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Deutschland / Welt Sieben Tote – zwei Deutsche verletzt
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Sieben Tote – zwei Deutsche verletzt
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08:36 05.06.2017
Polizei steht in der Southwark Street in London neben Blumensträußen zum Gedenken an die Opfer des Anschlags. Quelle: Yui Mok/PA Wire/dpa
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London
  • Bei der Attacke im Zentrum von London wurden mindestens sieben Menschen getötet, mindestens 48 verletzt
  • Drei mutmaßliche Angreifer wurden von der Polizei erschossen
  • Premierministerin Theresa May kündigt dem Islamismus den Kampf an
  • Am Sonntag nahm die Polizei zwölf weitere Verdächtige fest
  • Auch Deutsche unter den Verletzten
  • Terrormiliz IS reklamiert Anschlag für sich

Ein Terroranschlag im Herzen Londons hat wenige Tage vor der Parlamentswahl Großbritannien erneut erschüttert. Er begann am späten Samstagabend auf der London Bridge und ging auf dem nahe gelegenen Borough Market weiter, der bei Touristen sehr beliebt ist. Es gab mindestens sieben Tote und rund 50 Verletzte, darunter mindestens zwei Deutsche. Die Terroristen griffen ihre Opfer zuerst mit einem Kleintransporter und dann mit Messern an. "Das war wie ein Amoklauf", zitierte die BBC einen Zeugen. Die Täter seien zu Bars und Restaurants in der Umgebung gelaufen und hätten gerufen: "Dies ist für Allah".

Angreifer haben mit einem Fahrzeug und Messern mindestens sieben Menschen in London getötet, ehe die Polizei sie erschoss. Die Bilder aus der Nacht.

Die Ermittler gingen zunächst von drei Tätern aus. Alle drei verdächtigen Männer seien tot, sagte die Londoner Polizeichefin Cressida Dick am Sonntagmorgen. Sie bezeichnete die Attacken als "entsetzlich und tragisch". Großbritanniens Anti-Terror-Chef Mark Rowley erklärte, die Polizei behandele die Angriffe als "terroristische Vorfälle".

Einer der drei Attentäter von London hat kurz vor dem Terroranschlag den weißen Transporter gemietet, der für die Tat genutzt worden ist. Das sagte ein Sprecher der Londoner Polizei am Sonntag.

Terrormiliz IS reklamiert Anschlag für sich

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlagfür sich reklamiert. Die in der Nacht zum Montag verbreitete Erklärung des IS-Sprachrohrs Amak konnte zunächst nicht auf Echtheit überprüft werden. Sie wurde aber über für den IS übliche Kanäle und in der üblichen Form verbreitet.

Auch Deutsche unter den Verletzten.

Anschlag kurz vor Parlamentswahl

Am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament. Wegen des Anschlags setzten fast alle Parteien ihren Wahlkampf aus, nur die rechtspopulistische Ukip-Partei schloss sich dem nicht an. May kündigte an, am Wahltermin festzuhalten.

May kündigt Konsequenzen an

Premierministerin Theresa May kündigte am Tag nach dem Anschlag Konsequenzen an: "Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern", sagte May. Ihre Pläne richten sich nicht nur gegen Terroristen, sondern auch gegen den radikalen Islam. "Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten." Mit dem Begriff "öffentlicher Dienst" spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe "viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land", betonte sie.

Internet und Messengerdienste dürften Extremisten keinen Rückzugsort mehr bieten. Vielmehr müsse besser überwacht und reguliert werden, um die Kommunikationswege von Terroristen zu stören. Dazu brauche es internationale Vereinbarungen, sagte die Regierungschefin.

Attentat löst international Bestürzung aus

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einer "gezielten und feigen Attacke" auf unschuldige Londoner und Besucher. Die Polizei sperrte große Areale in der Stadt ab. Sie bat die Menschen, nicht leichtfertig Videos und Bilder von den Tatorten in Umlauf zu bringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich bestürzt: "Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint."

US-Präsident Donald Trump erntete für eine Twitter-Nachricht zu London viel Kritik: Er war den Londoner Bürgermeister Khan angegangen und hatte dessen Aussage verdreht, wie der Sender CNN hervorhob. "Mindestens sieben tot und 48 verwundet bei einer Terrorattacke, und der Bürgermeister von London sagt, es gibt "keinen Grund, alarmiert zu sein!"", schrieb Trump. CNN zufolge hatte sich Khan mit seiner Äußerung aber auf die Präsenz von Soldaten auf der Straße bezogen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich betroffen: "Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint." Sie telefonierte mit May und sprach dieser ihre Anteilnahme aus.

"Das ist keine neue Dimension", sagte Innenminister de Maizière. Es gebe jetzt zwar eine Häufung in Großbritannien, aber Anschläge mit Autos und Lastwagen seien schon aus Nizza, Berlin und auch aus London bekannt. Sie würden auch "empfohlen", "von dieser Mörderbande, dem sogenannten Islamischen Staat".

Großbritannien immer wieder Ziel von Anschlägen

Erst vor knapp zwei Wochen hatte der 22-jährige Selbstmordattentäter Salman Abedi nach einem Konzert des Teenie-Stars Ariana Grande in Manchester mit einer Bombe 22 Menschen mit in den Tod gerissen. Bei dem Terroranschlag waren mehr als 100 Personen verletzt worden.

Die Terrorattacke auf der London Bridge erinnert sehr an einen Angriff im März: Am 22. März war ein 52-jähriger Mann auf der Westminster-Brücke in London mit hohem Tempo in Fußgänger gefahren. Anschließend tötete er mit einem Messer einen unbewaffneten Polizisten. Bei dem Terrorangriff waren sechs Menschen ums Leben gekommen und Dutzende Menschen verletzt worden. Der Attentäter wurde erschossen.

Zu dem jüngsten Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Jedoch verwies die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group darauf, dass Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag in ihren Foren und Chat-Kanälen feierten und den IS hinter der Tat vermuteten.

Bei einer Explosion am Rande eines Popkonzerts in Manchester gab es mindestens 22 Tote. In der für Zehntausende ausgelegten Halle war Ende Mai die US-Sängerin Ariana Grande aufgetreten.

dpa

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