Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Wende im Fall DSK: Helle Aufregung bei Frankreichs Sozialisten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Wende im Fall DSK: Helle Aufregung bei Frankreichs Sozialisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:33 03.07.2011
Tritt Dominique Strauss-Kahn im Falle eines Freispruchs gegen Sarkozy an? Quelle: dpa
Anzeige
Monaco

In Frankreich hat sich viel verändert, seit Dominique Strauss-Kahn in Handschellen abgeführt wurde, um sich Vergewaltigungsvorwürfen eines Zimmermädchens zu stellen: Ein blasser Normalo wurde statt des schillernden Strauss-Kahn zum Favoriten der Opposition bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen. Und Präsident Nicolas Sarkozy verlor seine beste Ministerin und Finanzexpertin, Christine Lagarde, die Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) ablöste.

Doch nun die überraschende Wende: Vielleicht war alles gar nicht so, vielleicht wird DSK freigesprochen und tritt am Ende doch noch gegen Sarkozy an. Bei den Sozialisten, bei denen Strauss-Kahn lange als aussichtsreichster Kandidat galt, herrscht helle Aufregung. Die Bevölkerung ist gespalten. Knapp die Hälfte aller Franzosen (49 Prozent) würde nach einer Umfrage der Zeitung „Le Parisien“ (Sonntag) Dominique Strauss-Kahn gern wieder als Politiker in Paris sehen. 45 Prozent waren dagegen.

Ex-Parteichef François Hollande sprach als erster aus, was viele denken: „Nichts sollte Dominique Strauss-Kahn hindern, anzutreten“, sagte er. Konkret bedeutet dies, die Frist für die Kandidaten der Vorwahl vom 13. Juli um ein paar Wochen zu verschieben. Nach dem ursprünglichen Plan wollten die Sozialisten im Oktober bestimmen, wer von ihnen den Wahlkampf gegen Sarkozy aufnehmen soll.

Ist eine Kandidatur Strauss-Kahns in Frankreich realistisch? Im Fall eines Freispruchs hätte er zumindest Zeit für einen neuen Job, da sein IWF-Posten bereits an Lagarde vergeben ist. Andererseits: Wollen die Linken einen Kandidaten - und die Franzosen einen Präsidenten - der eine solche Geschichte hinter sich hat? Zumal ja noch niemand weiß, wie diese Affäre tatsächlich endet. Was Strauss-Kahn selbst über seine Zukunft denkt, hat er bislang für sich behalten. Er wartet den nächsten Gerichtstermin in New York am 18. Juli ab.

Bei der Freilassung Strauss-Kahns würden in Frankreich die Karten neu gemischt

Dass Strauss-Kahns Anwälte versuchen würden, die Anklägerin zu diskreditieren, stand schon früh fest. Falls sie bei ihrem Asylantrag geschummelt hat, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie eine Vergewaltigung erfunden hat, meinen auch manche seiner alten Anhänger.

Für den Fall, dass Strauss-Kahn tatsächlich freigesprochen wird, werden in Frankreich aber schon mal die Karten neu gemischt: Hollande setzt sich nach Ansicht von Beobachtern für eine Kandidatur von DSK ein - weil er sich gegen ihn wohl bessere Chancen ausrechnet als gegen Parteichefin Martine Aubry. Und Aubry wäre möglicherweise erleichtert. Es glauben ihr ohnehin viele nicht, dass sie tatsächlich die nächste Präsidentin Frankreichs werden will.

Grund zur Freude hat Strauss-Kahns Nachfolgerin an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Sie war zwar auch schon vor der Affäre als Kandidatin im Gespräch, für den Fall, dass DSK sein Mandat wegen des Wahlkampfs in Frankreich vorzeitig aufgeben würde. Aber wer weiß, ob sie es dann auch tatsächlich geworden wäre?

Ärgern wird sich hingegen der „Füßekneter“: Der französische Staatssekretär Georges Tron musste seinen Posten nach einer Vergewaltigungsklage aufgeben. Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen werfen ihm vor, ihnen Fußmassagen aufgedrängt zu haben, die in sexuelle Handlungen übergegangen seien. Den Mut zur Aussage hätten sie erst durch den Fall von Dominique Strauss-Kahn bekommen. Ohne die DSK-Affäre wäre Tron vermutlich immer noch im Amt.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei den Wahlen in Thailand zeichnet sich ein haushoher Sieg der Opposition ab. Nach Wählerbefragungen, die das Fernsehen am Sonntag kurz nach Schließung der Wahllokale veröffentlichte, dürfte die Partei des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra die absolute Mehrheit erreichen. Laut Wählerbefragungen des Senders Thai PBS könnte sie auf 313 der 500 Parlamentssitze kommen.

03.07.2011

Die Bundesregierung hat erstmals die Lieferung schwerer Kampfpanzer nach Saudi-Arabien genehmigt. Die Saudis solen demnach Interesse an mehr als 200 Exemplaren der modernsten „Leopard“-Variante haben.

03.07.2011

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gilt als Frontfrau des linken FDP-Flügels. Angesichts des Umfragetiefs fordert sie die Liberalen auf, den Blick für neue Koalitionspartner zu weiten. SPD-Fraktionschef Steinmeier spricht bereits von Neuwahlen.

02.07.2011
Anzeige