Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Bistum Hildesheim bestellt Gutachter

Missbrauchsvorwürfe Bistum Hildesheim bestellt Gutachter

Ein früherer Pfarrer soll im Bistum Hildesheim Kinder missbraucht haben. Er gilt auch als einer der Haupttäter eines Missbrauchsskandals in Berlin. In Hildesheim soll nun ein Gutachter die Vorwürfe und das Ausmaß eines möglichen Kindesmissbrauchs prüfen.

Voriger Artikel
Deutschkurse gefragt - doch Lehrer fehlen
Nächster Artikel
Wird die Atommüllkippe eine neue Goldgrube?

Hatte Fehler bei der Aufklärung eingeräumt: Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle.

Quelle: dpa

Hildesheim. Das Bistum Hildesheim will nach neuen Missbrauchsvorwürfen im Fall des früheren Pfarrers Peter R. einen unabhängigen Gutachter bestellen. Dieser solle auch mögliche weitere Fälle sexuellen Missbrauchs durch den Geistlichen in der Diözese klären, teilte das Bistum am Donnerstag mit. Nach Recherchen des WDR hat sich ein weiteres mutmaßliches Opfer des früheren Pfarrers gemeldet. Dabei handele es sich um die Mutter der jungen Frau, die als Elfjährige von dem Geistlichen bedrängt worden sein soll.

Die heute 20-Jährige hatte vor kurzem vom Bistum eine Geldsumme in Anerkennung ihres Leides erhalten. Der Pater gilt als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern in 70er und 80er Jahren. Diese Taten sind allerdings alle verjährt. Der Gutachter soll nach Bistumsangaben eng mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Wer mit der Aufarbeitung beauftragt werde, solle in Kürze bekanntgegeben werden.

Missbrauchsbeauftragte begrüßt Entscheidung

Der Betroffenenrat beim unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs kritisierte zuvor, dass es keine Ermittlungen gegen den Pfarrer oder auch gegen Verantwortliche im Bistum gibt. „Es ist uns unverständlich, dass gegen einen Mann, dem Kindesmissbrauch in dreistelliger Zahl vorgeworfen wird, nicht einmal ermittelt wird, obwohl es Hinweise auf weitere Taten gibt“, heißt es in einer Mitteilung. Der unabhängige Beauftragte ist organisatorisch beim Bundesfamilienministerium angesiedelt.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes Wilhelm-Rörig, begrüßte die Entscheidung des Bistums. „Es ist eine überfällige Entscheidung des Bistums, die jetzt endlich getroffen werden musste. Ich bin froh, dass jetzt jemand beauftragt werden soll, der die Missbrauchsaffäre um den Pfarrer R. unabhängig aufklären kann", sagte Rörig der HAZ. Gerade angesichts der eingetretetnen Verunsicherung schaffe man so für die möglichen weiteren Opfer „eine Möglichkeit, sich vertrauensvoll an einen unabhängigen Ermittler zu wenden, um über erlittenes Unrecht zu sprechen, ohne das Institutionenschutz eine Rolle spielt“, betonte Rörig.

Neue Vorwürfe in TV-Dokumentation

Bei den neuen Vorwürfen schilderte die heute 39 Jahre alte Mutter in einer Fernseh-Dokumentation, dass sie ebenfalls ab 1993 von dem Pfarrer sexuell bedrängt worden sei. Das Bistum Hildesheim sei seit vergangenem September auch über ihren Fall informiert gewesen, sagt die Mutter in der Dokumentation. Ein Bistumssprecher hatte mitgeteilt, es bestehe bis zum heutigen Tag kein Kontakt zwischen dem Bistum Hildesheim und der Mutter des jungen Mädchens. Die von ihr gegen Peter R. erhobenen Vorwürfe seien dem Bistum bisher so konkret nicht bekanntgewesen.

Die Tochter hatte sich 2010 gemeinsam mit einer Lehrerin an das Bistum gewandt und berichtet, der Pfarrer habe sie bei einem Besuch in Berlin sexuell bedrängt. Sorgeberechtigt waren damals die Großeltern, die aber nicht sofort informiert wurden.

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle war wegen seines Verhaltens nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Fall des Mädchens zunächst in die Kritik geraten und räumte später selbst Fehler ein.

Von Oliver Pietschmann und Michael B. Berger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Insgesamt 150.000 Euro
Räumte Fehler ein: Hildesheims Bischof Norbert Trelle.

Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen einen früheren Pfarrer zahlt das Bistum Hildesheim einer jungen Frau eine Geldsumme in Anerkennung ihres Leids. Anlass dafür ist die Entscheidung der Berliner Staatsanwaltschaft vom 6. Januar, keine weiteren strafrechtlichen Ermittlungen in diesem Fall mehr aufzunehmen.

mehr
Mehr aus Niedersachsen
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.