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15:50 17.06.2013
Sollte man Barack Obama zu Gast haben, dann empfiehlt Sommelier Gunnar Tietz einen Grauburgunder Kalkmergel aus der Oberpfalz. Quelle: dpa
Berlin

Vor fünf Jahren ging es noch sportlich zu: Der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama ließ sich vor seiner gefeierten Rede vor der Siegessäule in Berlin schnell ins Fitnessstudio chauffieren, stieg in Jogginghosen aus der gepanzerten Limousine und stemmte im Spa-Bereich des Ritz-Carlton am Potsdamer Platz die Hanteln.

Dass die Berliner morgen und Mittwoch den US-Präsidenten erneut in Freizeitklamotten zu Gesicht bekommen, gilt als unwahrscheinlich. Denn jetzt kommt Obama als Präsident in die deutsche Hauptstadt, begleitet von seiner Gattin Michelle und angeblich auch von den Töchtern Malia Ann und Natasha („Sasha“), wie die „Berliner  Morgenpost“ berichtet.

Dienstag und Mittwoch besucht Barack Obama Berlin. HAZ.de zeigt Bilder dieses besonderen US-Präsidenten.

Es ist der erste offizielle Staatsbesuch Barack Obamas in Berlin. Rund 4000 Polizisten werden in den zwei Tagen für seine Sicherheit zuständig sein. Der Bereich rund um das Brandenburger Tor, wo Obama sprechen wird, ist bereits seit vergangener Woche Sperrzone. Wer keinen Personalausweis bei sich trägt, muss Umwege in Kauf nehmen. Erste Zäune stehen schon, um Schaulustige fernzuhalten, Fahrräder wurden entfernt, Gullydeckel zugeschweißt. Der Prachtboulevard Unter den Linden ist für eine Woche nicht befahrbar, und Anwohner am Flughafen Tegel müssen ab Dienstag Fenster und Türen geschlossen halten. Es gilt Sicherheitsstufe „1 Plus“.

Ähnliches gilt ab Montag für den Potsdamer Platz, wo Obama im Ritz-Carlton einquartiert wurde. Eine ungewöhnliche Wahl, über die sich vor allem die Konkurrenz wunderte. Eigentlich gelten das Intercontinental und das Adlon am Pariser Platz als erste Adressen für Staatsoberhäupter. Das Intercontinental baute erst vor einigen Jahren einen Sicherheitsbereich für besonders gefährdete Gäste wie Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Das Ritz-Carlton ist dagegen für seine Berlinale-Partys bekannt, Lady Gaga nächtigte hier und Lana Del Rey verbrachte die Nacht nach der Echo-Verleihung 2012 mit Grusel-Rocker Marilyn Manson im Ritz.

Wer wissen will, welchen Wein der US-Präsident zum Bankett trinken wird, der muss Gunnar Tietz fragen. Bereits im April erreichte den „Sommelier des Jahres 2011“ (Gault Millau) aus dem Hotel Palace die Anfrage, ob er sich um die Getränke für das Abendessen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schloss Charlottenburg kümmern könne. Der ungewöhnliche Auftrag: Tietz sollte die gleichen Weine besorgen, die vor 50 Jahren John F. Kennedy bei seinem Berlin-Besuch kredenzt wurden. Zum Steinbutt gab es damals einen Piesporter Grafenberg, 1961er Jahrgang, und später einen 1959er Beaujolais Moulin A Vent Patriarch Père et Fils. Der Preis: 7,50 DM.

Tietz startete einen Aufruf in einer Berliner Tageszeitung auf der Suche nach den Flaschen. Zwei Leser meldeten sich, die noch eine der Original-Beaujolais-Flaschen von damals besaßen. Diese wird Tietz dem US-Präsidenten beim Bankett symbolisch überreichen lassen. Allerdings mit dem Hinweis, den Korken besser nicht mehr zu öffnen. Die Vorlieben seiner berühmten Gäste unterliegen zwar der Verschwiegenheit. Aber sollte man Barack Obama zu Gast haben, dann empfiehlt Tietz einen Grauburgunder Kalkmergel aus der Oberpfalz. Dass der Weinkenner den begehrten Auftrag bekam, dürfte auch daran liegen, dass er unter anderem die Kanzlerin in Sachen Wein berät. Und die stammt wie Tietz ebenfalls aus Templin.

Vor dem Abendessen muss Obama allerdings ein eng gestricktes Programm absolvieren: Zunächst gibt es am Mittwochmorgen einen Empfang bei Bundespräsident Joachim Gauck, dann einen Besuch im Kanzleramt, später eine Pressekonferenz. Währenddessen wird Michelle ein „Damenprogramm“ absolvieren. Unter anderem stehen ein Besuch des Checkpoint Charlie mit Merkels Ehemann Joachim Sauer, das Holocaust-Mahnmal und der Reichstag auf dem Programm. Erst für den Nachmittag ist die Rede vor dem Brandenburger Tor geplant, anschließend ist auch noch ein Treffen Obamas mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück avisiert. Die Rede vor dem Brandenburger Tor allerdings werden nicht allzu viele Berliner verfolgen können. Denn anders als vor fünf Jahren, als an der Siegessäule 200 000 Menschen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten zujubelten, sollen am Brandenburger Tor diesmal nur viertausend geladene Gäste Platz finden.

Nora Lysk

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