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17:38 25.08.2016
Abitur nach 13 Jahren: Niedersachsen weicht vom G8-Plan ab und startet ab 2021 G9. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Niedersachsen führt als erstes Bundesland flächendeckend wieder das Abitur nach 13 Jahren ein. Die Rückkehr zum alten Modell sei mit einer neuen Oberstufenverordnung abgeschlossen, gab Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am Donnerstag in Hannover bekannt.

Das erste Mal werden im Frühjahr 2021 Schüler das Abitur nach neun Jahren auf dem Gymnasium (G9) ablegen. „Wir nutzen das gewonnene Jahr auch in der Oberstufe, um den Druck von Schülerinnen und Schülern zu nehmen“, erklärte die SPD-Politikerin. Sie bezeichnete die Reform als richtungweisend: „Wir haben mit dem niedersächsischen Modell auch Druck aufgebaut für andere Bundesländer“, sagte sie.

Die Opposition kritisierte die neue Regelung als gut gemeint, aber schlecht gemacht. „Die Leistungsanforderungen im Schuljahrgang 11 werden auf ein Maß zurückgefahren, das dem Anspruch an gymnasiale Bildung nicht mehr in vollem Umfang genügt“, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried und betonte: „Die Ministerin sorgt mit dieser Reform dafür, dass unsere Gymnasien künftig in einem Jahr mehr Bildungszeit viel weniger Bildung vermitteln.“

Massive Kritik im Vorfeld

Der Philologenverband Niedersachsen nahm die neuen Regelungen „in Teilen mit Genugtuung“ zur Kenntnis. Vorstandsmitglied Helga Olejnik erklärte: „Wir hatten an mehreren geplanten Regelungen massiv Kritik geübt, und das Ministerium hat jetzt wenigstens in einigen Punkten unsere sachgerechten Vorschläge umgesetzt.“ Kritik gab es erneut wegen der Möglichkeit einer Umgehung der Verpflichtung zu einer zweiten Fremdsprache in der Jahrgangsstufe 11 durch schulinterne Beschlüsse. Es schränke vor allem das Erlernen einer dritten Fremdsprache stark ein.

Auch die Reduzierung der Klausuren-Zahl gerade der Prüfungsfächer in der Kursstufe oder die Einführung einer „Präsentationsprüfung“ im fünften Abiturprüfungsfach lehne der Philologenverband weiter strikt ab. Sie gehört zu den Neuerung bei den Abiturprüfungen: Erstmals 2021 können demnach Schüler auf diese Weise die mündliche Prüfung ablegen. Die Aufgabe dieser Prüfung könne der Prüfling zwei Wochen vorher zu Hause bearbeiten und sich dabei unkontrollierbar in großem Umfang der Hilfe Dritter bedienen.

Bei dieser Neuerung soll es neben dem Prüfungsgespräch einen mediengestützten Vortrag geben. Heiligenstadt, die von einer Art „Frischzellenkur“ fürs Abitur sprach, will dabei die Prüflinge zu einem sicheren und zielgenauen Einsatz von Medien veranlassen. Dabei kann es sich nicht nur um einen Powerpoint-Vortrag mit Bildern, Kernsätzen und Grafiken handeln, sondern auch um selbst gefertigte Zeichnungen, Modelle oder andere anschauliche Darstellungsformen.

Stärkere Berufsorientierung

Zu den Neuerungen gehört neben einer stärkeren Berufsorientierung auch eine Aufwertung des Unterrichtsfachs Informatik. Es kann künftig als Schwerpunktfach gewählt werden. Heiligenstadt gab allerdings zu, dass es momentan noch einen Engpass bei der Zahl verfügbarer Fachlehrer gebe. Ein vor drei Jahren gestartetes Programm für eine Zusatzqualifizierung geeigneter Pädagogen haben demnach bisher rund 60 Lehrer in Niedersachsen erfolgreich abgeschlossen. Die Ministerin stellte zudem eine stärkere Betonung der digitalen Bildung in Aussicht, bei der der Erwerb zukunftsfähiger Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien und Informationen im Fokus stehen soll.

„Ich bin überzeugt, dass das neue G9-Modell mehr Schüler bewegen wird, das Abitur zu machen“, sagte Heiligenstadt. Dank der Rückkehr zum G9-Abitur sinkt die Zahl der Pflichtstunden nun im 11. Jahrgang von 34 auf 30. Außerdem gibt es wöchentlich eine Stunde zur Studien- und Berufswahlorientierung, inklusive eines Betriebspraktikums.

Niedersachsen ist das erste Bundesland, das sich komplett vom Turbo-Abitur nach nur zwölf Schuljahren verabschiedet. Der Übergang soll mit Hilfe einer Einführungsphase abgemildert werden. Eine Herausforderung sind dabei allerdings Wiederholer, die die Abiturprüfung nicht bestehen. Für sie müssten eventuell Sondergruppen an den Schulen gebildet werden.

dpa

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