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Land setzt Antibiotika-Kontrolleure ein

Einsatz in Mastställen Land setzt Antibiotika-Kontrolleure ein

Nach holländischem Vorbild will Niedersachsen in den Mastställen den hohen Antibiotika-Einsatz um die Hälfte senken. Um das zu erreichen, will das Land 25 neue Stellen für Kontrolleure schaffen. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wird künftig für die Kontrollen zuständig sein.

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Junge Putenküken am Futterspender.

Quelle: Carmen Jaspersen

Hannover. Bis zum Jahr 2020 will die Landesregierung den Antibiotika-Verbrauch in der Tiermast um mindestens die Hälfte reduzieren – und darüber auch die Kontrolle behalten. Am Dienstag verabschiedete das Kabinett eine Verordnung, wonach beim Landesamt für Verbraucherschutz (Laves) in Oldenburg 25 neue Stellen für Antibiotika-Kontrolleure eingerichtet werden. Zuvor hatten die Kommunen gefordert, die Kontrollen den Landkreisen zu überlassen, deren Kreisveterinärämter ohnehin für den Tierschutz in den Ställen zuständig sind. Auch Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte diese Position in der gestrigen Kabinettssitzung noch einmal wiederholt. „Wir haben uns letztlich aber für die Übertragung der Aufgabe an das Laves entschieden“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Damit solle Kompetenz gebündelt werden.

Die 25 Kontrolleure, überwiegend Tierärzte, sollen ab August in Betriebe gehen, die zuviele Antibiotika verbrauchen, um diese zu beraten. Finanziert werden sollen sie über Gebühren, maximal 500 Euro pro Kontrolle. Der Hintergrund ist, dass ein Bundesgesetz seit Sommer 2014 von Tierhaltern wie Tierärzten verlangt, in einer bundesweiten Datenbank einzugeben, wieviele Antibiotika sie einsetzen. Die Zahlen des ersten halben Jahres seien noch nicht ausgewertet, aber die Tendenz sei absehbar, so Meyer: Rund 856 Tonnen Antibiotika gehen jährlich in Niedersachsen und einigen benachbarten Landkreisen in die Tiermast. Studien hätten gezeigt, dass 92 Prozent aller Masthähnchen in ihren 30 bis 40 Tagen Lebenszeit mit Antibiotika behandelt worden seien, ein Viertel sogar mit bis zu acht Präparaten.

Als Ursache für diese Entwicklung vermutet Meyer vor allem zwei Umstände: Zum einen würde in Großstallanlagen der ganze Bestand mit Antibiotika versorgt werden, wenn nur einzelne Tiere krank seien. Und Tierärzte hätten in Deutschland das Recht die Medikamente wie Apotheker zu verkaufen.

Das Bundesgesetz sieht ein so genanntes Benchmarking vor: Den Betrieben wird keine Antibiotika-Höchstgrenze gesetzt, statt dessen muss das Viertel mit dem höchsten Verbrauch besser werden. Das entspräche in Niedersachsen 5000 bis 7000 Betrieben, die dann aufgefordert würden, ein Konzept vorzulegen, wie sie den Verbrauch reduzieren wollen, so Meyer. Reagieren sie auf die Aufforderung nicht, drohen ihnen Sanktionen bis hin zur Betriebsschließung.

Der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Werner Hilse, kritisierte das pauschale Ziel der Reduzierung um 50 Prozent. „Unsere Betriebsleiter haben bereits bisher Antibiotika nur nach entsprechender Diagnostik und Anordnung der Tierärzte an ihre Nutztiere gegeben“, sagte Hilse. Zu befürchten sei, dass  die Zahl resistenter Keime zukünftig sogar noch steigen werde, beispielsweise durch vorzeitig abgebrochene Behandlungen.

Das Unheil durch die Heilmittel

Der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin gilt als Grund für die Zunahme multiresistenter Keime. Gegen diese Erreger sind einfache Antibiotika oft machtlos, sie können daher zu einer tödlichen Gefahr vor allem für Krankenhauspatienten werden. Um diese Entwicklung zu stoppen, fordert die niedersächsische Landesregierung, Antibiotika der dritten und vierten Generation, so genannte Reserve-Antibiotika, für die Tiermedizin zu verbieten. Dafür hat sich bislang aber noch keine Mehrheit auf Bundesebene gefunden.

Vorbild im Kampf gegen multiresistente Keime sind die Niederlande. Hier ist es mithilfe einer zentralen Datenbank gelungen, den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast deutlich zu reduzieren. Außerdem werden in Holland Risikopatienten in Kliniken bereits seit den 1980er Jahren isoliert. Schweinehalter werden als Risikopatienten angesehen.

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