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"Der Deutsche" und sein Imperium in Panama

Jürgen Mossack "Der Deutsche" und sein Imperium in Panama

Wer steckt hinter der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca, die für ihre Kunden Briefkastenfirmen gegründet haben soll? Der Finanzkopf ist ein Deutscher und sein Partner der politische Strippenzieher.

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Büro der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama-City.

Quelle: EPA/Alejandro Bolivar

Panama-Stadt. Er gilt nicht als Freund langer Worte. Als ziemlich direkt beschreiben ihn Mitarbeiter. Aufbrausend, durchsetzungsstark. Geduld zähle nicht zu den Stärken von Jürgen Mossack, der 1977 eine Anwaltskanzlei in Panama gründete und heute im Fokus eines der größten Wirtschaftsskandale steht. Vor 40 Jahren hatte er ein bescheidenes, bodenständiges Ziel. "Ich möchte genug Geld verdienen, um meine Familie anständig zu versorgen", sagte der Jurist damals.

1948 wurde Mossack im mittelfränkischen Fürth geboren, in jungen Jahren wanderte er mit seiner Familie nach Panama aus. Hier baute sich sein Vater eine neue Existenz auf, ohne Angst, für seine Taten als Mitglied der Waffen-SS bestraft zu werden. Der kleine, zentralamerikanische Staat ging sehr großzügig mit Alt-Nazis um.

Sie nennen ihn "den Deutschen"

Erhard Mossack, gelernter Maschinenbauer, arbeitete als Händler, diente sich darüber hinaus – so steht es in alten Akten – dem US-Geheimdienst CIA als Spitzel im Kampf gegen den lateinamerikanischen Kommunismus an. Sein Sohn Jürgen zog das Jurastudium vor, schloss es 1973 ab und machte sich als Anwalt erst in London, dann in Panama-Stadt einen Namen. Er spezialisierte sich auf die undurchsichtige Finanzwelt mit ihren Schlupflöchern.

Früh erkannte Mossack die lukrativen Renditen, die sich durch Briefkastenfirmen erwirtschaften lassen. "Der Deutsche", so nennen ihn seine rund 500 Mitarbeiter in den 48 Büros und Kanzleivertretungen rund um den Globus noch heute, verbündete sich 1986 mit Ramon Fonseca Mora. Der eloquent Lebemann aus Panama, 1952 geboren, wurde nach erfolgreichen Jahren in London und bei den Vereinten Nationen in Genf ein bekannter und beliebter Politiker in seiner Heimat.

Kontakte in Politik und Wirtschaft

Auch machte er sich als Schriftsteller einen Namen, veröffentlichte einen Thriller, der von Intrigen im Zentrum der Macht erzählt. Wie passend. Aus der "Jürgen Mossack Lawfirm" erwuchs die Mossack Fonseca Gruppe. Auf der einen Seite der Deutsche mit seiner Erfahrung auf dem Finanzparkett, auf der anderen der Panamaer mit umfangreichen Kontakten und Netzwerken in Politik und Wirtschaft.

Fonseca arbeitete zuvor als Berater mehrerer Präsidenten, zuletzt auch von Staatschef Juan Carlos Varela. Gleichzeitig war er stellvertretender Vorsitzender der Regierungspartei Panameñista und saß im Kabinett. Aktuell lässt er seine politischen Ämter wegen Ermittlungen in Brasilien im Zusammenhang mit der Mossack Fonseca Gruppe ruhen.

Vorbild Microsoft

Diese beiden Köpfe waren es, die die Kanzlei zu einem Weltunternehmen formten. "Meine Vision ist es", so sagt es der "Deutsche" in einem Firmenvideo, dass "das Unternehmen zu einer Organisation wird, die mit Microsoft vergleichbar ist." Die Kunden sollen im Alltag nicht mehr auf seine Firma verzichten können und sie nicht einzig wegen ihrer Preise engagieren.

Jürgen Mossack dachte und denkt bis heute nicht in kleinen Kategorien. Laut "Süddeutscher Zeitung" ist er zwar nicht sonderlich wählerisch bei der Auswahl seiner Kunden. Ein Insider verrät: "Dennoch ist es besser, man hat ihn auf seiner Seite, sonst könnte es unangenehm werden."

Von Carsten Bergmann

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