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Niedersachsen Wieso die Revolte gegen Hampel ausblieb
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00:15 07.02.2017
Armin Paul Hampel, Landeschef der Alternative für Deutschland, zieht als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Als Armin Paul Hampel beim Parteitag der niedersächsischen AfD ans Mikrofon tritt, wirkt er entspannt. Anstatt mit feurigen Worten für sich zu werben, erzählt der 59-Jährige eine Anekdote: Als junger ARD-Korrespondent sei er 1990 in einer Delegation mit Helmut Kohl nach Moskau gereist. Auf dem Rückweg, im Flugzeug über Ostpreußen, „der Heimat meiner Mutter“, habe der Bundeskanzler Sekt ausgeschenkt und „auf Deutschland“ getrunken. „Das war ein besonderer Moment in meinem Leben“, sagt Hampel. Einen Kanzler, der auf sein Land anstoße, habe er bis dahin nicht erlebt.

Viele Gegner bleiben fort

Die gefühlige Geschichte verfehlt bei den Anwesenden nicht ihre Wirkung: Hampel wird mit 89,9 Prozent der Stimmen auf den ersten Listenplatz für die Bundestagswahl gewählt. Auch auf den weiteren Plätzen finden sich mit Jörg König (Hannover), Thomas Ehrhorn (Celle), Wilhelm von Gottberg (Lüchow) und Dietmar Friedhoff (Neustadt a. Rbg.) Verbündete des Landeschefs. Gottberg wird bei der Bundestagswahl 77 Jahre alt sein und hat gute Chancen, Alterspräsident zu werden.

Dass es für Hampel so glatt laufen würde, war nicht zwangsläufig zu erwarten, denn bis kurz vor Beginn des Parteitags hatten sich der Landeschef und seine innerparteilichen Gegner tief zerstritten. Erst am Vortag der Mitgliederversammlung stand nach Anträgen und Gegenanträgen fest, dass der Parteitag überhaupt stattfinden würde. Früh war aber klar, dass sich der Konflikt hier nicht fortsetzen würde. Zahlreiche von Hampels Gegnern waren gar nicht erst angereist. Eine Aussprache zum Streit, die der Landeschef vor die eigentliche Versammlung gesetzt hatte und die nicht öffentlich war, fiel kurz aus, lauter Applaus für Hampel drang durch die dicken Türen.

Während der Sitzung meldeten sich nur einzelne Stimmen, die offen in Opposition zum Landesvorstand gingen: Zwei Anträge auf Abbruch der Mitgliederversammlung wurden mit „Aufhören!“-Rufen quittiert und mit großer Mehrheit niedergestimmt. Der als Bundesprominenz angereiste Brandenburger Fraktionschef Alexander Gauland ermahnte die Niedersachsen mit dem Zitat des sterbenden Attinghausen aus Wilhelm Tell: „Seid einig, einig, einig.“

Das Misstrauen ist weiter groß. „Manchmal frage ich mich schon, ob nicht der eine oder andere V-Mann in unseren Reihen ist“, meint Siegfried Reichert aus Sehnde. Und als vor der Abstimmung erst Wahlkarten und dann auch noch die Wahlurnen spurlos verschwinden und erst verspätet wieder auftauchen, macht sich bei vielen der 419 AfD-Mitglieder im Raum die Überzeugung breit, dass die Saboteure mitten unter ihnen sind.

Ein Feuerwerk der Rhetorik ist der Parteitag nicht, auch spielen politische Richtungen keine zentrale Rolle. Dafür geht es viel um Formfragen und einen sauberen Ablauf der Veranstaltung. Anfechtungsgründe und Rechtsfehler sollen um jeden Fall vermieden werden. Wer sich für die Wahlliste aufstellen lassen will, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Oder ersatzweise versichern, dass er unbescholten ist.

Das aufwendige Verfahren hat seinen Preis: Eigentlich wollte die AfD am Wochenende 20 Listenplätze wählen, denn der Verband macht sich Hoffnung auf ein Wahlergebnis von 10 bis 11 Prozent und damit auf mindestens acht Mandate. Doch weil gestern Abend erst sechs Kandidaten feststanden, will die Partei am kommenden Wochenende erneut zusammenkommen.

Politisch noch schwer zu greifen

Kommentar von Heiko Randermann

Die AfD in Niedersachsen hat ihn vermutlich hinter sich gebracht: den ersten heftigen Streit. Und die Gruppe um den Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel hat ihn für sich entscheiden können – doch der Sieg könnte einen hohen Preis haben.

Denn in dem Konflikt ist viel Porzellan zerschlagen worden. Hampel hat den Machtkampf gewonnen, aber die Einheit der Partei hat gelitten. Dass Hampel fest daran glaubt, Saboteure in seiner Partei zu haben, wird die Einigung zusätzlich erschweren. Hampel hat am Wochenende die Spitzenkandidatur gewonnen, als Landesvorsitzender hat er Kredit eingebüßt.

Personell hat sich die AfD aufgestellt, politisch ist sie noch schwer zu greifen. Auf der Bühne wird viel von „unserem Deutschland“ und „Verrat am Volk“ gesprochen, die Ablehnung der Scharia und die Kampfansage an die „politische Korrektheit“ sorgen für Applaus und Gemeinschaftsgefühl im Saal, aber für wenig Klarheit in der Sache. In den nächsten Monaten wird der Landesverband der AfD noch erklären müssen, wie sie eigentlich aussehen soll, diese Alternative zur bestehenden Politik.

Die Revolte gegen den umstrittenen niedersächsischen AfD-Landesvorsitzenden Paul Hampel ist am Sonnabend ausgeblieben. Bei der Kandidatenkür für den Bundestag fehlten die meisten seiner Gegner. Und so wurde Hampel schließlich zum Spitzenkandidaten gekürt.

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