Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Ab 2018 düsen selbstfahrende Autos über die Straße

Test auf niedersächsischen Autobahnen Ab 2018 düsen selbstfahrende Autos über die Straße

Das Land Niedersachsen testet ab dem Jahr 2018 auf seinen Straßen Fahrzeuge, die alleine steuern können. Insgesamt umfasst die Teststrecke 280 Kilometer auf öffentlichen Straßen. Was steckt dahinter und was heißt das für alle anderen Autofahrer?

Voriger Artikel
Mutmaßlicher Helfer von Terrorverdächtigem gefasst
Nächster Artikel
Hildesheimer Islamisten-Zentrum endgültig verboten

Das Auto erkennt, dass die Ampel Rot zeigt: In Braunschweig lässt das DLR schon seit 2014 bestimmte Fahrzeuge autonom fahren – testweise.

Quelle: dpa

Hannover. Das Zeitalter der automatisierten und autonom fahrenden Fahrzeuge hat begonnen, und Niedersachsen will bei der Erprobung dieser neuen Technik eine wichtige Rolle spielen. Ab 2018 werden die Autobahnen zwischen Hannover, Wolfsburg und dem Dreieck Salzgitter sowie das Stadtgebiet Braunschweig zum Testfeld für selbstfahrende Fahrzeuge und elektronische Assistenzsysteme. Zusammen mit Volkswagen, Continental, der Siemens AG und dem Verkehrsinstitut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollen auf den 280 Streckenkilometern die Fahrsysteme der Zukunft erprobt werden.

Was versteht man eigentlich unter automatisiertem Fahren?

In Europa und den USA werden sechs Stufen, sogenannte Level, unterschieden. Bei Level 0 fährt ein Auto völlig ohne Assistenzsysteme, der Fahrer übernimmt alle Steuerungsbewegungen. Danach kommt das assistierte Fahren, bei dem einfache Systeme wie ein Tempomat im Einsatz sind. Level 2 ist das teilautomatisierte Fahren. Dabei übernimmt das System nur bestimmte Manöver selbstständig - etwa das Einparken. Das ist bei vielen Neuwagen schon Standard.

Gearbeitet wird derzeit an der dritten Stufe, dem hochautomatisierten Fahren. Dabei kann das Auto etwa Autobahnstrecken alleine fahren, selbst beschleunigen und bremsen und die Spur wechseln. Der Fahrer muss aber ständig in der Lage sein, das Steuer wieder zu übernehmen, etwa an einer Baustelle. „Ich glaube, dass das hochautomatisierte Fahren relativ schnell kommt, vielleicht in den nächsten fünf Jahren“, meint Professor Karsten Lemmer vom DLR.

Bei Level 4, dem vollautomatisierten Fahren, steuert das Auto während der gesamten Fahrt. Der Fahrer ist hier nur noch in Bereitschaft und kann übernehmen, wenn das System ihn dazu auffordert. Zukunftsmusik ist noch das komplett fahrerlose Fahren - die Passagiere können gar nicht mehr eingreifen.

Warum braucht man ein Testfeld für die Experimente?

Die Forscher wollen auf den Autobahnen testen, wie sich neu entwickelte Systeme unter echten Verkehrsbedingungen verhalten. Dass die Strecke dabei immer dieselbe ist, ermöglicht einen Vergleich der gewonnenen Daten. „Auf einem Testfeld hat man zu unterschiedlichen Zeiten und bei unterschiedlichen Verkehrsbedingungen immer die gleiche Qualität“, sagt Ralph Lauxmann von Continental. Das DLR will auf dem Testfeld aber nicht nur einzelne Fahrzeuge erproben, sondern auch ausprobieren, wie sich Verkehrsströme besser leiten lassen.

Darf eine neue Technologie auf einer öffentlichen Straße erprobt werden?

Die Technik etwa zum Spurwechsel oder andere Assistenzsysteme sind schon sehr weit erprobt, bevor sie auf der Autobahn zum Einsatz kommen. „Die Systeme sind schon sehr weit entwickelt, haben verschiedene Qualifizierungsstufen durchlaufen und mehrere Freigaben erhalten“, sagt Continental-Experte Lauxmann. Dass automatische Fahrsysteme auf einer Autobahn eingesetzt werden dürfen, ist durch ein Gesetz erlaubt, das erst jüngst vom Bundestag verabschiedet wurde. Damit dürfen auch rechtlich Computer das Steuer übernehmen - jedenfalls unter Aufsicht eines Fahrers.

