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Niedersachsen Bereut die "Bild" den Fall Wulff, Herr Diekmann?
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00:16 02.06.2016
Bild-Herausgeber Kai Diekmann diskutiert mit Landtagsabgeordneten im Niedersächsischen Landtag. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Hannover

Auf jede Frage hatte Kai Diekmann eine passende und vor allem ausführliche Antwort. Auch auf die kritischen. Was als Streitgespräch angekündigt war, plätscherte nur so vor sich hin. Und wer sich am Montagabend von der Veranstaltungsreihe „Parlamentsleben“ des Niedersächsischen Landtags eine klare Antwort auf die Frage „Ist Presse die vierte Macht im Staat?“ erhofft hatte, wurde enttäuscht.

Der Journalist und „Bild“-Herausgeber stellte sich den Fragen der vier jüngsten Abgeordneten Ansgar Focke (CDU), Mustafa Erkan (SPD), Julia Willie Hamburg (Bündnis 90/Die Grünen) und Björn Försterling (FDP). Doch die Diskussion entwickelte sich schnell zur One-Man-Show, und die Rolle der „Bild“-Zeitung blieb weitgehend unangetastet.

Der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy moderierte die Gesprächsrunde. In gewohnt humorvoller Art musste er Diekmann häufiger in seinen Ausführungen unterbrechen und um prägnantere Antworten bitten. Er stellte dann die Frage, die offensichtlich viele Zuhörern im vollbesetzten Plenarsaal interessierte: „Bereut die ,Bild’ ihre Rolle in der Causa Wulff?“ Die Berichterstattung der Boulevardzeitung hatte eine wichtige Rolle beim Fall des Bundespräsidenten Christian Wulff gespielt. Gespannte Stille. Doch auch in diesem Fall folgte eine wohl austarierte Antwort, die wenig Platz für Selbstkritik ließ.

Die „Bild“-Zeitung habe die berühmte Nachricht auf Diekmanns Mailbox erst nach dem Erscheinen der Autobiografie von Christian Wulff veröffentlicht. Vielmehr hätten andere namhafte Medien die Enthüllungen ins Rollen gebracht. Zeitweise habe die Berichterstattung „absurde Züge angenommen“, sagte Diekmann. Geschickt entging er allerdings der Frage, ob sich die „Bild“-Zeitung nicht auch diesen Absurditäten angeschlossen hätte.     

Kai Diekmann (dritter von rechts) im niedersächsischen Landtag. Quelle: dpa

Wenn es um die Zusammenarbeit zwischen Medien und Politik gehe, halte sich seine Zeitung wie alle anderen Medien an die „gebotenen Regeln der Kommunikation“, sagte Diekmann. Und dennoch: „Wer das Licht der Öffentlichkeit sucht, kann es nicht mehr ausknipsen.“

Jeder Versuch der Abgeordneten, den Medienprofi – wenn auch sehr zaghaft – in die Mangel zu nehmen, scheiterte am Allgemeinen und an fertigen Argumentationsketten. Warum seine Zeitung die Griechen als faules Land darstelle, wollte Julia Willie Hamburg von Bündnis 90/Die Grünen wissen. Wieder eine ausweichende Antwort: Die Bild-Zeitung habe nicht die Griechen, sondern die deutsche Politik kritisiert. Wie es zu den reißerischen Überschriften komme, ließ Diekmann offen.

Gekonnt lenkte der Medienprofi das Interesse der Zuhörer weg vom Herausgeber Diekmann hin zur Privatperson. Er streute Informationen zum eigenen Fernsehverhalten, zum Umzug in die USA oder zu seinem Treffen mit dem ehemaligen Papst Benedikt XVI. ein. Und am Ende des Abends verloren alle die ursprüngliche Frage völlig aus dem Blick. Was bleibt, ist die Information, dass bei Diekmanns zu Hause der Streamingdienst Netflix genutzt wird.     

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