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Wer ist der Abgeordnete mit der Chemtrail-Anfrage?

CDU-Mann Martin Bäumer Wer ist der Abgeordnete mit der Chemtrail-Anfrage?

CDU-Mann Martin Bäumer geht den Dingen gerne auf den Grund: Einmal wollte er wissen, wo die Nylonfäden von Motorsensen bleiben. Die würden bei Benutzung schließlich immer kleiner. Und zuletzt fragte er im Landtag: Gibt es eigentlich Chemtrails? Solche Fragen bringen ihm Spott ein – und Dankbarkeit.

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Martin Bäumer, hier im Landtag, gilt als beharrlich. Aber nicht als Spinner.

Quelle: Udo Heuer

Hannover. Eigentlich hat Martin Bäumer Urlaub, der Landtag ist in der Sommerpause. Doch bei dem CDU-Abgeordneten in Georgsmarienhütte stapeln sich trotzdem die Mails, er bekommt Anrufe und Nachrichten über die sozialen Medien. Es hagelt Spott und Beschimpfungen, aber auch Zuspruch und Dank, alles wegen eines Themas: Bäumers Anfrage im Landtag zu sogenannten Chemtrails und Geo-Engineering. Damit hatte er zum offiziellen Thema gemacht, was seit den 1990er Jahren als Verschwörungstheorie verbreitet wird – der Verdacht nämlich, dass über die Kondensstreifen von Flugzeugen in Wahrheit giftige Chemikalien in die Atmosphäre ausgebracht werden, etwa um eine gezielte Bevölkerungsreduktion zu erreichen.

Die CDU-Fraktion beeilte sich, auf Distanz zu gehen: Bäumer habe diese Frage nur als Abgeordneter, aber nicht als umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion gestellt, teilte ein Sprecher mit. Doch Bäumer will dranbleiben, das Thema treibt ihn um. Er ist kein Chemtrail-Jünger, aber mit Gewissheit ausschließen will er diese Theorien auch nicht. „Ich habe eine gehörige Portion Skepsis, ob nicht doch etwas dahinter steckt“, sagt er. Nur mit einer wissenschaftlichen Untersuchung könne man diese Ideen „ins Reich der Fabeln verweisen“.

Was sind Chemtrails?

Versprühtes Gift? Der Glaube an sogenannte Chemtrails ist eine klassische Verschwörungstheorie. Dahinter steckt die These, dass Staaten Flugzeuge benutzen, um Chemikalien zu versprühen, die das Wetter beeinflussen oder sich gegen die Bevölkerung richten. Hinweise darauf sehen die Chemtrail-Anhänger unter anderem in den Kondensstreifen von Flugzeugen. Kondensstreifen entstehen, wenn die Abgase der Flieger nicht verdunsten, weil die Luft sehr kalt oder feucht ist.

In der Landespolitik ist die Verwunderung groß – als ausgemachter Spinner gilt Bäumer dennoch nicht. „Das ist ein ernsthafter und sehr engagierter Mann“, sagt der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Volker Bajus, über Bäumer. Umso mehr habe ihn gewundert, dass der CDU-Mann sich um ein so abseitiges Thema wie die Chemtrails kümmere. „Da ist er über das Ziel hinausgeschossen“, so Bajus. Möglicherweise habe er sich nicht getraut, seinen Wählern zu sagen, dass Chemtrails ins Reich der Verschwörungstheorien gehören. „Das ist eigentlich untypisch für ihn“, so Bajus. 

Untypisch, weil Bäumer sonst Konfrontationen nicht scheut. Er wird nie laut, aber er ist beharrlich, er wühlt sich in die Themen ein, und er kann nerven. Etwa bei der Explosion einer Chemiefabrik in Ritterhude oder beim Kampf gegen Mikroplastikmüll im Wasser.

Hier kann der CDU-Mann grüner argumentieren als die Grünen, was man ihm in der Union hoch anrechnet. Bäumer habe bei diesen Themen einen „sehr guten Instinkt“, lobt sein Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Björn Thümler. „Martin Bäumer lebt Umweltschutz – und das ehrlicher als so manch selbsternannter Öko.“ 

Tatsächlich war Bäumer als CDU-Mann lange der einzige Vegetarier im Landtag. Der Vater von vier Kindern fährt ein Hybrid-Auto, kämpfte für die Einrichtung einer entsprechenden Ladestation am neuen Landtag und hält zu Hause 220 Bio-Hühner. 

Die Hühner haben ihn vor Jahren aber schon mal zu einer eher drolligen Anfrage geführt: „Wo bleibt der Nylonfaden von Motorsensen?“ wollte er damals vom Umweltministerium wissen. Der Hintergrund: Bäumer hatte festgestellt, dass bei seinem Rasentrimmer der rotierende Nylonfaden bei der Benutzung immer kleiner wurde.

Die zerbröselten Teile aber mussten doch irgendwo sein – und könnten dann von seinen Hühnern aufgepickt werden. Also fragte Bäumer beim Land an, wie es „das Gefährdungspotenzial emittierter Nylonfäden“ beurteilt. Die Antwort des FDP-Ministers damals fiel ähnlich aus wie die Chemtrail-Antworten des grünen Ministers jetzt: Eine wissenschaftliche Untersuchung wurde in so betont sachlich-steifen Worten abgelehnt, dass man den Eindruck hat, dass der Fachreferent des Ministeriums sich beim Schreiben das Lachen verkneifen musste. 

Bäumer war auch damals mit der Antwort nicht zufrieden. Er will es genau wissen, er bleibt an den Themen dran und hinterfragt, was andere als gegeben hinnehmen. Aber wer gerne abseits ausgetretener Pfade denkt, darf sich wohl nicht wundern, wenn seine Mitmenschen diese Gedanken mitunter abwegig finden.

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