Müssen die Autobahnen für den Testbetrieb umgebaut werden?

Die Fahrbahnen werden nicht aufgerissen, aber entlang der Strecken wird es Veränderungen geben. „Wir brauchen unter anderem Schilderbrücken, Masten und Kameras, um die Verkehrsströme zu erfassen. Außerdem gibt es Road-Side-Units - das sind kleine Kästen, die Informationen an die Fahrzeuge weitergeben sollen“, sagt Professor Lemmer vom DLR. Das Institut sowie das Land Niedersachsen investieren insgesamt 5 Millionen Euro in den Aufbau.

Werden die Strecken regelmäßig für den Testbetrieb gesperrt?

Das ist nicht vorgesehen. Es soll schließlich unter echten Bedingungen und zu verschiedenen Zeiten erprobt werden, wie die hochgerüsteten Autos ihre Umgebung wahrnehmen, wie sie untereinander kommunizieren können und welche Informationen sie von der Infrastruktur brauchen. Ein Fahrer kann bei dem seit 2014 bereits bestehenden Testfeld in der Innenstadt von Braunschweig zum Beispiel sehen, dass eine Ampel auf Rot springt. Das Auto muss diese Information elektronisch erhalten.

Besteht Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer?

Nein, meinen die Experten übereinstimmend. „Die Fahrer sind Sicherheitsfahrer und deutlich besser trainiert als normale Autofahrer“, sagt Professor Lemmer. Diese könnten sehr schnell eingreifen und hätten gewissermaßen die Hand ständig am Lenkrad, ohne es zu berühren. Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies geht davon aus, dass mit der Etablierung der autonomen Fahrsysteme nicht nur der Komfort, sondern auch die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden kann.

Was halten die Bürger von selbstfahrenden Autos?

Die Skepsis ist bisher groß. Die Mehrheit der Deutschen (67 Prozent) sehe ein vom Computer gesteuertes Auto mit Misstrauen, ermittelte die Bertelsmann Stiftung jüngst in einer Umfrage. Nur etwa jeder vierte Befragte (27 Prozent) habe sich begeistert geäußert. Häufigster Grund für die Ablehnung sei die Angst vor Unfällen, gefolgt von der Sorge vor Verlust der eigenen Kontrolle und vor Hacker-Angriffen. Trotz einer skeptischen Haltung sieht die Mehrheit der Bürger in einem automatisierten Fahren einen Nutzen für behinderte und ältere Menschen.

Streit um Zahl von Stromtankstellen

Zur Zukunft des Autos soll auch der Elektroantrieb gehören. Probleme machte bisher der stockende Ausbau des Ladenetzes. Die Bundesnetzagentur erwartet inzwischen jedoch eine schnellere Entwicklung. Seit Mitte März 2016 wurden der Behörde 1900 neue öffentliche Ladepunkte gemeldet. Der Schwerpunkt liege in den Ballungszentren, aber auch auf dem Land böten immer mehr regionale Anbieter öffentliche Ladepunkte an. Einen Überblick soll eine interaktive Karte bieten. Für die Region Hannover sind darin sieben Säulen verzeichnet, für ganz Niedersachsen 147.

Für Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) spiegelt das „nicht einmal im Ansatz die Wirklichkeit wider“. Tatsächlich gebe es in Niedersachsen mehr als 600 E-Tankstellen. „Die Karte verunsichert die Autofahrer nur und ist damit wenig hilfreich“, sagte Lies, der auch Vorsitzender des Beirates der Bundesnetzagentur ist. Nach Schätzungen des Beratungsgremiums Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) sind bis 2020 insgesamt 70?000 Ladepunkte und 7100 Schnellladesäulen notwendig, um die von der Bundesregierung angestrebte Zahl von einer Million Elektroautos mit Strom zu versorgen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen
Kleiner Parteitag der CDU in Niedersachsen

Nach der SPD hat nun auch die CDU in Niedersachsen den Koalitionsvertrag angenommen. Bei einem kleinen Parteitag haben die Christdemokraten in Hannover darüber entschieden. Damit ist der Weg für eine Große Koalition in Niedersachsen frei.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr