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Am freien Elternwillen wird nicht gerüttelt

Schullaufbahnempfehlung Am freien Elternwillen wird nicht gerüttelt

Am freien Elternwillen wird in Niedersachsen nicht gerüttelt. Die FDP ist mit ihrem Vorstoß, die Schullaufbahnempfehlungen nach der 4. Klasse verbindlicher zu machen und im Streitfall Aufnahmeprüfungen an den weiterführenden Schulen einzuführen, beim Kultusministerium, dem Landeselternrat und der Opposition auf breite Ablehnung gestoßen.

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Gymnasium, Real- oder Hauptschule? Am Ende von Klasse 4 fällt die Entscheidung: An der Albert-Schweitzer-Schule in Hannover-Linden lernen die Grundschüler auch Türkisch.

Quelle: Kris Finn

„Der freie Elternwille steht nicht zur Disposition“, stellte Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) am Montag klar. Es gebe keinerlei Aktivitäten in der Landesregierung, daran etwas zu ändern.

Auch SPD, Grüne und Linke wandten sich klar gegen eine Einschränkung des Elternwillens. Die FDP wolle dadurch nur das gegliederte Schulsystem und die Hauptschulen künstlich am Leben erhalten, hieß es. In diesem Schuljahr hatten 22,4 Prozent der angehenden Fünftklässler eine Hauptschulempfehlung erhalten, aber nur 13,2 Prozent des Jahrgangs wurden von den Eltern auch tatsächlich zu dieser Schulform geschickt. Die FDP hatte gerügt, dass zu ehrgeizige Eltern ihre Kinder überforderten. Man dürfe Eltern nicht vorwerfen, dass sie so lange wie möglich die Entscheidung über den Schulabschluss offen halten wollten, sagte hingegen Frauke Heiligenstadt (SPD).

Landeselternratsvorsitzender Pascal Zimmer sprach von einem „überraschenden Vorstoß“ der FDP. Die Probleme der aussterbenden Hauptschule und des überfüllten Gymnasiums ließen sich jedoch nicht durch Zwangsmaßnahmen lösen. „Wer sagt, wenn die Eltern sich an die Laufbahnempfehlungen halten, ist alles in Ordnung, macht es sich zu einfach.“ Solange die Empfehlungen der Lehrer so unsicher seien, dürfe man sie nicht verpflichtend machen, findet Zimmer.

So gibt es keine Statistiken, die belegen, dass Kinder, die mit einer Realschulempfehlung ein Gymnasium besuchen, eher scheitern als Kinder mit einer Gymnasialempfehlung. Das Kultusministerium hält zwar die Zahl der Schüler fest, die etwa nach der 6. Klasse vom Gymnasium auf die Real- oder Hauptschule wechseln, aber nicht welche Empfehlung die Schüler ursprünglich hatten. Nach Einschätzungen von Erziehungswissenschaftlern liegen etwa zwei Drittel der Grundschulpädagogen mit ihrer Einschätzung richtig. Andererseits schaffen auch Kinder mit einer Realschulempfehlung oft problemlos das Abitur. Der Lüneburger Professor Matthias von Saldern hält eine Entscheidung nach der 4. Klasse generell für viel zu verfrüht. Und der Berliner Wissenschaftler Rainer Lehmann verweist darauf, dass nicht nur Leistung entscheidend sind: „Kinder von Alleinerziehenden und Kinder aus sozial schwächeren Familien bekommen seltener eine Gymnasialempfehlung als andere.“ Jedenfalls habe der Druck von Eltern auf die Grundschullehrer zugenommen, sagte Marthe Blanck vom Grundschulverband.

Die Lehrerverbände reagierten gespalten auf den FDP-Plan: Während der Philologenverband und der Verband der Realschullehrer von einem „mutigen Versuch“ sprachen, das „Thema aus der Tabuzone zu holen“, kam von der GEW und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) scharfe Kritik: Dies sei „ein rechts-konservativer Fallrückzieher in die 50er Jahre“.

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