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Deutschland / Welt Wie Trump den Handelsstreit für sich nutzt
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06:41 27.07.2018
US-Präsident Donald Trump. Quelle: AP
Washington

Granite City in Illinois ist eine Stadt ganz nach dem Geschmack von Donald Trump. Hier standen früher die Hochöfen unter Dauerfeuer, um Stahl für den amerikanischen Markt herzustellen, und hier eröffnete kürzlich wieder eine sogenannte Stahlmühle - da Strafzölle auf importierten Stahl und Aluminium erhoben werden, die die Preise in die Höhe schießen lassen. Mehrere hundert Arbeiter des Mammutkonzerns US Steel stehen in der Halle und applaudieren. Es ist „ihr“ Präsident, wie viele Mitarbeiter freimütig bekennen, da Trump maßgeblich dazu beigetragen habe, die Stahlproduktion in das 30.000-Einwohner-Städtchen unweit von Saint Louis wieder zurückzubringen.

Auch Trump fühlt sich in dieser Umgebung ganz offensichtlich wohl und wiederholt mehrfach, dass er einer von ihnen, einer der Stahlarbeiter dort im Publikum, sein könnte. „Great People“, sagt Trump. Großartige Leute.

An diesem Donnerstag geht Trump so richtig in die Vollen und zeigt den Arbeitern und aller Welt, dass er mit seiner Sicht der Dinge im Reinen ist. Der 72-Jährige wiederholt seine Erzählung, die er schon so oft zum besten gegeben hat, auch an diesem Abend: Amerika sei von aller Welt über Jahre geplündert worden, daher sei es jetzt an der Zeit, die Verhältnisse wieder gerade zu rücken. China würde das geistige Eigentum westlicher Firmen stehlen und Steuern auf Produkte erheben, die in der entgegengesetzten Richtung nicht anfallen. Und selbst die Europäische Union verlange deutlich höhere Steuern auf US-Autos als umgekehrt.

Trump spult seine Rede ab

Erwartungsgemäß erwähnt Trump nicht, dass das transatlantische Steuersystem in den Neunziger Jahren von beiden Seiten mit breiten Mehrheiten unterzeichnet wurde. Während die Europäer bei einigen US-Autos tatsächlich höhere Einfuhrzölle erheben, werden die Europäer bei anderen Produkten stärker belangt. Die Zölle, so wie sie heute auf unzählige Produkte erhoben werden, sind eben das Ergebnis langwieriger Verhandlungen, denen letztlich beide Seite zustimmten. Kaum jemand bezweifelte damals bei den Vertragsabschlüssen, dass insgesamt eine faire Balance besteht.

Aber von solchen Differenzierungen mag Trump nichts hören. Der Präsident spult seine Rede ab, als würde er selbst unmittelbar vor der Wahl stehen.

Er, der große Dealmaker, habe die europäischen NATO-Mitglieder dazu gebracht, künftig wieder mehr in die Gemeinschaftskasse einzuzahlen. Auch habe er die Krise mit Nordkorea - zumindest kurzfristig - eingedämmt. Und überhaupt seien die Wirtschaftsdaten allerbestens.

Strafzölle treffen Illinois besonders hart

Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht trotz aller Einwände an seiner Erzählung festhalten würde. Ob die Stahlarbeiter in Granite City allerdings ausreichen, um die Begeisterung für ihn in die Stadt und in den gesamten Bundesstaat weiterzutragen, darf bezweifelt werden. Gerade Illinois kommt in diesem Sommer die Zweischneidigkeit des neuen Protektionismus zu spüren. Wie die amerikanische Handelskammer auflistet, betreffen die neuen Vergeltungssteuern Waren im Wert von etwa 3,5 Milliarden Euro - allein aus Illinois. Negative Auswirkungen durch den Handelskrieg meldet - unter anderem - der Flugzeughersteller Boeing. „Die neuen Zölle bringen einige Jobs zurück, zerstören aber auch bestehende Arbeitsplätze“, sagt Todd Maisch, der seit 25 Jahren für die örtliche Handelskammer tätig ist.

Und Richard Guebert, Präsident des Farmerverbandes, benutzt sogar ein deutsches Lehnwort, um die Stimmung unter seinen Kollegen zu beschreiben: Viele Bauern hätten große „Angst“ angesichts der schwierigen Lage, so Guebert. Durch die neuesten Kapriolen auf den Handelsmärkten mit ihren Zöllen und Vergeltungssteuern würden viele jüngere Kollegen, die nur eine dünne Kapitaldecke hätten, mit purer Existenzangst auf die kommenden Monate blicken. Guebert weiß, wovon er spricht: Gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Sohn betreibt der Bauernfunktionär eine große Farm in Illinois, die auf Sojabohnen spezialisiert ist. „Halten die Vergeltungssteuern weiter an“, so Guebert, „wird es eng.“

Von RND/Stefan Koch

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