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Wen wählen die Griechen am Sonntag?

Parlamentswahlen Wen wählen die Griechen am Sonntag?

Rot oder Schwarz? Am Sonntag müssen die Griechen schon wieder eine neue Regierung wählen – nur Alexis Tsipras setzt darauf, dass alles beim Alten bleibt. 

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„Wir haben die Kraft, die Kenntnis und die Leidenschaft, dieses Land zum Besseren zu verändern“: Syriza-Chef Alexis Tsipras führt einen Wahlkampf, als trete er zum allerersten Mal an.

Quelle: dpa

Athen. Es sah so gut aus für Alexis Tsipras. Noch vor wenigen Wochen schien er den Sieg in der Tasche zu haben bei diesen vorgezogenen Parlamentswahlen, um derentwillen er vom Amt des Premiers zurückgetreten ist. Sogar die absolute Mehrheit schien möglich. Jetzt glaubt nur noch der Spitzenkandidat selbst daran, dass er am Sonntagabend der große Sieger sein wird. Denn vier Tage vor der Wahl liegen das Linksbündnis Syriza und die konservative Nea Dimokratia (ND) in den Umfragen gleichauf. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der Wahlkampf ist ganz auf das Duell zwischen dem Linken Tsipras und dem Konservativen Vangelis Meimarakis fokussiert. Oder: zwischen dem Euro-Rebellen und dem netten Nachbarn.

Nur acht Monate nachdem Alexis Tsipras den Griechen als frisch gewählter Premier versprochen hat, Europa zu verändern und Griechenland vom Sparzwang zu befreien, herrscht allerorten Ernüchterung. Ganz besonders bei den jungen Leuten, die ihn im Januar begeistert unterstützt hatten. Denn das Griechenland von heute ist keinen Schritt weiter auf dem Weg aus Armut, Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Krediten. Nun verspricht Alexis Tsipras, mal wieder, einen neuen Anfang. „Wir haben die Kraft, die Kenntnis und die Leidenschaft, dieses Land zum Besseren zu verändern“, ruft er den Zuhörern bei einer Syriza-Kundgebung in Kalamata zu. Er redet, als kandidiere er zum ersten Mal, als habe er nicht schon von Januar bis Ende August regiert. Von der jüngsten Vergangenheit spricht er selten. Die Bankenschließungen, die Kapitalkontrollen, die Steuererhöhungen – diese dunklen Kapitel seiner Regierungsmonate spart Tsipras aus.

Vielleicht ist auch deshalb die Stimmung unter den Zuhörern eher verhalten. „Nichts Neues“, summiert ein Kioskbesitzer am Rand des Platzes die Botschaften. Im Januar habe er Syriza gewählt, „aber geändert hat sich nichts, im Gegenteil – jetzt werden die Steuern noch mal erhöht und die Renten weiter gekürzt“. Am Sonntag will er nicht zur Wahl gehen. Fast 36 Prozent der Wähler, so eine Umfrage des Instituts Kapa Research, interessieren sich „wenig“ oder „gar nicht“ für diese Wahl. Das lässt keine hohe Beteiligung erwarten.

Auch Oppositionsführer Vangelis Meimarakis ist kaum geeignet, die Massen zu begeistern. In den Augen vieler Griechen ist der 61-Jährige, der seit 26 Jahren im Parlament sitzt, typischer Repräsentant jener alten politischen Klasse, die das Land ruiniert hat. „Griechenland hat sich geändert, wir haben uns geändert, wir machen dieselben Fehler nicht noch einmal“, sagt Meimarakis nun. Charisma hat er nicht – aber die Ausstrahlung des netten, älteren Herrn, der die Sprache der einfachen Leute spricht. Das verschafft ihm überraschend so viele Sympathien, dass er Tsipras gefährlich wird.

Wer auch immer gewinnt, wird Partner zum Regieren brauchen. Eine Große Koalition lehnt der Syriza-Chef als „unnatürlich“ ab. Bleibt es dabei, kommen andere ins Spiel. Kommunisten und Rechtsextreme gelten nicht als koalitionsfähig, aber die sozialdemokratische Pasok und ,vor allem, die kleine, unideologische und proeuropäische Partei To Potami werden vorsichtig umworben. „Politik darf kein Beruf sein“, fordert deren Chef Stavros Theodorakis. Nach zwei Legislaturperioden soll ein Abgeordneter pausieren. Eine Koalition mit beiden großen Parteien sei möglich, sagte der Journalist, aber: „Ich werde keine Regierung unterstützen, in der wieder die arbeitslosen Minister von gestern sitzen.“ Theodorakis verspricht statt dessen „einen neuen Anfang“. Wie Tsipras. Wie Meimarakis.

Von Gerd Höhler

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