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Pistorius warnt vor Judenhass

Antisemitismus in Deutschland Pistorius warnt vor Judenhass

Der Verfassungsschutz setzt sich auf einer Tagung mit dem immer noch existierenden Antisemitismus auseinander. Die Zahlen sind alarmierend: Es wird befürchtet, dass bis zu 20 Prozent der Deutschen antijüdische Aversionen hegen.

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"Der Antisemitismus hat auch heute noch viele Gesichter", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Quelle: dpa

Hannover. Der Antisemitismus spielt auch heute, fast siebzig Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur eine große Rolle – in allen Spielarten des politischen Extremismus. Dies ist das Fazit einer großen Tagung des Verfassungsschutzes, die sich am Mittwoch mit dem noch immer existierenden Judenhass auseinandersetzte. „Der Antisemitismus hat auch heute noch viele Gesichter“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).

So verbreiteten sich judenfeindliche Klischees über das Internet – nicht nur bei Rechtsextremisten, die judenfeindliche Weltverschwörungstheorien verbreiteten, die allerdings nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen seien. „Mit großer Sorge und großer Wachsamkeit“, so Pistorius, beobachte man, wie sich rechtsextremistisches Gedankengut in der Musikszene verbreite.

Als „relativ junges Phänomen“ beleuchtete die Islamwissenschaftlerin Lamya Koddor den muslimischen Antisemitismus, der vor allem politische und nicht religiöse Ursachen habe – die aktuelle Nahostkrise. Viele Jugendliche, vor allem mit arabischen Wurzeln, nähmen Juden auch nicht als Opfer wahr, sondern eher als Vertreter „einer Besatzungsmacht“, nämlich des Staates Israel. Der Politologe Armin Pfahl-Traughber schätzt, dass 20 Prozent der deutschen Bevölkerung noch immer antijüdische Aversionen hegten, diese aber nur im privaten Bereich äußerten.

Jeder fünfte Deutsche ein Antisemit? „Das sind keine Zahlen des Verfassungsschutzes“, sagte Maren Brandenburger, Chefin des niedersächsischen Dienstes, der HAZ. Aber aus Untersuchungen wisse man, dass eine solche Prozentzahl durchaus realistisch sei. Die Tagung habe sich erstmals mit drei verschiedenen Themenfeldern befasst – nämlich mit dem Rechts-, dem Links- und dem islamistischen Extremismus. „Tatsache ist: Es gibt sehr ähnliche Motive, Stereotypen und Problemlagen junger Menschen, sich zu radikalisieren.“ Man müsse den Antisemitismus in seinen Verästelungen noch stärker wahrnehmen.

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