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Niedersachsen Bundeswehr-Skandal: Kriminologe soll forschen
Nachrichten Politik Niedersachsen Bundeswehr-Skandal: Kriminologe soll forschen
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21:30 29.03.2017
Von Michael B. Berger
Mobbing, Volksverhetzung, sexuelle Belästigung: Warum es in Kasernen der Bundeswehr, wie hier in Bad Reichenhall, immer wieder zu solchen Vorfällen kommt, soll Christian Pfeiffer erhellen.  Quelle: Sven Hoppe
Hannover

Hannover. Nach einer Serie von Übergriffen unter Soldaten soll der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer die innere Lage der Bundeswehr erkunden. Pfeiffer bestätigte der HAZ, dass er darüber mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und hohen Generälen gesprochen habe. „Es gibt von der Führung den Wunsch nach einer gründlichen und tiefer gehenden Aufklärung, und ich habe eine große Offenheit gegenüber einer echten wissenschaftlichen Aufarbeitung gespürt“, sagte Pfeiffer.

Der Kriminologe will in den nächsten Monaten ein Team von Juristen und Sozialwissenschaftlern zusammenstellen, das eine große Dunkelfeldstudie über Übergriffe, das Anzeigeverhalten und mögliche Hemmnisse erstellen soll. Die Anzeigebereitschaft sei relativ niedrig, meinte Pfeiffer - womöglich, weil Betroffene Angst vor Repressalien hätten. „Die Dunkelfeldforschung soll erhellen, was schiefläuft - es wird ein transparenter, kommunikativer Prozess sein“, sagte der Jurist, der lange Jahre das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen leitete.

10.000 Soldaten werden gefragt

Pfeiffer will erst mit einer großen Aktenanalyse zu den bekannten Missbrauchsfällen beginnen und dann eine große Befragung mit etwa 10 000 Soldatinnen und Soldaten starten. Mit ersten Ergebnissen sei in einem Jahr zu rechnen, die Studie werde aber mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Einen ersten Bericht über die jüngsten Vorfälle, die sich in einer Ausbildungskaserne in Pfullendorf (Baden-Württemberg) und Bad Reichenhall (Bayern) ereigneten, wo Soldaten drangsaliert wurden, hat Generalinspekteur Volker Wieker am Mittwoch dem Verteidigungsausschuss in Berlin gegeben. In Pfullendorf sei es zu „gravierenden Verstößen“ gegen Grundsätze der Bundeswehr gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung.

Wegen der Vorfälle in Bad Reichenhall ermitteln Staatsanwälte nicht nur wegen Mobbings und „sexualbezogener Verfehlungen“, sondern auch wegen Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Der Bericht betont auch die Bedeutung eines kritischen „Blicks von außen“ auf interne Abläufe, den Pfeiffer liefern soll. Der Kriminologe solle vorhandene Daten analysieren, mögliche Schwachstellen identifizieren und helfen, Vorschläge zur Schulung und Weiterbildung von Fachpersonal zu entwickeln, schreibt der Generalinspekteur.

Laut Wieker sind bei der internen Analyse weitere 40 Hinweise allein bei der „Ansprechstelle Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr“ eingegangen. Zivile Mitarbeiter beklagten vor allem Mobbing-Vorwürfe, Soldatinnen und Soldaten sexuelle Übergriffe. Dem Bericht zufolge wurden bereits bekannte Verdachtsfälle der beiden vergangenen Jahre sowie neue Fälle analysiert.

Insbesondere junge Soldaten von Kampfverbänden entwickelten demnach ein Eigenleben. Die Verdachtsfälle und Vorwürfe betreffen vor allem Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere zwischen 20 und 30 Jahren. Wieker stellt für diesen Kreis ein „besonderes Erfordernis an stringenter Führung, Ausbildung und Erziehung“ fest.

Übergriffe, Nötigungen, Demütigungen

Zuletzt haben Fälle von Misshandlungen oder sexuellen Übergriffen in der Bundeswehr verstärkt für Schlagzeilen gesorgt.

  • Bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall soll ein Obergefreiter sexuell belästigt und genötigt worden sein.
  • Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen protestiert in einem offenen Brief gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Oldenburg, die Anzeige gegen einen Bundeswehrsoldaten wegen sexueller Belästigung einer Kameradin einzustellen.
  • Soldaten der Kaserne in Pfullendorf in Baden-Württemberg berichten von demütigenden Aufnahmeritualen. Zudem sollen Ausbilder untergebene Soldatinnen zum Tanz an der Stange gezwungen und sie im Intimbereich abgetastet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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