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Zentralrat-Chef Mazyek in Erklärungsnot

Maischberger-Auftritt Zentralrat-Chef Mazyek in Erklärungsnot

Lanz, Maischberger, Phoenix-Runde: Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ist nach der Skandalnacht von Köln ein viel gefragter Mann. Bei seinem Auftritt bei Sandra Maischberger tat sich der 46-Jährige allerdings keinen Gefallen.

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Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Quelle: dpa

Berlin. Es ist verständlich, dass Aiman Mazyeks Meinung zum Islam, zu muslimischen Männern und zum Frauenbild in der arabischen Welt gerade jetzt auch in Talkshows interessiert. Doch vielleicht ist das auch alles ein wenig zu viel für den in Aachen geborenen Sohn eines aus Syrien stammenden Ingenieurs und einer deutschen Journalistin.

Besonders mit seinem Auftritt bei Sandra Maischberger tat sich der 46-Jährige keinen Gefallen. Nachdem „Emma“-Redakteurin Chantal Louis sexualisierte Gewalt gegen Frauen in islamisch geprägten Staaten thematisiert hatte, wies Mazyek die Behauptung zurück, dies sei ein Problem in der muslimischen Welt. „Massenhafte Vergewaltigungen oder Ansätze davon in der muslimischen Welt, das ist wirklich ein Ammenmärchen“, sagte der islamische Verbandsvertreter, während Szenen bedrängter Frauen auf dem Tahrir-Platz in Kairo zu sehen waren. Die Aussage des Kriminologen Christian Pfeiffer, für die Übergriffe von Köln seien der Frust der jungen Männer und eine Machokultur mitverantwortlich, bügelte der Islamkenner ab: „Wir brauchen keine monokausalen Erklärungsmomente und schon gar nicht Hypothesen.“

Letztlich gab Mazyek dem deutschen Rechtsstaat eine Mitschuld an den Kölner Exzessen. Die arabischen Männer hätten das Gefühl, in Deutschland könne man so etwas ungestraft machen. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken fallen seither vernichtend aus. „Kann den Mann mal jemand aufklären?“, fragt „Anna Bayern“ auf Twitter. Und „Emma“ zweifelt, ob Mazyek „der richtige Alliierte im Kampf gegen einen rückwärtsgewandten Islam“ ist.

Dass Mazyek richtige Worte finden kann, bewies er mit seiner Rede nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Als „größte Gotteslästerung“ bezeichnete er seinerzeit das Attentat. „Wir müssen jeden schützen, der in Freiheit lebt.“ Die Täter aus der Silvesternacht von Köln geißelte er als „unislamisch“. Seit Wochen wird der Zentralrat mit Morddrohungen überzogen. Auch das gehört zu einer Beurteilung dazu. Mazyeks verbale Verirrungen bei Maischberger zeigen vor allem eines: wie schwer es ist, in einer überladenen Debatte, die Kriminalität, Flüchtlinge, Integrationsprobleme und sexuelle Übergriffe durcheinanderwürfelt, den korrekten Ton zu treffen. Auch dem Magazin „Emma“ gelingt dies nicht immer.

Von Jörg Köpke

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