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Zu wenig Tierschutz auf Schlachthöfen

Viele Fehlbetäubungen Zu wenig Tierschutz auf Schlachthöfen

750 getötete Schweine in der Stunde: In großen Schlachthöfen wird am Fließband gearbeitet. Optimaler Tierschutz kommt dabei oft zu kurz, wie die Regierung berichtet. Die Grünen rufen nach Konsequenzen.

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750 getötete Schweine pro Stunde: Unter der Akkordarbeit in Schlachthöfen leidet der Tierschutz.

Quelle: dpa

Berlin. Schlachten ohne richtige Betäubung: Beim akkordmäßigen Töten von Schweinen und Rindern in deutschen Schlachthöfen kommt es aus Sicht der Bundesregierung teils zu gravierenden Tierschutzmängeln und unnötigen Leiden. Solche Zwischenfälle seien so schwerwiegend, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssten, um sie sicher auszuschließen, heißt es in einer Antwort des Bundesagrarministeriums auf eine parlamentarische Anfrage. Die Grünen beklagten Zeitdruck in der industriellen Massenschlachtung und forderten strengere Vorgaben.

Zentrales Problem sind Defizite bei der Betäubung. Diese könnten laut internationaler Studien dazu führen, dass Tiere vor weiteren Schlachtarbeiten „das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen wiedererlangen“ und zum Beispiel „reagierende oder wache Schlachtschweine in die Brühanlage gelangen“, erläutert die Regierung. Diese „Fehlbetäubungsrate“ bei Schweinen liege bei bis zu 12,5 Prozent, wenn per Hand bediente elektrische Betäubungsanlagen eingesetzt werden. Bei Rindern würden laut Studien bis zu 9 Prozent nicht richtig betäubt. Damit wurden Informationen der „Saarbrücker Zeitung“ (Donnerstag) bestätigt.

In großen Schlachtanlagen werden den Angaben zufolge bis zu 750 Schweine pro Stunde automatisch betäubt. Für das fachgerechte Töten per „Entblutestich“ sind dann etwa fünf Sekunden Zeit. Bei Rindern sind es bis zu 80 Tiere in der Stunde und jeweils 45 Sekunden fürs Töten. Im vergangenen Jahr wurden in den 5100 zugelassenen Betrieben mehr als 59 Millionen Schweine und 3,7 Millionen Rinder geschlachtet.

Entscheidend seien „wirksame Betäubung und deren ordnungsgemäße Überwachung sowie das Feststellen des Fehlens von Lebenszeichen bei jedem einzelnen Tier vor Beginn der weiteren Schlachtarbeiten“, betont das Ministerium. Daher würden verschiedene Forschungsvorhaben zur „Weiterentwicklung einer tierschutzgerechten Tötung“ gefördert.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisierte, die Bundesregierung verweigere es, den Zusammenhang zwischen dem Zeitdruck bei der Akkordarbeit und Tierschutzmängeln in Schlachthöfen anzuerkennen. „Die Verbraucher wollen aber keine Billigschnitzel um den Preis, dass eines von 100 Schweinen lebend verbrüht wird.“ Betäuben und Töten müssten verpflichtend aus der Akkordarbeit herausgenommen werden. Nötig seien zudem Vorschriften für maximale Tierzahlen pro Stunde, bessere Kontrolle und ein Branchen-Mindestlohn, um mehr ausgebildete Kräfte für die Branche zu gewinnen.

dpa

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