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Sind Sie wie die Grünen, Frau Stoeck?

HAZ-Kandidatensofa Sind Sie wie die Grünen, Frau Stoeck?

Zu Gast auf dem HAZ-Kandidatensofa: Vor der Landtagswahl kommen die Spitzenkandidaten in die Wohnzimmer der Leser und stellen sich ihren Fragen. Zweite Folge: Linken-Chefin Anja Stoeck auf der Couch von Vera Seegers in Laatzen. 

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Linken-Chefin Anja Stoeck (links) auf der Couch von Vera Seegers in Laatzen.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Ein Appartement in Laatzen, Erdgeschoss. Vera Seegers bittet ins Wohnzimmer, wo ihre „Mädels“ warten - die beiden Hunde Peggy und Lady. Vera Seegers ist politisch sehr interessiert, und was als Interview beginnt, wird schnell zu einer angeregten Diskussion.

Vera Seegers: Ich persönlich finde unmöglich und empörend, wie die Massentierhaltung ausgeufert ist. Wie stehen Sie dazu?

Anja Stoeck: Wir sind absolut gegen Massentierhaltung. Nicht nur das Tierwohl leidet darunter, auch die Überdüngung der Böden durch Gülle, Monokulturen oder der massenhafte Einsatz von Antibiotika sind ein Riesenproblem.

Vera Seegers: Was wollen Sie denn tun? Ich selbst esse kein Fleisch, aus gesundheitlichen, aber auch aus moralischen Gründen. Ich habe vor vielen Jahren schon Ställe hier in der Umgebung besucht - das war für mich ein Schock.

Anja Stoeck: Wir wollen die Massentierhaltung durch klare Regeln und auch Verbote von Riesenställen reduzieren. Es hat aber auch mit Aufklärung zu tun, denn weniger Massentierhaltung zu haben bedeutet, dass insgesamt weniger Fleisch gegessen werden muss. Ich esse schon Fleisch, aber sehr selten und dann bio.

Vera Seegers: Das ist für mich okay.

Anja Stoeck: Die Tiere müssen auf der Weide stehen und artgerecht gehalten werden.

Vera Seegers: Ja, aber darüber reden wir schon seit 20 Jahren. Aber in Deutschland darf gutes Essen einfach nichts kosten. Stattdessen steckt man lieber das Geld in ein dickes Auto.

Anja Stoeck: Da sprechen Sie von den Menschen, die Geld hätten, sich gutes Fleisch zu kaufen. Wir müssen aber auch bedenken, dass es Menschen gibt, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben.

Vera Seegers: Ja, aber ich wundere mich doch, wie dann manche mit ihrem Geld für Essen umgehen: Jeden Abend sehe ich hier in der Umgebung die Pizza-Boten. Da koche ich doch billiger und besser selbst.

Anja Stoeck: Ja, da haben Sie recht. Es ist viel an Grundkenntnissen über Essen, auch gesundes Essen, verloren gegangen. Da müssen wir mehr Aufklärung betreiben, schon in Kindergärten und Schulen.

Vor der Landtagswahl kommen die Spitzenkandidaten in die Wohnzimmer der Leser. In der zweiten Folge besucht Linken-Chefin Anja Stoeck Vera Seegers in Laatzen.

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Vera Seegers: Aber Frau Stoeck, das weiß doch jeder. Jeder weiß doch, wo Zucker und Fett drin ist. Aber es wird nicht umgesetzt. Aber noch mal zur Landwirtschaft: Würden Sie denn auch eine strenge Gülleverordnung umsetzen?

Anja Stoeck: Auf jeden Fall. Und wir würden in der Landwirtschaft auch die Ackerstreifen ausweiten.

Vera Seegers: Sie wollen da eigentlich das Gleiche wie die Grünen. Geben Sie mir doch mal drei Gründe, warum ich Sie wählen soll und nicht die Grünen.

Anja Stoeck: Wir sind absolut gegen Fracking, da haben die Grünen sich auf einen Kompromiss eingelassen, das nehme ich denen auch übel.

Vera Seegers: Das finde ich auch.

Anja Stoeck: Und die Grünen haben auch zugestimmt, dass Gorleben bei einer erneuten Suche für ein atomares Endlager nicht ausgenommen ist. Das hätten wir nicht mitgetragen. Und wenn ich Sie fragen darf: Was halten Sie von der Vermögenssteuer?

