Strittig sind nach Angaben von Susanne Strätz, Sprecherin der Landesschulbehörde, noch vier Anträge: in Wardenburg (Kreis Oldenburg), in Rinteln und Lindhorst im Kreis Schaumburg, die um eine Gesamtschule streiten sowie in Lilienthal im Kreis Osterholz-Scharmbeck, wo eine Gesamtschule mit drei Standorten geplant ist.
Nach der Aufhebung des Neugründungsverbots waren im vergangenen Sommer erstmals wieder 16 neue Gesamtschulen genehmigt worden. Seit Monaten üben die Oppositionsparteien, Lehrerorganisationen, Schüler- und Elternrat sowie die kommunalen Spitzenverbände heftige Kritik an den strengen Vorgaben. Besonders umstritten ist die vorgeschriebene Fünfzügigkeit. Kommunen, die eine IGS gründen wollen, müssen nachweisen, dass sie in den nächsten 14 Jahren fünf Klassen pro Jahrgang füllen können. Bei einer KGS ist die Vierzügigkeit Voraussetzung. „Damit wird die Gestaltungsfreiheit der Schulträger deutlich eingeschränkt, Gesamtschulen sind in weiten Teilen des Landes dadurch unmöglich“, bemängelt Meinhard Abel vom Städte- und Gemeindebund. Unterstützung bekommt er von der Opposition und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Auch drei- und vierzügige Integrierte Gesamtschulen müssen erlaubt sein“, fordert deren Landesvorsitzender Eberhard Brandt.
Nach Schätzungen von Ina Korter (Grüne) könnten mindestens 40 neue Gesamtschulen an den Start gehen, wenn die Gründungsvorgaben gelockert würden. Es sei irrwitzig, dass die Regierung mit aller Macht Minihauptschulen am Leben erhalte, während gleichzeitig bei IGSen fünf Klassen pro Jahrgang Pflicht seien, bemängelte die SPD-Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt. Eine Sprecherin des Kultusministeriums erklärte, die Fünfzügigkeit sichere den neuen Schulen die Zukunft und ermögliche ein breites Angebot auch in der Oberstufe.
„Eltern melden ihre Kinder nicht an Gesamtschulen an, weil dort bis jetzt das Abitur nach 13 Jahren abgelegt worden ist“, sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Pascal Zimmer, „sondern weil sie das pädagogische Konzept für sinnvoll halten.“ Schüler, Eltern, Schulträger und Lehrer bräuchten mehr Freiheit, sagte er.
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Kommentare
Auf die Zukunft ... Frank Litterscheid – 11.02.10
Ach, rührend zu sehen, wie fürsorglich man sich im Kult-Stuss-Ministerium um die Zukunft der Integrierten Gesamtschulen (IGS) kümmert. Immerhin ist es ja eine IGS, die als einzige Schule in ganz Niedersachsen für den Deutschen Schulpreis 2010 nominiert wurde. Da versteht es sich doch von selbst, dieser Schulform eine sichere Zukunft zu bescheren. Wie sagte doch die Ministeriumssprecherin? " ... die Fünfzügigkeit sichere den neuen Schulen die Zukunft und ermögliche ein breites Angebot auch in der Oberstufe." Nun muss man doch mal nachfragen: Mit wie vielen Parallelklassen laufen den die bestehenden IGS seit Jahren? Ach ja, es geht ja auch um die Oberstufe. Das nenne ich vorausschauend. So weit mir bekannt ist, wird die Errichtung einer IGS zunächst ohne eine Oberstufe genehmigt. Diese muss später - wenn an dieser Schule gewünscht - separat beantragt werden. Hat sich das geändert?Wenn nun also eine IGS ohne Oberstufe angedacht ist? Vielleicht damit man den Kindern in relativer Wohnortnähe möglichst lange alle Schullaufbahnen anbieten kann und man 10-jährige Kinder nicht jeden Tag 3 Stunden mit Bussen zu den umliegenden Gymnasien kutschieren muss? Glaubt man im Ministerium allen Ernstes die einzügigen Haupt- und Realschulen vor Ort würden Tür und Tor zu höheren Schulabschlüssen bieten? Was sagte die Sprecherin: "...ein breites Angebot...? " An diesen Schulen garantiert nicht! Aber nach pragmatischen, individuellen Lösungen zu suchen, wird ja immer gleich mit der Einheitsschulphobie-Klatsche totgeschlagen. Wenn hier auf dem Lande kleine IGS gefordert werden, hat das nicht die Bohne mit Ideologie zu tun. Diese Erkenntnis wird aber wohl in Hannover nicht ankommen; zu viel Beton ...