern-Hymne angestimmt. Junge Wahlkämpfer vom „Team Söder” mit „Ja zu Bayern”-Schildern gesellen sich dazu, schließlich auch Horst Seehofer, der CSU-Chef und Bundesinnenminister. Söder lässt sich feiern.

Es sind Bilder, die Geschlossenheit und Entschlossenheit demonstrieren sollen. Doch sie stehen in scharfem Kontrast zu dem, was auf den Parteitagsfluren gesprochen wird. Wer Delegierten, Vorstandsmitgliedern und anderen Strippenziehern zuhört, bekommt einen Eindruck von der große Verunsicherung CSU, von den vielen Zweifeln.

SPD gegen CSU im Fall Maaßen

Nützt es oder schadet es, wenn Seehofer sich in Berlin für Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen verkämpft, während die SPD mit Koalitionsbruch droht? Was, wenn es für die CSU wie bereits 2008 nicht mehr zur Alleinregierung reicht? Klar ist, dass ein solcher Ausgang inzwischen durchaus wahrscheinlich ist. Längst werden in der Führung verschiedene Szenarien für den Fall der Fälle durchgespielt.

Söder ballt die Fäuste am Rednerpult. Der 51-Jährige zeichnet ein Szenario von Zersplitterung, mit möglicherweise sieben Parteien im Münchener Landtag. Wenn es so komme, könne Bayern von „Modellfall” zum „Problemfall der Demokratie” werden, warnt der CSU-Mann. Jeder Wähler müsse sich fragen, ob er das wolle: „Wir befinden uns in einer ernsten Lage, nicht nur für uns, sondern für die Demokratie in unserem Land.”

Das ist wohl genau das, was Söder unter einem Weckruf versteht. Gut 80 Minuten lang steht er am Rednerpult. Nur kurz spricht er über die Flüchtlingspolitik. Viel Zeit verwendet er darauf, mit den Grünen abzurechnen („Bevormundungspartei”), mit der SPD („vor der politischen Insolvenz”) und mit der AfD, die inzwischen Seit’ an Seit’ mit NPD, Pegida und rechten Hooligans stehe. Bayern brauche eine Partei, die das große Ganze sehe, nicht Einzelinteressen. Die CSU sei Garant für Stabilität.

Söder geht nicht direkt auf Maaßen ein

Söders Wunsch an seine Partei: Kurs halten, keine Koalitionsspekulationen, alles tun, was Bayern nutze und alles unterlassen, was davon ablenke. Direkt geht er nicht auf den großen GroKo-Machtkampf um die Causa Maaßen ein. Doch Söder nimmt sehr genau wahr, wie der Streit mit jedem Tag, den er andauert, mehr Aufmerksamkeit von seinem Wahlkampf nimmt.

Und was sagt Seehofer dazu? Wie lange das noch so gehen wird und vor allem, wie eine Lösung aussehen könnte, lässt er am Samstag in München offen. Nur dass er davon ausgehe, dass die Koalition weiter arbeiten werde, lässt sich der Innenminister mit Blick auf das neuerliche Treffen der Parteivorsitzenden am Dienstag entlocken.

Am Rande des Parteitags wird jedoch deutlich, dass die CSU bis auf weiteres hart bleibt und die ultimative SPD-Forderung nach einer Entlassung Maaßens als Erpressungsversuch sieht, den man sich auf keinen Fall bieten lassen will. Doch bleibt es bei Andeutungen.

Seehofer lobt Söder

Auf der Bühne gibt Seehofer den Wahlkämpfer und lobt Söder, seinen Nachfolger in Bayern, und dessen Regierungsbilanz. „Wir brauchen in den nächsten vier Wochen Zuversicht statt Ängstlichkeit, Geschlossenheit statt Nörgelei, Einsatz statt Gemütlichkeit”, beschwört Seehofer die Delegierten. Die CSU müsse nach vorn schauen, nicht in den Rückspiegel. Mit Abwarten, Jammern und Besserwissen habe man noch nie Erfolge eingefahren. „Steht auf, wenn Ihr für Bayern seid”, ruft der Parteichef so wie sonst die FCB-Fans beim Fußball.

Und tatsächlich gibt es Standing Ovations. Später wird sich Söder für Seehofers Unterstützung bedanken: Zwei, die sich lange bekämpft haben, proben nun den Schulterschluss auf der Parteitagsbühne. Auch diese Bilder von München dienen nur dem einen Ziel: Das Wahldesaster, mit dem in der CSU viele rechnen, doch noch abzuwenden.

Von Rasmus Buchsteiner

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