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Bischof Ralf Meister ist seit 100 Tagen im Amt

Evangelische Landeskirche Bischof Ralf Meister ist seit 100 Tagen im Amt

Hannovers neuer Bischof Ralf Meister steht nach 100 Tagen im Amt noch ganz am Anfang eines Besuchsmarathons durch Deutschlands größte evangelische Landeskirche. Langer Atem ist gefragt: Der demografische Wandel stellt die Kirche vor eine große Herausforderung.

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Landesbischof Ralf Meister ist seit 100 Tagen im Amt.

Quelle: Rainer Surrey (Archiv)

Hannover. Der neue Bischof von Deutschlands größter evangelischer Landeskirche in Hannover steht kaum in den Schlagzeilen, dafür aber nah bei seinem Kirchenvolk: Ralf Meister hat sein Amt mit einem Besuchsmarathon in den 57 Kirchenkreisen zwischen Harz, Nordsee und niederländischer Grenze begonnen. Nach 100 Tagen im Amt weiß er um die Herausforderung, die nicht allein in der Bewältigung der Fläche liegt. Der demografische Wandel, der mittelfristig auch die Zahl der Kirchenmitglieder und Finanzen schrumpfen lassen wird, stellt die Kirche vor die Frage, wie sie künftig im ländlichen Raum präsent sein kann. Eine schnelle Antwort hat Meister nicht.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Von Berlin wechselte Meister in ein Bundesland, das abgesehen von einer Hand voll Großstädte vor allem ländlich geprägt ist. Meister wurde im vergangenen Herbst zum Nachfolger der zurückgetretenen langjährigen Bischöfin von Hannover, Margot Käßmann gewählt. Die großen Fußstapfen brauchte er dabei nicht zu fürchten. Führungserfahrung sammelte er in seinem bisherigen Amt als Generalsuperintendent und die Botschaft der Kirche verkündete er nicht nur von der Kanzel, sondern auch als „Wort zum Sonntag“-Sprecher in der ARD.

„Wenn wir das Fahrtempo beibehalten, legen wir 80.000 bis 100.000 Kilometer im Jahr zurück, das lässt sich nicht beibehalten“, sagt Meister nach drei Monaten Erkundungstour durch Niedersachsen. Binnen eineinhalb Jahren will er sämtliche Kirchenkreise besucht haben. „Die große Chance und das Schöne ist, dass ich unglaublich viele Menschen treffe. Zugleich habe ich das überfordernde Gefühl, den Menschen nicht gerecht zu werden.“ An der Basis kommt der neue Bischof auf seinen Stippvisiten dennoch an: Offen, den Menschen zugewandt und mit einem Talent zum Zuhören gehe Meister nicht nur auf die großen Funktionsträger zu, sondern auch auf die Ehrenamtlichen, sagen Vertreter der Laiengruppen.

Der demografische Wandel stellt die Kirche vor Probleme

„Es gibt eine unglaubliche Vielfalt kirchlicher Angebote und Lebendigkeit“, meint Meister. Während manche die Kirche auf dem absteigenden Ast sähen, gebe es in Niedersachsen sichtbare Zeichen der Vitalität, beispielsweise den Bau eines neuen Gemeindehauses in Buchholz. Allerdings habe er auch Armut und soziale Spaltung auf dem Land wahrgenommen, sagt der neue Bischof. „Das ist eine neue Herausforderung an die Kirche im ländlichen Raum.“ Die Frage sei, welche Rolle die Kirche etwa auch bei der Stabilisierung von Dorfgemeinschaften spielen könne.

Dabei stellt der demografische Wandel die Kirche selber vor die Frage, wie sie sich künftig im ländlichen Raum um die Menschen kümmern kann. „Ich habe keine Antwort darauf“, räumt Meister ein. Schon heute betreut ein Pfarrer mitunter bereits etliche Gemeinden gleichzeitig und die Zahl der hauptamtlichen Kirchenmitarbeiter wird mit Sicherheit nicht zunehmen. Sicher sei aber, dass die Belastung für die Pfarrer tragbar gestaltet werden müsse. „Die Schönheit dieses Berufes strahlt nicht mehr so aus.“

Ähnlich wie Käßmann ist es Meister schnell gelungen, die Sympathie von Menschen zu gewinnen, auch wenn sie der Kirche nicht allesamt eng verbunden sind. Anders als seine medienpräsente Vorgängerin hat Meister zum Start allerdings leisere Töne angeschlagen, wenn es heißt, die Stimme der Kirche in Gesellschaft und Politik zu erheben. Appelle, Mahnungen und Verurteilungen in sozialen Fragen etwa kommen seltener aus Hannover. „Das war eine Grundsatzentscheidung, mit dem Besuch der Kirchenkreise zu starten. Das heißt, dass man anderes nicht machen kann.“ Schlagzeilen bringe das meist nicht. Die Konzentration auf die Besuche vor Ort bedeute aber, dass der Bischof in der großen Fläche von Niedersachsen wahrgenommen werde.

dpa

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