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Niedersachsen Hampels Sorge um die Heimat
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07:05 06.01.2015
Foto: „Niedersachsens Eltern werden aufschreien“: Fernsehjournalist Armin Paul Hampel sucht seinen Weg in die Landespolitik.Foto: dpa Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Heimat war früher immer das, was fehlte. „Ich war ein Flüchtlingskind“, sagt der 1957 in Bielefeld geborene Armin Paul Hampel. Ostpreußen, das Land der Eltern, war verloren. „Ich hatte nie einen Onkel oder eine Tante um die Ecke, das prägt einen.“ Bis heute, denn Heimat ist wieder Hampels Thema. Als Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) in Niedersachsen treibt ihn die Sorge um, seine Heimat wieder zu verlieren. Diesmal nicht durch Flucht, sondern durch Zuwanderung.

Um seine Argumente zu verdeutlichen, erzählt Hampel gerne Geschichten. So wie die von seiner Fahrt in ein Dorf bei Stuttgart, wo er einen Freund besuchen wollte. Auf dem Marktplatz saß „der versammelte Orient“, sagt Hampel. Doch am Rande des Marktplatzes habe dieser ältere Herr, ein Deutscher, an seinem Fenster gesessen, die Arme auf ein dickes Kissen gestützt. „Und ich habe mich gefragt, wie dieser Mann seinen Marktplatz sieht. Der schaut vielleicht schon seit 30 Jahren aus seinem Fenster. Und alles ist anders geworden, da sind Menschen, die kennt er nicht, die sind ihm fremd. Kann ich ihm das zumuten?“ Wenn Zuwanderung nicht gebremst werde, dann verändere sich die Identität einer Gesellschaft, so Hampel.

Hampel spricht mit einer sonoren Stimme, der es nicht schwerfällt, auch größere Räume zu füllen. Korrekt, aber nicht zu steif gekleidet, und mit einer in sich ruhenden Selbstgewissheit ausgestattet, wirkt er wie jemand, der sein Leben in einem Gutshaus auf dem Land verbracht hat. Dabei war er fast immer ein Bewohner von Hauptstädten, schon von Berufs wegen. Bis 2012 war Hampel ARD-Korrespondent - in Bonn und Berlin, und zuletzt neun Jahre Leiter des ARD-Asienbüros in Indien.

Hampel weiß daher, wie Nachrichten funktionieren, wie man eine Schlagzeile macht oder ein Bild in den Köpfen der Menschen entstehen lässt. Doch an den Anspruch des ARD-Jobs, zwischen nüchternen Fakten und aufgeregter Spekulation immer eine klare Grenze zu ziehen, hält sich Hampel heute nicht mehr unbedingt. Als Ministerpräsident Stephan Weil in einem HAZ-Interview die Einführung von muslimischen Feiertagen erwog, reagierte der AfD-Chef in einer Pressemitteilung mit Sarkasmus: Das sei ja ein Segen für die heimische Wirtschaft, die an diesen Feiertagen verdienen könne. Landwirte müssten nur auf Schafzucht umstellen, das Schächtungsverbot abgeschafft werden und überhaupt könne man demnächst Koransprüche auf Spazierstöcke prägen und Kopftücher mit Niedersachsen-Ansichten drucken. Satirisch nennen sich solche Übertreibungen gerne, die mit Witz bemänteln, was eigentlich eine Wutrede ist.

Die Zeit in Südasien habe ihn verändert, sagt Hampel. Früher habe er sich politisch zwischen CDU und FDP gesehen, sei aber bis auf acht Wochen in der Jungen Union nie Mitglied einer Partei gewesen. „Man muss vielleicht mal eine Zeit im Ausland wohnen, um zu sehen, wie schön es hier ist. Und was für angenehme Zeitgenossen hier leben.“

Worte, die vor allem der konservative Flügel in der AfD gerne hören wird, von dem einige derzeit gegen Parteichef Bernd Lucke aufbegehren. Der Vorstand der AfD Niedersachsen unterstützt Luckes Parteireform, die ihn zum einzigen Vorsitzenden machen würde. Auch will Hampel sich nicht auf den konservativen Flügel und gegen die Liberalen in der Partei festlegen lassen. „Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten.“

An die niedersächsischen Themen muss sich der Landesverband, der nach eigenen Angaben 1800 Mitglieder hat, erst herantasten. Erster Ansatzpunkt war der Erlass der rot-grünen Landesregierung, die sexuelle Vielfalt in Schulbüchern zu vergrößern. Ein Unding, findet Hampel, und kann überhaupt nicht verstehen, dass die CDU nicht vor Empörung platzt und die FDP sogar noch dafür gestimmt hat. Nun hofft Hampel auf die Empörung der Erziehungsberechtigten: „Wenn die Eltern die neuen Schulbücher in der Hand halten, wird der Aufschrei groß sein.“

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