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Die Drag-Queen wählt den Präsidenten

Olivia Jones Die Drag-Queen wählt den Präsidenten

Am 17. Februar wählt die Bundesversammlung einen neuen Bundespräsidenten. Abstimmen wird auch die in Springe geborene Drag Queen Olivia Jones. Als Abgesandte der Grünen wird sie als "Repräsentantin einer bunten Republik" nach Berlin geschickt. 

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Drag Queen Olivia Jones wird als Abgesandte der Grünen den Bundespräsidenten wählen. 

Quelle: dpa (Archiv)

Hannover/Berlin. Als sie noch ein kleiner Junge war, stromerte sie im alten Steinbruch am Deister herum, und als Halbwüchsiger mogelte sie sich zum Disco-Besuch ins „Cocoa“. Olivia Jones, aufgewachsen als Oliver Knöbel, ist ein Kind Springes. Jetzt wird der Travestiekünstlerin eine besondere Ehre zuteil: Die Landtagsfraktion der Grünen schickt sie in die Bundesversammlung, die am 12. Februar den neuen Bundespräsidenten wählt.

„Wir haben von grüner Seite aus sehr viel Sympathie für die Art und Weise, wie Olivia Jones für eine offene Gesellschaft und Toleranz wirbt“, sagt Grünen-Fraktionschefin Anja Piel. Außerdem setze sie sich für den Tierschutz ein. „Sie ist einfach eine sehr authentische Persönlichkeit“, sagt Piel. „Und wir haben die Quote bei uns in der Delegation damit sehr elegant geregelt.
Die Grünen-Fraktion darf neun Delegierte zur Wahl des Nachfolgers von Joachim Gauck entsenden. Unter anderem werden Umweltminister Stefan Wenzel, Parteichefin Meta Jannse-Kucz und Piel selbst dabei sein. Vier Männer, vier Frauen – und eben Olivia Jones.

In der Vergangenheit dominierten meist gesetzte Herren mit grauen Haarkränzen und weißen Hemden das Bild der Bundesversammlungen. Schließlich sind diese Veranstaltungen weihevolle Hochämter der Demokratie, in denen eine grundsätzliche Seriosität gern gesehen wird. Sollte Olivia Jones in ihrer gewöhnlichen Arbeitskleidung erscheinen, könnte sie schon optisch einen Kontrapunkt zu der geballten Ladung Solidität setzen.

Wenn Niedersachsens Grüne ein Zeichen dafür setzen wollen, wie modern, tolerant und schrill Deutschland sein kann, haben sie mit der Nominierung von Olivia Jones, die prinzipiell gegen Diskriminierungen jeder Art kämpft, eine ideale Besetzung gefunden. „Es gab bislang Wahlmänner und Wahlfrauen – und jetzt gibt es eben auch mal was dazwischen“, sagt Jones selbst.

Ein wenig Erfahrung auf dem politischen Parkett konnte sie vor drei Jahren immerhin schon in einer Sitzung des Springer Ortsrats sammeln, in der sie zur Ehrenbotschafterin der Stadt ernannt wurde. Damals hatte die Wahlhamburgerin, die regelmäßig in ihrer Heimatstadt ist und immer versicherte, sie sei „froh und stolz“, aus Springe zu stammen, nicht mit Glitzer-Lippenstift gespart. Zum goldenen Handtäschchen trug sie ein Mini-Kleid mit Fledermausärmeln.

Angesichts ihrer Nominierung für die Bundespräsidentenwahl gibt sich Olivia Jones so staatstragend, wie sich das für eine würdige Ehrenbotschafterin Springes gehört: „Für mich als Repräsentantin einer bunten Republik ist das eine große Ehre“, sagt sie, „und für alle, die in diesen schwierigen Zeiten für Toleranz und Vielfalt kämpfen, ein kleiner Lichtblick.“

 

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