Vera Seegers: Die brauchen wir dringend und so hoch wie möglich.

Anja Stoeck: Sie ist ja tatsächlich auch nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt worden. Dafür wollen wir uns auch aus Niedersachsen einsetzen. Dafür werden wir von der Linken auch eine Volksinitiative starten. Wir wollen, dass Vermögen ab einer Million Euro mit 5 Prozent besteuert werden. Das damit eingenommene Geld wollen wir in Bildung, Krankenhäuser und Wohnungsbau stecken.

Zu den Personen

Vera Seegers lebt in Laatzen mit den Hunden Peggy und Lady, die sie aus dem Tierheim geholt hat. Sie ist Vegetarierin, Natur- und Tierfreundin – Themen, die ihr auch in der Politik besonders wichtig sind. So setzt sie sich dafür ein, dass die Hundesteuer zur Hälfte an Tierheime geht. Seegers war 20 Jahre lang Mitglied der SPD, bevor sie diese vor rund zehn Jahren wegen der Agenda 2010 verließ. Ihr Vater war „Kommunist, als andere Nazis waren“, wie Seegers selbst sagt.

Anja Stoeck ist Spitzenkandidatin der Linken in Niedersachsen. Die 51-jährige Physiotherapeutin aus dem Kreis Harburg ist Mutter von sieben Kindern und sieht sich als Mensch, der Politik „mit ganzem Herzen und ganzer Dickköpfigkeit“ macht. Stoeck war in ihrer Jugend Mitglied der SPD und der Falken. Später kam sie über die WASG zur Linken. Seit 2015 ist sie auch Landesvorsitzende der Partei in Niedersachsen.

Vera Seegers: Ich will, dass es in der Politik Veränderung gibt. Viele Politiker reden und handeln doch am Volk vorbei.

Anja Stoeck: Was meinen Sie?

Vera Seegers: Sehen Sie sich hier mal um: Man ist als Deutsche oft allein. Als Frau werde ich von muslimischen Männern nicht respektiert. Das sagen viele andere auch und die wählen dann AfD. Ich sage denen: Ihr spinnt doch, habt ihr mal in deren Programm geschaut? Aber die Integration, die funktioniert nicht.

Anja Stoeck: Integration geht anders, es müssen alle davon profitieren. Und es funktioniert nur, wenn man sich kümmert, etwa mit Sozialarbeitern. Und es braucht eine gute Durchmischung.

Vera Seegers: Die gibt es aber nicht mehr. Es kommen immer mehr, und die ballen sich hier zusammen. Und dann findet auch keine Integration statt, wenn die zu Hause immer nur in ihrer Muttersprache sprechen. Das Problem sind aber immer die Muslime.

Anja Stoeck: Ich habe da eine andere Wahrnehmung.

Vera Seegers: Nein. Mit den Asiaten gibt es keine Probleme. Aber schauen Sie sich mal an, wie die Straßen und Wege vermüllen, besonders da, wo viele Migranten leben. Die halten sich nicht an die Regeln.

Anja Stoeck: Das ist auch manchmal Unkenntnis. Wenn man die Regeln des Mülltrennens oder auch Entsorgens nicht kennt, dann muss einem das jemand erklären. Auch das heißt, sich kümmern: Es muss jemand da sein, der das in die Hand nimmt.

Vera Seegers: Einige wohnen doch schon in der dritten Generation hier.

Anja Stoeck: Aber man muss irgendwann anfangen. Da gibt es keine Ad-hoc-Lösungen. Aber wenn man jetzt etwas tut, dann hat man in zwei Jahren eine Lösung. Ich nehme aber aus unserem Gespräch mit, dass wir unsere Ansätze für Integration besser erklären müssen. Es müssen am Ende alle davon profitieren, keiner darf benachteiligt werden - das ist unser Ansatz.

So geht’s weiter: Bis zur Wahl lesen Sie noch die Sofa-Gespräche mit Bernd Althusmann (CDU), Anja Piel (Grüne) und Stefan Birkner (FDP). Für die AfD-Kandidatin Dana Guth hat sich kein Leser gemeldet.

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